Der erste Tag in Istanbul war ja schon mal sehr schön. Mal sehen, was der zweite anzubieten hat. Ich habe mich jetzt entschieden, die überteuerten Sehenswürdigkeiten bei meinem ersten Besuch nicht zu besichtigen, da es auch so genug zu sehen gibt. Mit der Straßenbahn fahre ich hinunter zum Wasser und gehe über die Galata Brücke hinüber in den Stadtteil Karaköy. Auf der Brücke steht ein Angler neben dem nächsten.
Auf der anderen Seite angekommen, geht es durch die Gassen hinauf zum knapp 70 Meter hohen Galata Turm im Stadtteil Beyoğlu, dessen Besichtigung aktuell 35 € kosten würde. Der erste Turm an dieser Stelle wurde bereits in Jahr 527 erbaut, um Konstantinopel und das Goldene Horn zu überwachen. Dieser wurde aber im Laufe der Jahrhunderte immer wieder mal zerstört oder beschädigt und hatte viele unterschiedliche Verwendungen. Im 15. Jahrhundert war er mal ein Gefängnis. Bis in die 1960 diente der Turm als Feuerwache. Das, was man jetzt sieht, ist der 1967 nach alten Plänen restaurierte Turm. Die Durchmesser sind grob 16,5 Meter außen und 9 Meter innen. Bis ins siebte Stockwerk kann man mit dem Aufzug fahren. Von dort geht es über eine hölzerne Wendeltreppe noch zwei Etagen höher, wo sich dann neben einem Restaurant auch der Zugang zur winzigen, umlaufenden Aussichtsterrasse befindet. Alternativ kann man auch über die 146 Stufen im Inneren nach oben gehen. Ohne Frage ist die Aussicht oben bei gutem Wetter sicher grandios. Vermutlich ist der späte Nachmittag, wenn die Sonne sich ihrem Untergang im Westen nähert, ideal.
Da der Turm auf dem höchsten Punkt des Hügels errichtet wurde, überragt er alles in der näheren Umgebung und ist schon von Weitem sichtbar.
Ich verlasse den Stadtteil und fahre mit dem Bus Richtung Norden bis zur Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke, die 1988 eröffnet wurde. Auf einer Länge von 1,5 km kann man hier in 64 Meter Höhe auf zwei vierspurigen Fahrbahnen den Bosporus überqueren. Es ist Sonntag und einige Istanbuler machen hier, fernab vom touristischen Trubel, Picknick. Wie man sieht, kommt man mit dem Bus oben an und muss zum Bosporus hinunterlaufen.
Da dies die schmalste Stelle des Bosporus ist, wurde hier 1452 in nur 3 Monaten die Festung Rumeli Hisari errichtet. Der Eintritt von 6 € wäre ausnahmsweise mal angemessen, aber leider wird auch die Festung renoviert. Auf Nachfrage sagt man mir, dass das wohl noch 2 Jahre dauern wird. Anscheinend hat man beschlossen, alle Sehenswürdigkeiten der Stadt gleichzeitig zu renovieren.
Tatsächlich wird hier auch im Bosporus gebadet, was offiziell natürlich nicht erlaubt ist. An den Schwimmern kann man gut erkennen, dass die Strömung recht stark ist.
Am anderen Ufer steht der 1857 komplett aus weißem Marmor erbaute Küçüksu-Palast. Die Sultane nutzen den Palast damals allerdings nur tageweise für Ausflüge, sodass es darin keine Schlafzimmer gibt. Der Palast diente 1999 als Filmkulisse in „Die Welt ist nicht genug“ mit Pierce Brosnan als James Bond. In dem Film stand der Palast allerdings nicht in Istanbul, sondern in Baku/Aserbaidschan.
Mit der Fähre setze ich über zum Stadtteil Üsküdar in Asien. Zunächst geht es noch an den schönen alten Häusern am Ufer vorbei. Dann fahren wir unter der 1973 fertiggestellten Bosporus-Brücke durch, die nach dem niedergeschlagenen Putschversuch im Juli 2016 in Brücke der Märtyrer des 15. Juli umbenannt wurde. Dann sieht man auf der europäischen Seite im Hintergrund auch das moderne Istanbul und was teilweise für ein Bootsverkehr herrscht.
Die Brücke hat fast die gleichen Abmessungen wie die andere, sie unterscheidet sich aber deutlich, da die Pylone direkt am Ufer stehen. Dadurch wirkt sie etwas imposanter.
In Üsküdar ist direkt beim Fährterminal eine lautstarke, pro-palästinensische Demo bzw. Kundgebung. Es sind auf jeden Fall viele Flaggen am Start und es strömen immer weiter Leute zu dieser Veranstaltung. Auch immer mehr bewaffnete Polizisten kommen dazu und ich gehe lieber aus der potenziellen Gefahrenzone. Es scheint jedoch alles erlaubt zu sein und friedlich abzulaufen.
Der Maisverkäufer sieht so aus, als hätte richtig Spaß an seinem Job. Wahrscheinlich ist das aber nur der Ausdruck besonderer Konzentration. 🙂
Gegen 18:40 Uhr nehme ich die Fähre zurück nach Kadiköy. Es gibt viele Restaurants am Hafen und offensichtlich auch einiges, was den Möwen schmeckt. Auf jeden Fall gibt es hier überall Balik Dürum oder Balik Ekmek. Balik heißt übersetzt nichts anderes als Fisch. Der Fisch ist nicht, wie man bei einem Dürüm vermuten könnte, auf einem Drehspieß, sondern die Fischfilets werden frisch gebraten und dann mit Gewürzen, Salat und Soße komplettiert, in den Teigfladen eingerollt. Bei der Variante Ekmek wird alles in ein großes Brötchen gelegt. Beides bekommt man für je circa 3 €.
Die Plattformen der Brückenpfeiler der Galatabrücke sind im Licht der untergehenden Sonne ein beliebter Platz für Hochzeitsbilder und Models.
Auch der zweite Tag in Istanbul war, nicht zuletzt wegen des herrlichen Wetters, sehr schön und es kam keine Langeweile auf. Das Pendeln mit den Fähren von Europa nach Asien und umgekehrt ist ein besonderes Erlebnis. Eine der unzähligen organisierten und teuren Bootstouren auf dem Bosporus kann man sich meiner Meinung nach wirklich sparen.

















