Heute ist bereits mein letzter ganzer Tag in Kappadokien. Nach dem Frühstück gehe ich in Uçhisar erstmal zum Friseur. Frisch gestylt schaue ich mich noch etwas in den Gassen des Ortes um, bevor ich mich auf den Weg zum knapp 6 km entfernten Love Valley mache.
Leider ist kurz vor Erreichen des Zieles die einzige Zufahrtsstraße gesperrt. Ich denke zunächst, dass ich den Rest dann halt zu Fuß gehen muss, aber kurz darauf merke ich, dass es keine gute Idee ist bei der Hitze querfeldein zu laufen ohne zu wissen, wo der richtige Weg ist. Mit dem Auto fahre ich also ein paar hundert Meter hinter der Sperrung in einen Feldweg ab, in der Hoffnung, die Baustelle so umfahren zu können. Vom Feldweg gelange ich nach einer ganzen Weile auf die nicht fertiggestellte Straße und komme kurz darauf an ein Kassenhäuschen, an dem mir ein paar Lira abgeknöpft werden. Von dem Parkplatz kann man jedoch nur in das Tal hinabschauen. Einen Fußweg nach unten gibt es nicht.
Als ich wieder zurückfahre, werde ich an dem Kassenhäuschen gestoppt und wegen der Straßenbauarbeiten zurückgeschickt. Ich muss einen anderen Weg zurückfahren und gelange in einem großen Bogen wieder zu dem Feldweg. Jetzt versuche ich dort die andere Richtung. Etwas abenteuerlich ist der Weg schon für das Auto und von ein paar Reitern, denen ich dort begegne, werde ich auch etwas komisch angeschaut. Letztendlich parke ich an einer geeigneten Stelle neben der halbfertigen Straße und gehe die letzte viertel Stunde zu Fuß zum Tal. Warum das Love Valley so heißt, erklärt sich von selbst, wenn man die dortigen Feenkamine sieht. Kaum zu glauben, dass die Erosion solch ein bildhauerisches Talent besitzt.
Als Nächstes schaue ich mir die sogenannte Burg von Uçhisar an. Hier ist der Eintritt mal wieder in türkischer Lira ausgewiesen (es sind 320 ₺). Ich vermute mal, dass nur die staatlich verwalteten Sehenswürdigkeiten und Museen die Preise in Euro ausweisen, sodass der zu zahlende Betrag in ₺ ständig variiert. Lokale Sehenswürdigkeiten machen es hingegen weiterhin so, wie es sich aus meiner Sicht gehört. Ob man diese Höhlenfestung denn Burg nennen sollte, ist fraglich. Gleich nach dem Eingang ist in dem Turm ein kleiner Raum mit ein paar Sitzplätzen, wo man für kleines Geld etwas essen und trinken kann. Neben Gösleme, den frisch zubereiteten Pfannkuchen oder Fladenbroten mit unterschiedlichen Füllungen, gibt es natürlich Çay (Tee), Ayran und auch noch anderes. Sehr empfehlenswert, hier eine kulinarische Pause einzulegen.
Ganz oben, dort wo die türkische Flagge weht, hat man natürlich einen fantastischen Ausblick. Leider wird man da oben nach kurzer Verweildauer von hunderten kleiner Fliegen genervt, sodass man es dort nicht allzu lange aushält. Ich weiß nicht, ob das den ganzen Tag so ist. Vielleicht ist es jetzt gegen 17:15 Uhr einfach keine gute Zeit.
In Göreme gibt es auch noch ein Freilichtmuseum. Dort beträgt der Eintritt allerdings 20 € und für die Besichtigung einer speziellen Kirche noch 6 € extra. Das ist meiner Meinung nach viel zu viel, da es nicht wirklich etwas Außergewöhnliches ist, wenn man schon all die anderen Orte besucht hat. In einer Internetbewertung vom September 2022 habe ich gelesen, dass es da noch umgerechnet 8 € Eintritt kostet. In der kurzen Zeit von 8 € auf 20 € ist schon echt frech. Bedauerlicherweise ist das den meisten Besuchern aber scheinbar egal. Die ärgern sich zwar, aber sagen vermutlich: „Was soll’s. Jetzt, wo wir schon mal hier sind.“
Am Abend gönne ich mir noch einen der sogenannten Testi Kebap. Die Zutaten werden dabei in einen Einweg-Tonbehälter gefüllt, oben mit Brotteig versiegelt und dann entsprechend lange im Ofen gegart. Der Tonkrug hat eine Sollbruchstelle und springt durch leichtes Klopfen mit dem eindrucksvollen Messer an dieser auseinander. Das dampfend heiße Gericht wird dann direkt aus dem Tonkrug auf den Teller gefüllt. Das Feuer um den Krug herum dient nur der Show, aber dennoch scheint die Bedienung außerordentlich hitzeresistent zu sein. Normalerweise ist das mit Lammfleisch, aber auch in der vegetarischen Variante ist das sehr lecker. Geschmacklich gut vergleichbar mit der Tajine in Marokko.


Im Hotel gönne ich mir später noch ein türkisches Bier der Marke Bremen 1827. Die Aluminiumabdeckung der Trinkfläche ist nicht sehr nachhaltig, aber auf jeden Fall aus hygienischer Sicht eine gute Lösung. Nicht nur der Name ist ein Bezug zu Deutschland, auch die Farbgebung und der Hinweis auf das deutsche Reinheitsgebot (Alman Saflık Yasasi) fehlen nicht.
Am folgenden Tag schaue ich mir noch das Tal der Tauben an, dass nur ein paar Minuten vom Hotel entfernt ist. Offensichtlich eine Erfindung für Touristen, denn der Parkplatz an der Straße ist groß genug für ein paar Reisebusse und es gibt Souvenirs und Snacks. Dort ist auch eine Stelle, wo sich vielleicht 30 Tauben aufhalten, weil sie dort gefüttert werden. Beim Blick in das Tal sehe ich jedoch keine einzige Taube herumfliegen.
Für 18:45 Uhr habe ich mich zur Rückgabe des Mietwagens auf dem Flughafenparkplatz verabredet. Bedauerlicherweise erscheint jedoch niemand von der Mietwagenfirma. Nach ein paar Telefonaten und Whatsapp lege ich den Schlüssel ins Handschuhfach und gehe zum Check-in. Der Flughafen von Nevşehir ist so klein, dass es nur ein paar Minuten dauert, bis der Sicherheitscheck und das Aufgeben des Gepäcks erledigt sind. Der Flieger nach Istanbul hat leider etwas Verspätung, sodass wir um 20:00 Uhr immer noch nicht abgehoben haben.
Auf dem Flughafen SAW in Instanbul angekommen, kaufe ich mir am Automaten eine Istanbulkart und buche etwas Guthaben darauf. Diese Karte ist unverzichtbar für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und kostet derzeit ohne Guthaben ₺165. Man kann damit übrigens auch seinen Kaffee und andere Sachen bargeldlos bezahlen. Mit der Metro M4 geht es dann für mich in circa einer 3/4 Stunde bis zur vorletzten Station Ayrılık Çeşmesi.
Dort angekommen muss man in den Zug B1 Marmaray Banliyö Treni umsteigen (Richtung Halkali), um durch den knapp 14 km langen Tunnel unter dem Bosporus hindurch auf die europäische Seite der Stadt zu gelangen. Täglich fahren 328 Züge durch den Tunnel. In Stoßzeiten alle 5 Minuten. Knapp 1,4 km der Strecke sind 60 Meter unter dem Meeresspiegel. Meine Station in der Altstadt ist Sirkeci und von dort sind es nur noch ein paar Minuten zu Fuß zum Hotel. Mittlerweile ist es 23:30 Uhr und zum Glück ist noch einiges geöffnet, sodass ich nach dem Check-in noch eine Kleinigkeit essen kann.












