Hainan

Heute Nachmittag verlasse ich Hongkong leider wieder. Als Nächstes geht es auf die chinesische Insel Hainan, die auch als „Hawaii Chinas“ bezeichnet wird. Ich habe geplant 1 Woche zum Relaxen zu bleiben, doch es soll anders kommen. Nach knapp 1,5 Stunden Flug lande ich in Sanya, einer Stadt, von der ich vorher noch nie etwas gehört hatte. Neben Sanya, das im Süden der Insel liegt, gibt es noch Haikou im Norden. Ich hatte irgendwo gelesen, dass Sanya wohl weniger städtisch und entspannter sein soll. Ich komme erst gegen 20 Uhr an und die Immigration ohne Visum klappt problemlos und schnell. Mit der hier üblichen App Didi, dem chinesischen Pendant zu Grab, XanH SM, Uber etc., bestelle ich mir einen Wagen für die circa 30-minütige Fahrt zum Hotel, die umgerechnet nicht einmal 3 € kostet. Der Fahrer wird offensichtlich über die App bezahlt, denn nachdem ich meinen Koffer aus dem Wagen genommen habe, fährt er direkt los. Im Dunkeln irgendwo ankommen mag ich nicht so gerne, aber manchmal lässt sich das nicht vermeiden. Das Hotel ist ein Riesenklotz am Strand, der schon etwas betagt ist. Das erste Problem, dass es hier gibt ist, dass eigentlich niemand auch nur eine Vokabel Englisch spricht. Alles läuft über ein Übersetzungstool. Damit sind wir dann auch schon beim nächsten Problem. In China sind Google und diverse andere Apps nicht verfügbar. Über WiFi läuft also quasi nichts, wenn man keine registrierte chinesische SIM-Karte hat. Auf meiner Hongkong SIM-Karte, die auch in Macao und „Mainland China“ funktioniert, habe ich aber nicht so viel Datenvolumen drauf, dass ich ohne Einschränkungen alles im Internet machen kann, was ich möchte. Das dritte Problem ist, dass unmittelbar hinter dem Hotel eine Großbaustelle ist, auf der nicht am frühen Abend Feierabend gemacht wird, sondern auch nach Mitternacht noch geflext und anderer Lärm gemacht wird.

In der Lobby laufen ununterbrochen Weihnachtslieder und alles in der Umgebung ist nur auf Chinesisch beschriftet, und oft auch noch auf Russisch. Ich bin extrem gefrustet und würde am liebsten gleich wieder weg von diesem Ort. Die Nacht war einigermaßen OK, bis frühmorgens der Baustellenlärm wieder zunahm. Nach einem Spaziergang am Morgen fahre ich zum Flughafen und buche meinen Flug um. Hier eine Woche zu bleiben, kommt für mich nicht infrage. Somit werde ich nach zwei Übernachtungen und einem Tag Hainan bereits wieder verlassen. Für die zweite Nacht wechsel ich aber noch das Zimmer gegen ein etwas ruhigeres.

Ein Blickfang und beliebtes Fotomotiv, das man in Bezug auf die Architektur spontan eher Dubai zuordnen würde, sind die fünf Gebäude, die auf der künstlich angelegten Insel Phoenix Island stehen, die über eine Brücke zu erreichen ist. Eine besondere LED Installation bringt die Gebäude abends zum Leuchten. Die animierten Bilder können auch so gesteuert werden, dass die Gebäude eine einzige riesige Leinwand sind. Die Wohnungspreise auf der Insel sind natürlich auch sehr hoch. Ein 7 und ein 5-Sterne-Hotel, Yachtclub und alles, was Reiche so brauchen, befinden sich ebenfalls dort.

Am Tag habe ich noch etwas Zeit am Strand verbracht. Es gibt keine Schattenmöglichkeit und das Wasser ist auch nicht so schön. Die überwiegend älteren Chinesen an der Promenade singen, tanzen, spielen Brettspiele und einiges mehr. Chinesen sind ja ohnehin ein geselliges Volk, das sich scheinbar in Gruppen am wohlsten fühlt.

Es gibt hier offensichtlich keine Roller mehr mit Verbrennungsmotoren. Lautlos huschen überall die Elektroroller umher. Da man dafür keinen Führerschein benötigt, darf man die auch als Tourist fahren. Andere Fahrzeuge darf man in China nur mit einem chinesischen Führerschein fahren. Der Internationale wird nicht anerkannt. Da Hainan quasi zwischen Hong Kong und Đà Nẵng, meinem nächsten Ziel, liegt, ist die spontane Planänderung nicht so dramatisch.