Büyükada

Heute fahre ich zu den Prinzeninseln (Adalar). Das ist eine Gruppe von neun Inseln im Marmarameer, von denen vier ständig bewohnt sind. Auch wenn die Inselgruppe 10 bis 23 Kilometern südöstlich des Bosporus sind, kann man mit der normalen Fähre dort hinfahren. Die erste Insel, an der es einen Stopp gibt, ist Kinaliada. An dem kleinen Kieselstrand, der neben dem Fähranleger ist, haben es sich schon einige Personen auf den Sonnenliegen bequem gemacht und andere sind im Wasser.

Ich werde noch bis nach Büyükada, der größten und südlichsten Insel an Bord bleiben. Einen Stopp gibt es noch bei Burgazada und einen weiteren bei Heybeliada. Bis Büyükada dauert die Fahrt circa 1,5 Stunden.

Heybeliada

Direkt am Hafen ist allerhand los, aber nur ein kleines Stück weiter wird es dann schon beschaulicher. Autos und Pferdekutschen sind auf der Insel verboten. Nur ein paar elektrisch betriebene Busse, die man nur mit der Istanbulkard bezahlen kann, verkehren hier. Deshalb gibt es an jeder Ecke und in jeder Gasse einen Fahrradverleih. Entweder man mietet stundenweise oder für den ganzen Tag. Dafür hinterlegt man eine Kaution, oder man lässt ein Ausweisdokument als Pfand beim Verleiher. Die Stunde kostet ab 150 ₺. Da man erst bei der Rückkehr zahlt, muss man sich auch dann erst überlegen, ob die Tagesmiete günstiger ist. Meist ist das schon der Fall, wenn man mehr als 2 Stunden unterwegs ist. Auf jeden Fall sollte man eine Probefahrt machen. Ich habe es nicht gemacht und bei mir war zum Beispiel die vordere Bremse nicht gut und die Schaltung sprang oft über. Da es teilweise doch recht hügelig ist, kann man natürlich auch E-Bikes mieten.

An der Strecke stehen tolle Villen, die aber größtenteils wohl nur gelegentlich von den Besitzern besucht werden, denn oft sind alle Fensterläden geschlossen.

Strände gibt es auf der Insel wohl so gut wie keine. Dort, wo man Zugang zum Meer hat, sind überwiegend kostenpflichtige Strandbäder. Mein Fall ist es nicht so in Reih und Glied zu liegen.

Ich kürze meine geplante Inselumrundung ab, da es mir mit den Steigungen bei der Temperatur und mit den Mängeln am Fahrrad nicht so viel Spaß macht. So bin ich bereits nach 1 Stunde zurück. Nachdem ich mich gestärkt habe, fahre ich mit der nächsten Fähre wieder zurück. Am besten wird es sein, wenn man gleich frühmorgens losfährt, sich ein vernünftiges Fahrrad für den ganzen Tag mietet und dann erst am späten Nachmittag wieder zurückfährt. Dann kann man die Insel(n) in Ruhe erkunden. Auf jeden Fall eine gute Gelegenheit, der Hektik der Großstadt zu entfliehen.

Blick auf Kinaliada

Ich fahre bis Kadiköy und nehme von dort einen Bus, um mir den Küçük Çamlıca noch einmal aus der Nähe anzusehen. Das ist eine weniger tolle und etwas längere Fahrt, die mich nicht direkt zum Eingang führt. Ich nähere mich durch einen Park dem Turm, erreiche ihn dann aber scheinbar von der Rückseite. Ohne Zweifel ein interessantes Bauwerk, dass aus der Ferne, ohne die ganzen Details, jedoch besser aussieht. Wenn man wie ich heute nicht unbedingt nach oben möchte, dann ist der Weg dorthin einfach zu lang.

Ich verstehe nicht so ganz, warum an einigen Stellen in der Stadt diese Zeichen zum Jahrhundert der Demokratie (Demokrasi Yuzyili) stehen. Auch wenn die Republik vor mittlerweile etwas mehr als 100 Jahren von Mustafa Kemal Atatürk gegründet wurde (1923), so ist sie doch wohl kaum seit hundert Jahren eine Demokratie.

Ein letztes Mal gehe ich über die Galatabrücke. Die 80 Meter breite Öffnung in der Mitte kann für größere Schiffe mit einem Klappmechanismus geöffnet werden, sodass diese vom Bosporus in das goldene Horn, einen 7 km langen Seitenarm des Bosporus, gelangen können. Kleinere Schiffe wie die Ausflugsboote können unter der Brücke hindurchfahren, ohne dass diese geöffnet werden muss. Ursprünglich war an dieser Stelle eine 1912 von einer deutschen Firma gebaute Pontonbrücke, die aber 1992 durch ein Feuer unbekannter Ursache zerstört wurde. Der Name goldenes Horn hat übrigens nichts mit Gold zu tun, sondern beruht auf der Form des Seitenarmes und dem am Abend golden reflektierten Sonnenlicht

Morgen geht es nach dem Frühstück im Hotel, bei dem ich den einen oder anderen Tag vierbeinige Gesellschaft hatte, zurück. Bisher stand die Türkei eigentlich nicht auf meiner Bucketliste, aber nach diesen 10 Tagen muss ich sagen, dass sich das, was ich gesehen und erlebt habe, auf jeden Fall gelohnt hat.