Wenn man in Sài Gòn ist, dann sollte man auch einen Ausflug ins circa 45 km entfernte Củ Chi machen. Dort kann man einen Teil der weniger rühmlichen Geschichte des Landes erleben. Ich habe eine Tour über eine dieser Onlineplattformen gebucht und werde an meiner Adresse abgeholt und dort auch wieder abgesetzt. Leider werden erstmal wieder an verschiedenen Stellen diverse Leute eingesammelt bis es losgeht, und wie zu erwarten ist das ganze sehr touristisch. Als Erstes folgt nämlich ein Stopp an einer Art Fabrik. Dort werden kunstvoll aus Splittern von Eierschalen Mosaikbilder erstellt und anschließend wird das in mehreren Schritten hochglanz lackiert. Da unzählige Busse und Vans hier stoppen ist es laut und hektisch und ich warte nur darauf, dass es weitergeht.
Nächster Stopp ist ein Schießstand, da einige Fahrgäste gerne einmal mit einer AK47 oder einer anderen Waffe schießen möchten. Das ist nicht nur völlig sinnlos, sondern auch teuer und laut. Zum Glück ist es schnell vorbei.
Dann folgt das eigentliche Ziel der Tour, die Củ Chi Tunnel von Ben Dinh oder alternativ Ben Duoc. Dieses 250 km lange Tunnelnetzwerk wurde während des Vietnamkrieges (1955-1975) von den nordvietnamesischen Vietkong genutzt, deren Ziel es im Kampf gegen die Südvietnamesen und die USA war, das Lande unter kommunistischer Führung wieder zu vereinigen. Unser Guide Tuan, der schon über 80 Jahre alt ist, hat damals selbst in diesem Gebiet gekämpft, was die Erklärungen natürlich besonders authentisch macht. Er bietet den Tourteilnehmern an, die Granatsplitter, die er anscheinend immer noch im Gesicht hat zu fühlen, worauf ich als Einziger gerne verzichte. Etwas skurril ist es schon sich an diesem ehemaligen Kriegsschauplatz, an dem Menschen ums Leben gekommen sind, zu bewegen und sich alles anzuschauen. Am Anfang gibt ein paar zerstörte Hubschrauber und Panzer, sowie Munitionsreste und einen kurzen Film zu sehen. Es gibt zwar keine genauen Zahlen, aber es wurden im Laufe des Krieges wohl geschätzt unglaubliche 500.000 Tonnen Bomben in der Region abgeworfen.
Dann geht es auch schon zu den Tunneln, die für die Touristen etwas erweitert und zum Teil mit elektrischer Beleuchtung ausgestattet wurden. Wie man sieht, ist der Einstieg nicht viel größer als ein DIN-A4-Blatt und wenn der Deckel mit dem Laub drauf liegt, ist er absolut nicht mehr erkennbar.


Auch ich verschwinde durch dieses Loch im Untergrund und tauche einige Meter entfernt wieder auf. Auf dem Weg durch die Tunnel gibt es auch stockfinstere Abschnitte und wer nicht so gelenkig ist, der muss auch schon mal auf die Knie gehen. Da die Menschen hier unten ja zum Teil jahrelang gelebt haben, gibt es natürlich auch diverse Räumlichkeiten, Brunnen und ein ausgeklügeltes Belüftungs- und Entwässerungssystem, dann in der Regenzeit musste ja gewährleistet sein, dass die Tunnel nicht volllaufen. Auf drei Ebenen ist das Tunnelsystem bis zu 10 Meter tief unter der Oberfläche.
Am Ende der Tour sind noch einige der meist tödlichen Fallen der Vietkong zu sehen. Neben einfachen Fallgruben mit spitzen Bambusstäben gab es da noch einige andere „Erfindungen“.
Nach der Tour habe ich noch reichlich Zeit, bevor ich mich heute an Silvester in Richtung Stadtzentrum aufmachen werde. In dem Restaurant in „meiner“ Straße ist mal wieder nichts frei. Als ich sage, dass ich schräg gegenüber ein Craft Beer trinken werde während ich warte, schlägt man mir spontan vor mir das Essen dort zu servieren. Eine sehr gute Lösung mit der ich absolut nicht gerechnet hatte. Wenig später wird mir das Essen dann einmal quer über die Straße an den Tisch unter freiem Himmel gebracht.
In der Stadt und auch an anderen Stellen im ganzen Land sieht man immer wieder irgendwelche „Motivationsplakate“ mit Vaterlandparolen, die fröhliche, zufriedene Vietnamesen zeigen.
Bereits um 22:30 Uhr glaube ich meinen Platz für das Feuerwerk gefunden zu haben. Es ist alles schon ziemlich voll, aber bis 0 Uhr kommen ständige weitere Leute. Zum Schluss hat man kaum noch Platz sich zu bewegen. Das gefällt mir gar nicht, aber jetzt kommt man auch nicht mehr so einfach raus aus der Menschenmenge. Bleibt nur zu hoffen, dass nichts passiert, was eine Panik auslöst.
Das Feuerwerk wird sowohl von einem Ponton im Fluss, als auch von diversen Hochhäusern abgefeuert. Es ist nicht spektakulär, aber schon sehenswert. Leider herrscht eine ganz leichte Brise in Richtung der Zuschauer, sodass am Ende nicht nur das Feuerwerk selbst, sondern auch der Bereich der Zuschauer im Rauch ist. Nachdem alles vorbei ist dauert es natürlich eine ganze Weile bis sich die Massen wieder etwas verteilt haben. Das Feuerwerk damals in Sydney war definitiv besser.












