Rồng Mây

Anfänglich hatte ich noch überlegt, ob ich den Ha Giang Loop, eine 350 bis 400 km lange Motorradstrecke durch die Berge mit spektakulären Ausblicken, ganz oder teilweise fahren will. Nach den Erfahrungen mit den aktuellen klimatischen Bedingungen hier im Norden und in Anbetracht der Wettervorhersage für die nächsten Tage, habe ich jedoch entschieden, dass dies nicht die richtige Jahreszeit dafür ist, oder ich zumindest nicht die richtige Kleidung dafür mit habe. Leider ist auch der Besuch des Fansipan derzeit wegen Wartungsarbeiten an der Seilbahn nicht möglich. Auf den 3143 Meter hohen Berg kann man zwar auch zu Fuß kommen, ab das ist nur mit Guide in einer mehrtägigen Tour möglich. Es ist nicht nur der höchste Gipfel Vietnams, sondern auch der höchste Indochinas. Immerhin kann ich ihn dank des schönen Wetters heute von meinem Zimmer aus sehen.

Ich mache mich bei dem Wetter gleich noch einmal auf den Weg zur 17 km entfernten Glasbodenbrücke, die 2019 eröffnet wurde, denn man weiß ja nie, wann sich das Wetter wieder ändert. Innerhalb kürzester kann sich das hier oben ändern. Als ich gestern an dieser Stelle vorbeigefahren bin, habe ich zum Beispiel durch den Nebel bzw. die tief hängenden Wolken von der Figur gar nichts sehen können.

Bedauerlicherweise ist der Roller, den ich bekommen habe, nicht besonders leistungsstark, was bei einer Fahrt durch die Berge zeitweise schon etwas nervt, wenn es bergauf geht. Da es zum Startpunkt des gläsernen Fahrstuhles ziemlich steil bergauf geht, lasse ich den Roller unten stehen und nutze den kostenlosen Shuttlebus um nach oben zu kommen.
Die Glasbodenbrücke Rồng Mây (Drache in den Wolken) ist auf 2200 Meter Höhe. Von dort kann man atemberaubende Panoramen des Hoang Lien Son-Gebirges genießen. Mit einem gläsernen Aufzug, der 300 Meter hoch fährt, gelangt man zur Brücke. Bei Bedarf kann man oben auch Ziplining, Bungee-Jumping und mehr dazubuchen. Man sieht links den Lift, von dem man über die Brücke zum Berg gelangt und dort über einen Steg über dem Abgrund wandern kann. Ganz unten ist der Parkplatz, wo ich den Roller abgestellt habe.

Besonders doll wird das hier oben aber anscheinend nicht gepflegt. Einiges sieht eher aus wie 20 Jahre alt und nicht wie 6 Jahre. Die Brücke selbst ist zum Glück allem Anschein nach in einem besseren Zustand. Ich würde mal sagen, dass man wohl kein besseres Wetter für einen Besuch haben kann. Mittlerweile ist es auch selbst im T-Shirt schon schön warm und der Ausblick ist fantastisch.

Es gibt sogar noch einen kleinen Tempel hier oben, wo viele ihre Wünsche auf Bänder geschrieben haben.

Als ich wieder losfahre, ziehen bereits erste Wolken auf. Auf halber Strecke nach Sa Pa ist noch der Spot Moana Sapa für Social Media Selfies. Neben den beiden Dingen, die ganz ansprechend sind, gibt es natürlich auch eine Schaukel, einen Love-Schriftzug usw. Ich habe die Fotos von außen gemacht. Will man hinein, dann kostet es natürlich Eintritt.

Den Nachmittag verbringe ich in den umliegenden Bergdörfern. Leider ist auch hier der Reis schon abgeerntet, aber die angelegten Terrassen sehen auch so noch schön aus. Das Wetter beliebt bis zum Sonnenuntergang traumhaft mit Temperaturen über 20° C. Eine wirkliche Ausnahme in dieser Gegend und in dieser Jahreszeit.

Wie schon auf Cát Bà wird auch hier in der Gegend unglaublich viel gebaut. Wenn in den nächsten Jahren so viele Touristen kommen, wie scheinbar erwartet werden, dann wird’s auch im abgelegenen Sa Pa richtig voll. Auf der Rückfahrt gibt es nochmal einen ganz anderen Blick auf die Stadt.


Am Nachmittag des nächsten Tages verlasse ich Sa Pa wieder mit dem Limousinenvan und komme am frühen Abend in Hà Nội an. Ich habe eine Übernachtung in der Nähe des Flughafens gebucht, sodass es morgen früh nur ein paar Minuten mit dem im Zimmerpreis enthaltenen Flughafenshuttle sind.