Heute fahre ich mit dem LCR (Laos-China-Railway) von Luang Prabang in die Hauptstadt Vientiane, die im Kernbereich circa 350000 Einwohner hat. Die Bahnstrecke, die erst seit Ende 2021 in Betrieb ist, beginnt in China und endet nach mehreren Stopps derzeit in Vientiane. Das Ticket kann man sich bequem über die LCR Ticket-App buchen. Dort stehen im Kalender aber immer nur die nächsten 4 Tage zur Verfügung. Ich habe die einfachste Kategorie, den sogenannten Second-Class-Seat gebucht. Die Fahrt kostet umgerechnet nur 13,59 €. Ungünstig ist, dass die Bahnhöfe relativ weit außerhalb der jeweiligen Stadt liegen. In Luang Prabang muss ich für die circa 30-minütige Taxifahrt 220000 ₭ zahlen. Ein riesiges Bahnhofsgebäude, dessen Zutritt nur nach Ticket- und Gepäckkontrolle erfolgen kann. Der Hinweis in der App, dass Ausländer ein gedrucktes Ticket benötigen, ist hier in Laos nicht zutreffend. Das Zeigen des QR-Codes auf dem Handy reicht aus. Ich habe auch gelesen, dass wohl sehr streng kontrolliert wird. Tatsächlich muss ich meinen Koffer öffnen, weil bei der Durchleuchtung eine vermeintliche Spraydose entdeckt wurde. Die Dose mit dem Rasierschaum ist dann aber OK. Meine Nagelschere wurde nicht beanstandet. Vermutlich, weil die Größe ungefährlich ist. Irgendwelche Gegenstände, mit denen man andere ernsthaft verletzen könnte, sind jedoch untersagt. Der Zug steht schon am Gleis, aber erst zum Check-in werden die Türen zum Bahnsteig geöffnet. Da jedes Ticket den Wagon und den Sitzplatz festlegt, gibt es auch kein Gerangel um die Plätze. Der ganze Bahnhof und der Zug sind absolut sauber. Die gebuchte Klasse ist vollkommen ok. Da liegen in jeder Hinsicht Welten zwischen der Deutschen Bahn und dem LCR. Es ist allerdings nicht leicht, den 20 kg schweren Koffer in die Gepäckablage über den Sitzen zu heben. Pünktlich auf die Minute geht es los und mit durchschnittlich circa 160 km/h dauert die Fahrt circa zwei Stunden. Ständig läuft Personal durch die Gänge und sorgt für Sauberkeit und Ordnung bzw. bietet Snacks und Getränke an.
Ein paar schöne Ausblicke gibt es während der Fahrt auch.
Wir kommen pünktlich in Vientiane an und vor dem Bahnhof wird man sofort von etlichen Taxifahrern angesprochen. Ich weiß noch nicht einmal, ob die offiziell sind oder nicht. Die Preise sind jedoch vollkommen überzogen. Am besten geht man direkt nach der Ankunft zu dem Bus, der in die Stadt fährt. Ich habe die Abfahrt verpasst und muss mich nun um eine Alternative kümmern. Die lokale Loca-App hat auch hohe Preise (220000 ₭). Später im Hotel erfahre ich von der App Xanh SM, die wesentlich bessere Preise anbietet. Zum Glück finde ich aber am Bahnhof noch einen Fahrer mit einem Minivan, der mich und andere für je 100000 ₭ zum Hotel fährt. Somit hat mich dann die Fahrt von Hotel zu Hotel umgerechnet knapp 26,50 € gekostet. Für die 340 km Bahnfahrt und zwei circa 30-minütige Taxifahrten immer noch OK. Mein Hotel ist nur ein paar Minuten vom Flughafen entfernt, da es morgen dort weitergeht. Von den schönen Bildern auf der Buchungsseite kann ich im Nachhinein nichts wiedererkennen, aber für eine Nacht ist das Zimmer in Ordnung. Zukünftig muss ich einfach mal mehr darauf achten, ob man wirklich das Zimmer bekommt, dass man gebucht hat. Obwohl das Hotel erst 1,5 Jahre in Betrieb ist, gibt es wieder so viel Pfusch bei der Ausführung, dass es ein Graus ist.
Ich mache mich zunächst zu Fuß auf den Weg, um mir ein paar Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Als Erstes komme ich beim Haw Phra Kaew an, wo im 16. Jahrhundert der Jadebuddha stand, der heute allerdings in Bangkok ist. Aktuell ist ein Museum darin. Ich spare mir den Eintritt und begnüge mich mit der Außenansicht.
Auf der anderen Straßenseite ist der deutlich jüngere Wat Si Saket. Seit 1818 gibt es diesen buddhistischen Tempel erst. Besonders sind die über 2000 Buddhafiguren, die überdacht in der den Tempel umgebenden Mauer aufgereiht sind. Die Wände, die teilweise auch bemalt sind, beherbergen wie Setzkästen ebenfalls kleine Figuren. Die abgestuften Verzierungen auf den Dächern haben eine tiefgreifende symbolische Bedeutung im buddhistischen Glauben. Die Nagas am Dachende sollen vor herabfallenden Geistern schützen.
Auf der Fahrt zum Hotel sind wir schon an dem Patuxai vorbeigefahren. Dieser Triumphbogen wurde in den 1960er Jahren als Symbol für die Unabhängigkeit von Frankreich errichtet. Für einen kleinen Eintritt kann man in dem 49 Meter hohen Gebäude nach oben gehen. Dort hat man einen Rundumblick auf Vientiane und die Prachtstraße Xang, die um das Gebäude herum und nicht hindurch führt. Auf der einen Seite des Patuxai ist auch noch ein großes Wasserspiel, das zu bestimmten Zeiten angeschaltet wird.
Zum Pha That Luang aus dem 16. Jahrhundert, dem Nationalsymbol von Laos, ist es fast eine halbe Stunde zu laufen. Ich frage einen Busfahrer, ob er da in der Nähe hält. Er nickt und ich kann sogar kostenlos mitfahren. Leider stellt sich dann heraus, dass es von dem Punkt, den er im Kopf hatte, auch noch ein ganzes Stück zu laufen ist. Kommunikation auf Englisch ist oft doch sehr schwer hier. Ich komme fast rechtzeitig an, denn in der Abendsonne leuchtet der große Stupa am schönsten. Ungünstigerweise will der Pförtner gerade vor mir die Tür schließen. Ich zeige auf meine Uhr, die erst 16:51 Uhr anzeigt. Es sind also noch 9 Minuten bis zur Schließung. Zähneknirschend lässt er mich noch durch die Tür, aber es macht jetzt wenig Sinn noch ein Ticket zu kaufen. Vor der Stupa steht die Statue von König Sai Setthathirat, der Pha That Luang errichten ließ.
Buddha hat sich auch schon zur Ruhe begeben. Auf einem kleinen Nachtmarkt nasche ich noch etwas und dann nehme ich mir für den Rückweg ein Xanh SM Taxi. Der beleuchtete Patuxai mit farbenfrohem Wasserspiel kann sich auch sehen lassen. Ganz in der Nähe des Hotels ist auch ein Nachtmarkt, der dann heute auch meine letzte Station ist.




















