Ich verlasse das graue, kalte Norddeutschland gleich nach der Zeitumstellung, um dieses Jahr Anfang November in Chiang Mai das Loy Krathong und Yi Peng Festival mitzuerleben. Da das natürlich auch ein paar andere Leute wollen, ist es zu dem Zeitpunkt nicht ganz so einfach bezahlbare Zimmer in der Stadt zu bekommen. Kurzfristig geht da über bekannte Buchungsportale so gut wie nichts mehr. Mit etwas Mut kann man durchaus auch ohne gebuchte Unterkunft anreisen, denn es gibt so viele Homestays, die ihre Zimmer nicht auf den Portalen anbieten. Finden wird man auch so sicher etwas, aber es ist nicht mein Ding mich nach der langen Reise erstmal auf die Suche zu begeben, zumal mein Flieger auch erst nach 22 Uhr ankommt. Ursprünglich hatte ich mit Oman Air gebucht, aber der Flug wurde dann gecancelt, sodass ich doch noch den teureren Flug mit Emirates buchen musste. Leider sind ja die „schönen Zeiten“ als Corona noch ein Thema war vorbei, und die Flieger sind immer fast vollständig ausgebucht. Platz zum Hinlegen hat man somit in der Economy in der Regel nicht mehr. Neu ist, dass man für die Einreise nach Thailand jetzt die „Einreisekarte“ bereits online ausfüllen muss (kostenlos).
Am ersten Tag bin ich zu Fuß in der Altstadt unterwegs und lege laut Handy 27.500 Schritte zurück. Erneut beeeindrucken mich all die unterschiedlichen Tempel, die es auf kleinstem Raum in der Stadt gibt. Es ist, wie ich finde, immer wieder eine besondere Stimmung, wenn man sich dort aufhält, und ich habe mir nur einige genauer angeschaut.
Die folgenden zwei Tage miete ich mir ein Fahrrad für 100 ฿ (ca. 2,70 €) am Tag. Für die Altstadt, die ja ein Quadrat mit circa 1,5 km Kantenlänge ist und keine Steigungen hat, ist das genau richtig. Danach miete ich mir jedoch einen Roller, um mich auch außerhalb der Altstadt bewegen zu können. Für die circa 1-wöchige Mietzeit bezahle ich nur 170 ฿ pro Tag, also keine 5 €. Es fällt auf, dass jetzt noch keine Burning Season, denn wenn keine Wolken am Himmel sind, dann ist der Himmel blau und die Sonne wie gewohnt weißgelb. Das sah ja bei meinem letzten Besuch ganz anders aus. Das Wetter ist jedoch eher durchwachsen, denn Sonne, Wolken und Regen wechseln sich ab, wobei der sonnige Anteil leider nicht überwiegt. Gerade vor ein paar Tagen am 24.10.2025 ist unglücklicherweise Sirikit, die Königinmutter, im Alter von 93 Jahren gestorben. Bis 2016 war sie ganze 66 Jahre die Königin des Landes. Es wurde eine einjährige Staatstrauer angeordnet. Überall sieht man große schwarze Tafeln, meist mit Bildern, die sie in jüngeren Jahren zeigen, und auch andere Dinge bringen die Trauer zum Ausdruck. Leider ist auch für das bevorstehende Fest mit Einschränkungen zu rechnen. So soll es beispielsweise kein großes Feuerwerk geben. In den Tagen vor dem Fest merkt man, wie sich die Stadt zunehmend füllt.
Bereits am 4. November, dem Vorabend des Festivals ist schon alles aufgebaut und viele Leute sind unterwegs. Während am Tha Phae Gate noch so etwas wie Mrs. Loy Krathong in gemischten Altersklassen gewählt wird, gehe ich die Tha Phae Road hinunter bis zum Mae Nam Ping Fluß. Über der Straße ein Bild der verstorbenen Sirikit. Trotz der Trauer zaubern Nebelkanonen und Laser tolle Farbspiele über die Straße.
Man fühlt sich zurückversetzt in eine Zeit, die es in Europa wohl nie wieder geben wird. Es gibt keine aufwändigen Sicherheitskonzepte oder Absperrungen. Jeder kann unbekümmert und wie es ihm beliebt, an den Festtagsaktivitäten teilnehmen. Eine Bedrohungslage z.B. durch Verrückte, die in eine Menschenmenge fahren, um möglichst viele Menschen zu töten, gibt es hier offensichtlich zum Glück nicht. Alles ist friedlich, freundlich und unkompliziert. Nur auf einem kleinen Teilstück wurde die Straße für den Durchgangsverkehr gesperrt. Anders als bei uns ist definitiv, dass Rauchen und Alkoholkonsum verboten sind. Man darf zwar in einer Bar am Straßenrand Alkohol trinken, aber nicht, während man zu Fuß unterwegs ist. Kurz vor der Nawarat Brücke stehen unzählige Mönche mit ihren Schalen, in die Gläubige Lebensmittel spenden. Oft knien sie dann zum Gebet vor den Mönchen nieder und die Mönche sprechen etwas dazu.
An der Brücke kaufe ich mir für 30 ฿ auch ein kleines Krathong. Loy Krathong bedeutet „schwimmendes Floß“. Mit dem Floss sollen der ganze Ärger und alle Verunreinigungen der Seele wegschwimmen, sodass man quasi neu und vor allem besser beginnen kann.
Es gibt wirklich unzählige dieser blumengeschmückten Flöße in vielen Größen, die alle in der Regel mit einer Kerze und ein paar Räucherstäbchen bestückt sind. Die Fertigkeit, mit der diese hergestellt werden, ist sehenswert. Man sollte unbedingt darauf achten, dass nur natürliche Materialien verwendet wurden. Der Floßkörper soll zum Beispiel nicht aus Styropor sein, sondern aus einer Scheibe des Stammes einer Bananenstaude. Wie man sich vorstellen kann, ist es auch dann noch eine riesige Verschmutzung, wenn hunderttausende Flöße in den Fluss gesetzt werden.
Ich überquere den Fluss und suche mir eine Stelle, an der man das Floß gut selbst ins Wasser setzen kann. Eine ganze Weile kann ich es noch verfolgen, wie es sich auch gegen andere Flöße behauptet, aber hinter der Brücke gibt es ein paar Verwirbelungen im Wasser und ich kann nicht mehr genau erkennen, ob es den Bereich noch unbeschadet durchschwommen hat.
Tempel, Restaurants und auch Privathäuser sind zu Loy Krathong ebenfalls mit bunten Laternen geschmückt. Khom Khwaen sind Laternen, die aufgehängt werden und durch die Wärme der Kerze im Inneren anfangen sich zu drehen. Khom Thue sind Laternen, die an einem Stock hängend herumgetragen werden. Einige Shops quellen förmlich über mit Dingen, die man für das Fest kaufen kann.

Das Lichterfest Loy Krathong findet landesweit am Tag des Vollmonds im zwölften Monat des traditionellen thailändischen Mondkalenders statt. Beim Vollmond des zweiten Monats nach dem Lannar Mondkalender und somit zeitgleich mit Loy Krathong wird das buddhistische Lichterfest Yi Peng gefeiert. In diesem Jahr sind die offiziellen Tage der 5. und der 6. November.
Bei Yi Peng lässt man Himmelslaternen (Khom Fai oder Khom Loi) in den nächtlichen Himmel steigen, um Buddha zu ehren, Unglück und negative Gedanken loszulassen und Wünsche für die Zukunft zu äußern. Übersetzt heißt Khom Loi so viel wie „schwebende Fackel“. Die meisten Laternen aus Reispapier haben circa einen halben Meter Durchmesser und sind über einen Meter lang. Unten ist mittig ein mit Brennstoff getränkter Ring fixiert. Aufgrund der Größe und der langen Brenndauer können diese Himmelslaternen natürlich extrem gefährlich sein, wenn sie brennend abstürzen und deshalb drohen im Stadtbereich hohe Strafen für das Verwenden dieser. In circa 30 bis 40 km Entfernung von der Stadt gibt es jedoch Locations, wo diese Tradition noch zelebriert werden darf. Vorwiegend handelt es sich um eingezäunte Festgelände, zu denen die Touristen aus der Stadt gefahren werden. Die Tickets kosten je nachdem was man bucht einen kleinen bis mittleren 3-stelligen Eurobetrag. Darin enthalten sind dann natürlich nicht nur der Transport, sondern auch alle Angebote auf dem Festgelände und größtenteils auch die Verpflegung. Ich schaue mir amm letzten tag des Festes in Chiang Mai gegen 18:30 Uhr noch den Beginn der großen Loy Krathong Parade an, bei der ähnlich wie beim Rosenmontagszug etliche Wagen und Personengruppen durch die Straße ziehen. Auch hier gibt es wieder keine Absperrung. Vor dem Umzug fährt mittig ein Polizeiauteo und links und rechts Fahrzeuge der Feuerwehr, von denen die Zuschauer unerbittlich zurückgedrängt werden. Alles scheint mir etwas chaotisch, aber es funktioniert. Nach einer halben Stunde mache mich dann ohne Eintrittsticket mit dem Roller auf den Weg zu einer dieser Yi Peng Locations.
Da unklar ist ob ich richtig recherchiert habe und am Ende meiner Fahrt nicht nur am richtigen Ort, sondern auch zur richtigen Zeit ankomme, bleibt es bis wenige Minuten vor der Ankunftszeit ungewiss, ob sich über eine Stunde Fahrt gelohnt haben werden. Ab und an sieht man zwar unterwegs am Nachthimmel einzelne Khom Loi, aber nichts deutet auf das große Event hin. Plötzlich dann erscheint direkt vor mir eine riesige Wolke aus etlichen tausend Laternen, die bis in einige hundert Meter Höhe aufsteigen und dabei nur ganz langsam von einem lauen Lüftchen in eine Richtung getrieben werden. Hinter den Laternen leuchtet der Vollmond und in Bodennähe gibt es Feuerwerk. Perfektes Timing und perfektes Wetter. Ein wirklich atemberaubender Anblick.
Ich kann direkt bis an das Festgelände fahren und genieße es, dem unaufhörlichen Nachschub neu gezündeter Laternen zuzuschauen. Gefühlt sind es zeitweise mehr als hundert Laternen pro Sekunde, die ihre Reise in den Himmel starten. Da fast kein Wind ist, sieht man auch am Himmel keine Laternen, die in Flammen aufgehen und dessen Feuerring dann brennend zu Boden fällt.
Erst nach einer ganzen Weile werden es langsam weniger neue Laternen und ich mache mich wieder langsam auf den Rückweg nach Chiang Mai. Zum Glück ist man mit dem Roller flexibel und unabhängig von dem sich zunehmend aufbauenden Stau. Ein wirklich einmaliges Erlebnis, das, wie ich finde, die verhältnismäßig lange Anfahrt rechtfertigt. Als ich zurück bin ist das Fest in der Stadt noch voll in Gange. Jetzt zeigt sich, dass es keine gute Idee ist, den Verkehr nicht umfangreicher zu sperren. Die Luft ist voll mit Abgasen und Rauch von diversen Feuerwerkskörpern. Das scheint die Einheimischen nicht zu stören, ich habe aber nach einer Stunde genug und verlasse den Smog.

Mit dem Roller oder Auto in circa einer Stunde zu erreichen ist der Bua Tong Waterfall oder auch der „Sticky Waterfall“. Das besondere ist, dass das mineralhaltige Gestein so viel Grip hat, dass man den Wasserfall problemlos hochlaufen kann. An schwierigen Stellen sind zur Sicherheit auch noch Seile angebracht, an denen man sich bei Bedarf festhalten kann. Der Naturpark kostet keinen Eintritt. Man muss sich lediglich am Eingang in ein Buch eintragen. Es gibt sogar Duschen, Toiletten und Snacks. Zunächst geht man eine hölzerne Treppe hinunter, um dann den mitten im Dschungel gelegenen Wasserfall wieder hinaufzuklettern. Das fast weiße Gestein hebt sich gut von dem üppigen Grün des Dschungels ab. Es ist leider relativ viel los und einige Male kommt es zum Stau, da viele Besucher Selfies in unterschiedlichsten Posen machen müssen. Das Wasser ist nicht kalt, aber trotzdem eine angenehme Erfrischung, denn ganz trocken bleibt man auf dem Weg nach oben nicht. Vorsicht ist allerdings an Stellen geboten, an denen das Wasser nicht oder nur sehr langsam fließt. Dort finden Algen Halt und es ist extrem rutschig.
In dem Naturpark führt auch ein Weg ein kleines Stück in den Wald hinein, wo man die sieben-farbige Quelle Nam Phu Chet Si findet. Bei bestimmten Lichtverhältnissen soll man wohl die sieben Farben sehen. Heute ist es nur glasklares Wasser mit einer teilweise türkisblauen Färbung.
Ein Besuch des Pissoirs zum Abschluss lohnt auf jeden Fall auch, denn wo hat man sonst schon mal so einen Ausblick beim Pinkeln 🙂
Am Wochenende ist ja, nur einige Fahrminuten außerhalb der Altstadt, immer der Jing Jai Market, auf dem es viele Leckereien, Kunsthandwerk, Kleidung usw. gibt. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Am besten kommt man mit dem Roller oder einem Taxi, da es mit dem Parken in der Umgebung eher schwierig wird. An einem Stand gibt es handgebrühten Filterkaffee nach dem Motto „zahl soviel du magst“. Auch ein paar Katzen sind auf dem Gelände zuhause, die sich über mangelnde Streicheleinheiten nicht beklagen können.
Ich bleibe nach dem Fest noch ein paar Tage in der Stadt und überlege mir, ob ich mir noch für 1 bis 2 Tage ein Auto miete. Da die Wettervorhersage wechselhaft ist, zögere ich etwas und als ich dann eines buchen wollte, da waren keine Kleinwagen mehr verfügbar. Beim nächsten Mal werde ich lieber vorsorglich einen buchen, denn bis 24 Stunden vorher kann man ja immer noch kostenlos stornieren.
Das zweite Hotel, dass ich in der Stadt habe, liegt an der Wua Lai Road, in der Samstags immer einer großer Markt stattfindet. Am Nachmittag ist noch normaler Verkehr in der Straße und wenig später sind bereits hunderte Verkaufs- und Streetfoodstände aufgebaut. Dieser Bezirk im Süden der Stadt ist bekannt für das Silberhandwerk. Geht man durch die Nebenstraßen, dann kommt man auch an Orten vorbei, wo etliche Touristen sich mit Hammer und Metallstempel kleine silberne Souveniers selbst gestalten. Der auch als „Silbertempel“ bekannte Wat Sri Suphan ist hier auch zu finden. Er ist natürlich nicht aus massivem Silber. Es wurden Bleche aus Silber, Aluminium und Nickel verwendet, was aber nur bei genauem Hinsehen auffällt. Absolut sehenswert und vermutlich einzigartig anzuschauen ist der Tempel auf jeden Fall. Es müssen unzählige tausend Stunden Handarbeit sein, die in der filigranen Gestaltung der Metallplatten steckt, die den ganzen Tempel innen und außen verkleiden. Das Hauptgebäude darf allerdings, wie auch bei manch anderer Tempelanlage, von Frauen nicht betreten werden.
Das trendige und hippe Viertel von Chiang Mai ist Nimman. Hier sehe ich auch zum ersten Mal eines dieser in Asien beliebten Katzencafes, in denen man umgeben von Katzen füe Eintritt eine bestimmte Zeit verbringen kann. In diesem Cafe sind es sehr viele Katzen. Aktuelle ist gerade Fütterungzeit.
Natürlich habe ich in der Stadt auch wieder einige Streetarts entdeckt.
Das war in einem Post zusammengefasst ein Ausschnitt der Eindrücke der letzten 12 Tage in und um Chiang Mai herum. Für weitere Ausflüge war das Wetter leider nicht beständig genug.



































