Taormina

Heute fahre ich an der Ostküste bis Messina und dann entlang der Nordküste bis zu meiner Unterkunft in Caronia. Als ich Presa verlasse, habe ich live eine kleine Eruption des Ätna gesehen. Plötzlich schoss eine bräunliche, pilzförmige Aschewolke aus einem der Krater in die Höhe, die dann aber durch den Wind relativ schnell ihre Form verlor. Es ist natürlich auf die Distanz ganz schwer abzuschätzen wie hoch das war, aber ich würde schätzen nicht mehr als 100 Meter. Man sieht auf jeden Fall, dass der Vulkan wirklich aktiv ist, denn auch sonst steigen fast kontinuierlich weiße Rauch- oder Wasserdampfschwaden aus den Kratern auf.

In Taormina und in Castelmola werde ich einen Zwischenstopp einlegen. Die Parkplatzsituation in Taormina ist etwas schwierig. Direkt im Ort fahre ich an einem Parkhaus vorbei, das 5 € pro Stunde verlangt, über die Mittagszeit allerdings für 3,5 Stunden schließt. Das kann dann teuer werden, wenn man das Auto vor der Schließung nicht rechtzeitig abholt. Ich finde einen kostenlosen Parkplatz, muss dafür aber dann circa 10 Minuten zu Fuß laufen. Sehenswert ist auf jeden Fall die Villa Comunale. Das ist eine kleine Parkanlage mit ein paar interessanten Gebäuden und einem tollen Ausblick. Auch jetzt in der Hauptsaison ist hier nicht viel los und man findet auf jeden Fall bei Bedarf einen schattigen Platz zum Relaxen. Es war mal der Garten der britischen Lady Florence Trevelyan, die sich, nachdem ihr eine Affäre mit dem Prinzen von Wales vorgeworfen wurde, 1884 nach Sizilien abgesetzt hatte, um dem Skandal zu entfliehen.

Der Blick Richtung Süden zeigt vorne die Bucht von Naxos und im Hintergrund sieht man die Rauchschwaden eines Brandes, von denen es derzeit mehrere auf der Insel gibt.

Die touristische Hauptattraktion des Ortes ist wohl aber das antike Theater aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., bzw. das, was davon noch erhalten ist. Hier fanden damals für circa 5400 Zuschauer Gladiatoren- und Tierkämpfe statt. Der Eintritt kostet 12 €. Ungünstigerweise ist die Schlange zur Kasse in der prallen Sonne, obwohl die andere Seite des Weges im Schatten wäre. Auch wenn der Blick durch die Mauerruinen mit dem Ätna im Hintergrund wirklich toll wäre, entscheide ich mich dafür nicht beim Anstehen in der Mittagssonne zu brutzeln. In dem Amphitheater finden auch immer wieder Events statt. Erst vor zwei Wochen sind die Simple Minds und Kraftwerk hier aufgetreten, aber auch bekannte Opern wie Aida oder La Traviata sind im Angebot. So eine Aufführung bzw. so ein Konzert in der Umgebung zu erleben, ist sicher ein tolles Erlebnis. Es empfiehlt sich schon bei der Reiseplanung mal die bevorstehenden Events anzuschauen.
Die Bam Bar ist ein gutes Beispiel, was Social Media aus „Geheimtipps“ macht. Es gibt dort wohl eine sehr gute Granita (eine sizilianische Süßspeise ähnlich einem Sorbet). Was es daher nicht gibt, sind Sitzplätze. Ich probiere nicht aus, ob die Granita dort das Warten wert ist, da auch einige Internetbewertungen nur verhaltene Begeisterung ausdrücken.

Castelmola gehört wohl mit zu den schönsten Dörfern Italiens und es liegt auf einem Berg in 529 Meter Höhe oberhalb von Taormina. Kurz vor dem Erreichen der Piazza Sant‘ Antonio kann man günstig parken und von dort muss man nur ein kleines Stück zu Fuß gehen. Oben im Ort gibt es keine Parkmöglichkeiten. Ganz abgesehen von dem traumhaften Ausblick, ist der Ort mit seinen schmalen, verwinkelten Gassen wirklich sehenswert. Richtung Osten blickt man über Taormina auf das Ionische Meer und Richtung Süden sieht man im Hintergrund den Ätna. Auch das Amphitheater ist von hier zu sehen.

Kurz nach 18 Uhr erreiche ich den Leuchtturm von Capo d’Orlando und gönne mir noch eine Pause am Kieselstrand. Das Wasser ist glasklar und erfrischend, aber jetzt am Samstagabend ist hier auch einiges los.

Ich treffe den Vermieter meiner heutigen Unterkunft auf dem Dorfplatz von Caronia, da es nicht ganz so leicht ist zu dem Haus zu finden, das in dem Ortsteil oben auf dem Hügel ist. Er fährt vor und ich folge. Ich habe die ganze untere Etage des Hauses für mich. Es ist alles etwas altmodisch, aber groß und sauber. Nachdem ich einen kurzen Blick hineingeworfen habe, werde ich zu einer Parkmöglichkeit geleitet. Anschließend nimmt der Vermieter mich wieder mit hinunter zum Dorfplatz, da dort das einzige Restaurant ist. Leider verpasse ich dadurch den fantastischen Sonnenuntergang, den man vom Balkon hätte sehen können. Da auch in diesem Ort gerade irgendein Schutzheiliger gefeiert wird, gibt es keinen Platz im Restaurant. Ich bekomme gerade so noch eine Takeaway-Pizza, mit der ich dann zu Fuß zurück zur Wohnung gehe.