Tat Kuang Xi

Der Roller, den ich mir gestern klargemacht habe, wird mir am Morgen ins Hotel gebracht. Der Vermieter ist wohl noch neu in dem Business und will mir den Roller ohne Vertrag übergeben. Dank der sprachlichen Unterstützung von Giang, der vietnamesischen Angestellten aus dem Hotel, holt er noch ein Dokument, auf dem die wichtigen Details dann vermerkt werden. Die beiden Stempel, die er ebenfalls mitgebracht hat, werden für mich das erste Mal benutzt. Ich zahle 900000 ₭ für eine Woche, was hier ein guter Preis ist. Der Roller hat erst ein paar tausend Kilometer auf der Uhr, die Reifen sind noch gut und auch die Bremsen sind ok.
Der Tat Kuang Si, oder auf laotisch ຕາດກວາງຊີ, ist ein mehrstufiger Wasserfall, der circa 30 km südwestlich von Luang Prabang liegt und zu den touristischen Hauptattraktionen der Region gehört. Das bedeutet eine gute ¾ Stunde Fahrt. Der Zustand des ersten Teils der Strecke ist einwandfrei und wenig befahren. Der Rest ist hingegen mit fiesen Schlaglöchern übersät und zum Teil finden auch noch Straßenbauarbeiten statt. Etwa einen Kilometer vor dem eigentlichen Eingang ist bereits der Parkplatz und das Ticketoffice. Das Parken kostet 5000 ₭ für einen Roller und ist bei der Ausfahrt zu bezahlen. Der Eintritt kostet für Touristen 60000 ₭, also ganz offiziell dreimal so viel wie für Einheimische.

Am Anfang geht man zwangsläufig an einem Gehege mit Kragenbären vorbei, die aus illegaler Haltung „gerettet“ wurden. Etliche Bären liegen dort quasi bewegungslos herum. Wenn die Geschichte mit der „Rettung“ denn tatsächlich stimmt, dann haben die Bären sicher ein besseres Leben als vorher, aber schön ist es mit Sicherheit nicht.An einer Stelle des Wasserfalles kann man auch Baden. Das kalkhaltige Wasser ist jedoch relativ kühl und nur etwas mehr als knietief. Außerdem ist der Boden mit all den Steinen nicht angenehm zum Gehen.

Der Hauptwasserfall, bei dem das Wasser circa 60 Meter tief hinabstürzt, ist wirklich sehenswert inmitten der üppigen Vegetation.

Wie fast überall gilt es für den Besuch nach Möglichkeit die Zeiten zu vermeiden, wenn die meisten Tourbusse ankommen, da dann auch die schönsten Orte ihren Reiz verlieren. Über 542 Stufen kann man den Berg noch hinaufsteigen. Oben angekommen gibt es mehrere Baumhäuser, in denen nicht nur ein Café ist, sondern auch der Startpunkt für ein mehrstufiges Ziplining (30 $). Um in das Café hinaufgehen zu dürfen, müsste man jedoch 30000 ₭ bezahlen, die auch nicht mit dem Verzehr verrechnet werde

Zurück in Luang Prabang schaue ich mir noch den Wat Phol Phao an, dessen goldene Spitze man gestern vom Phou Si Hill aus bereits sehen konnte. Über mehrere Treppen gelangt man bis oben in die Spitze.

Die Bambusbrücke über den Nam Khan Fluss hätte ich mir auch gerne noch angeschaut oder überquert. Diese wird aber immer in der Regenzeit abgebaut und erst in der Trockenzeit wieder aufgebaut. Derzeit wird zwar viel an den an der Ufergestaltung gearbeitet, aber die Brücke gibt es aktuell nicht. Dafür gibt es immer die Old French Bridge aus den 1920er Jahren. Es ist ein Erlebnis, dort mit dem Roller hinüberzufahren, da es für jede Fahrtrichtung nur vier nebeneinander liegende, schmale Holzplanken gibt, die auf quer liegenden Holzplanken befestigt sind. Man muss also aufpassen möglichst mittig auf diesen Planken zu fahren, wobei man aber auch nicht auf der Fuge von zwei Brettern fahren sollte. Das ist sonst wie eine Spurrinne in der Fahrbahn, was besonders für Zweiradfahrer unangenehm sein kann. Autos und Tu-Tuks können und dürfen die Brücke nicht befahren. Seitlich gibt es wohl auch noch einen Fußweg, den ich mir jedoch nicht angeschaut habe.

Mit Reisigbesen kehren die Mönche den Grasschnitt vom Rasenmähen am zusammen. Ziemlich mühsam für die große Fläche.

Heute setze ich mit der Fähre über auf die andere Seite des Mekong über. Mit Motorroller ist Touristenpreis von 10000 ₭ fast gleich mit den 8000 ₭ für Einheimische. Ich habe mich an diese großen Summen noch nicht gewöhnt. 10000 ₭ sind ja nur circa 0,40 €. Es ist immer etwas Besonderes, sich unter die Locals zu mischen.

Auf der anderen Seite durch die Ortschaft zu fahren, wo so gut wie keine Touristen hinkommen, zeigt nicht nur die teils ärmlichen Verhältnisse, sondern auch wieder einmal die scheinbare Zufriedenheit der Leute, die eigentlich nichts haben. Ich gönne mir noch einen Kaffee und bin rechtzeitig zum Sonnenuntergang wieder auf der Fähre über den Mekong. In der linken Bildhälfte sieht man am anderen Ufer den Pousi Hill.

Die Fressmeile auf dem Nachtmarkt ist heute nur gegen Eintritt zu betreten, da eine hier scheinbar populäre Band namens Bad Ass auf der Bühne auftritt. Allerlei uniformierte Herren treiben sich daher heute auch hier herum. Etwas später am Abend sind fast alle Plätze besetzt und auch außerhalb des Geländes stehen etliche Einheimische, die sich kein Ticket leisten können, um der Musik zuzuhören. Somit ist es heute nicht nur sehr voll, sondern extrem voll. Der bewachte Parkplatz für die Motorroller ist eigentlich jeden Abend lückenlos gefüllt.

Generell wird dazu geraten, die Roller nur gegen Gebühr auf bewachten Parkplätzen abzustellen, da es wohl oft zu Diebstählen kommt. Empfehlenswert ist, sich ein Schloss für die Bremsscheibe mitzunehmen, oder zuzulegen. Manchmal bekommt man auch eines vom Vermieter, aber man weiß nicht, wer alles einen Schlüssel dafür hat. In meinem Roller ist auf jeden Fall ein Tracker eingebaut, sodass der Vermieter jederzeit weiß, wo sein Roller steht. Ohne mein iPhone, dass mir gemeldet hat, dass ich getrackt werde, hätte ich das gar nicht bemerkt.
Da das Rücklicht von dem Roller nicht geht, schreibe ich den Vermieter nochmal an und er kommt, um das vermeintlich zu reparieren. Am Ende kann ich mich, je nach Schalterstellung entscheiden, ob ich vorne oder hinten Licht haben möchte. Beides zusammen geht nicht.
Die ganzen Touristenrestaurants sind voll, sodass ich im Atsalin Restaurant gegenüber von meinem Hotel zu Abend esse. Dieses rustikale, laute und nicht besonders gemütliche Restaurant ist jeden Abend voll und wird auch als „Must Visit“ auf einige Seiten genannt. Das Restaurant gibt es wohl auch schon sehr lange.