Malta

Heute ist früh aufstehen angesagt. Ich habe mir ein Ticket für die Fähre nach Malta gekauft. Die Fähre verlässt den Hafen von Pozallo um 8 Uhr. Ohne PKW soll man eine Stunde vor Abfahrt einchecken, sodass ich um 6:30 Uhr meine Unterkunft verlassen muss. Es ist gerade hell geworden und die Straßen sind nahezu leer. Man kann sich online für 6,40 € ein Parkticket für den Parkplatz direkt am Terminal kaufen und muss dann nicht vor Ort nach einem Parkplatz suchen. Wenn man rechtzeitig eincheckt, dann hat man den Vorteil, dass man sich noch einen schönen Platz auf der Fähre aussuchen kann. Außenplätze gibt es nur wenige und die sind hinten in unmittelbarer Nähe des Schornsteins. Dort ist es relativ laut und man hat auch keine Aussicht. Ich entscheide mich für einen der bequemen Ledersessel mit Tisch im vorderen Bereich, wo man durch die Panoramaverglasung eine schöne Aussicht hat. Um 9:45 Uhr erreichen wir den Hafen der Hauptstadt Valetta. Die Republik Malta, die aus drei bewohnten und einigen unbewohnten Inseln besteht, ist mit 316 km² in etwa nur genauso groß wie Bremen und hat mit circa 580000 Einwohnern auch in etwa die gleiche Einwohnerzahl. Die Hauptstadt Valetta taucht mit nur circa 6000 Einwohnern allerdings erst auf Platz 33 in der Liste der Städte Maltas auf. Speziell ist das maltesische Alphabet, das aus 30 anstatt der bei uns bekannten 24 Buchstaben besteht. So gibt es beispielsweise drei Varianten des Buchstaben G, nämlich Ġ, G und Għ.

Ich gehe von der Fähre circa 10 Minuten bis zu der Bushaltestelle Bombi 3, um als Erstes in die ehemalige Hauptstadt Mdina (arabisch für Stadt) zu fahren. Weil Linksverkehr herrscht, muss man im Straßenverkehr aufpassen und zuerst rechts und dann links schauen. Da das Kartenlesegerät in Bus nicht funktioniert, lässt der Busfahrer mich freundlicherweise umsonst mitfahren. Die Fahrt dauert ungefähr 20 Minuten und der Bus hält in der direkt an Mdina angrenzenden Stadt Rabat. Es gibt wohl derzeit nur circa 400 Einwohner in Mdina. Den alten Stadtkern, in dem es keinen Autoverkehr gibt, betritt man durch das Stadttor, das auch schon Kulisse der Stadt Königsmund bei Game of Thrones war. Die schmalen Gassen und die mittelalterliche Architektur aus sandfarbenem Kalkstein erzeugen eine schöne Stimmung. Tagsüber sind natürlich in einigen Bereichen sehr viele Touristen unterwegs, aber gegen Abend soll die Stadt fast leer sein, da es nur ein Hotel und wenige Restaurants gibt.

Man kann hier auch Katakomben besichtigen. Die Grabstätten können durch ein oberirdisches kleines Haus betreten werden. Unter der Oberfläche gelangt man dann in ein Kammersystem im Felsen, wo seinerzeit die Verstorbenen die letzte Ruhe fanden. Die Leichen sind natürlich in der Zwischenzeit umgelagert worden. Also nix mit „ewige Ruhe“.
Mdina ist auf jeden Fall ein lohnenswerter Ausflug auf Malta, der je nach Bedarf nicht mehr als 2 bis 3 Stunden in Anspruch nimmt.

Ich fahre zurück nach Valetta und diesmal funktioniert der Kartenleser im Bus. Die Fahrt kostet 2,50 €. Am Eingang der Stadt steht der imposante Funtana tat-Tritoni mit 30 Metern Durchmesser.

Palazzo Ferreria

Auffällig sind die vielen kleinen hölzernen Erker.

Ein Schild „Hier keinen Müll entsorgen“ ist ja schön und gut, aber bei der Strafe von 1165 bis 2330 Euro hat wohl jemand einfach nur den Betrag von 500 bis 1000 maltesischer Lira ohne aufzurunden in Euro umgerechnet. Zusätzlich wird das Vergehen auch noch mit Führerscheinentzug bestraft und der Verursacher muss den Müll selbst wegräumen. 🙂

Ein touristisches Ereignis sind die täglichen Salutschüsse aus den 500 Jahre alten Kanonen. Jeweils um 12 Uhr und um 16 Uhr wird ein Schuss von der Saluting Battery abgegeben. Das militärische Prozedere vom Vorbereiten und Laden der Kanone bis zum Knall dauert circa 15 Minuten. Man kann sich das aus der Nähe für 3 € Eintritt anschauen, oder umsonst von den etwas darüber liegenden Upper Barrakka Gardens.

In vielen der Gassen, die zum Wasser hinunterführen sind Cafés und Bars und man kann dort im Schatten sehr gut chillen. In den Straßen sieht man auch immer wieder Geschäfte, die einen in eine andere Zeit zurückversetzen. Passend zu den Gebäuden ist also zum Glück noch nicht alles im 21. Jahrhundert angekommen.

Ich nehme die vorletzte Fähre, die um 19 Uhr nach Pozalla zurückfährt. Auch die Rückfahrt ist ruhig und angenehm. Je nach Jahreszeit variieren die Preise etwas. Jetzt in der Hochsaison kostet die Fahrt hin und zurück für eine Person ohne Fahrzeug 89,60 €. Nicht ganz günstig, aber wie ich finde, lohnt sich der Tagesausflug nach Malta auf jeden Fall. Malta steht natürlich auch in gewissen Dingen in der Kritik. Da wäre zum Beispiel die immer noch praktizierte Vogeljagd, bei der auch geschützte Arten nicht verschont bleiben. Außerdem gäbe zu dem Stichwort Steueroase und/oder Geldwäsche vermutlich einiges zu sagen. Nicht umsonst sind oft große Schiffe in Valetta registriert.
Meine letzte Übernachtung ist in Modica. Das B&B ist am Rande des Ortes an einem Hang und vom Balkon hat man einen schönen Ausblick auf den beleuchteten spätbarocken Ort.