Cần Thơ

Ein letztes Mal geht es innerhalb von Việt Nam auf die Reise. Ganz im Süden ist das Mekong-Delta von dem viele sagen, dessen Besuch unbedingt zu einer Vietnamreise dazugehört. Davon will ich mich selbst überzeugen und fahre nach Cần Thơ. Die Fahrt dauert 4 Stunden und diesmal habe ich so einen Sleeperbus gebucht und ich muss sagen, dass mir das ganz gut gefällt. Jeder Fahrgast hat einen Liegeplatz, der mit einem Vorhang geschlossen werden kann. Es gibt auch Plätze in der Mitte, die dann natürlich kein Fenster, sondern zwei Vorhänge haben. Da man den Platz aber online mitbucht, kann man diese Plätze vermeiden, solange bei der Buchung noch Fensterplätze frei sind. Cần Thơ ist die größte Stadt in der Region und die viertgrößte Stadt des Landes. Leider ist die Gegend in der meine Unterkunft ist ziemlich langweilig und ich bereue es fast schon, dass ich hier noch hergefahren bin. Das Apartment ist eigentlich sehr schön, aber ziemlich klein. Er nervt mich, dass man jedes Mal an der Tür unten und oben einen sechsstelligen Zahlencode eingeben muss, anstatt einmalig den Fingerabdruck zu scannen. Kein Problem für jemanden, der sich Zahlen auf Anhieb merken kann, aber ich muss bedauerlicherweise immer wieder erst nachschauen. Ungünstigerweise ist über einem kleinen Seitenfenster des Zimmers ein Blechdach, auf dem in der Nacht jeder Regentropfen förmlich einschlägt.
Eines der Highlights in der Region sollen die schwimmenden Märkte sein. Ich bin gespannt, wie authentisch das dort noch ist und buche direkt über die Unterkunft. Da man mit dem Boot ein ganzes Stück auf dem Mekong fahren muss, bevor man dort ist, und da das eigentliche Geschehen auf den Märkten nur vormittags stattfindet muss ich morgen schon vor 5 Uhr am vereinbarten Treffpunkt sein. Da ich schon einen Roller gemietet habe brauche ich nur eine ¼ Stunde dorthin. Am Nachmittag schaue ich mich noch auf etwas auf dem lokalen Markt um. Neben vielen Früchten und Gemüse werden hier auch Fische, Frösche und anderes Getier meist lebend verkauft. Das ist immer nicht schön anzusehen, gehört aber auf asiatischen Märkten leider dazu, da in dem Klima nur so die Frische 100%ig garantiert werden kann. Eine Frau sitzt da und schneidet routiniert den wirklich großen Fröschen mit einer Schere die Beine ab, als würde sie Gemüse putzen. Ich habe nicht so sehr genau hingeschaut, aber ich meine, dass die Frösche dabei zum Glück bereits tot waren. Sie haben sich zumindest nicht bewegt, als die Frau sie in der Hand hatte. Schnell überspringe ich den Teil des Marktes.


In dem Gewimmel am Treffpunkt habe ich meine Kontaktperson nur gefunden, weil ich jemandem das Foto gezeigt habe, dass mir geschickt wurde. Es geht auch direkt los und obwohl es noch so früh ist herrscht überall bereits hektisches Treiben. Erst auf dem Wasser wird es wieder etwas ruhiger. Nach 20 Minuten halten wir, wie andere auch, erstmal an einem Tankschiff an, damit der Sprit auch für die Fahrt reicht. Mir gefällt sehr gut, dass mein Boot ein ganz kleines ist, indem ich heute außerdem noch der einzige Passagier bin. Der Motor ist zwar etwas laut, aber im Vergleich zu anderen Touristenbooten, ist das nichts. Oft sind das größere Boote mit zum Beispiel 20 Fahrgästen, die dort im grellen Licht sitzen und dann ist auch noch ein Guide mit an Bord, der über Lautsprecher ununterbrochen und viel zu laut etwas erzählt. Ich hingegen kann den Tagesanbruch auf dem Mekong ungestört genießen.

Um kurz vor 6 Uhr erreichen wir den Anfang des schwimmenden Marktes, wo die ersten Verkäufe schon im Halbdunklen stattfinden. Bei dem ersten Verkaufsboot, das wir ansteuern, kaufe ich mir einen Kaffee ohne Milch und Zucker, was hier eher ungewöhnlich ist. Der Preis ist erfreulicherweise nicht auf einem übertrieben hohen Touristenniveau.

Eine halbe Stunde später, also um 6:30 Uhr, dann ein Stopp an einem Phở-Boot. Die heiße Nudelsuppe schmeckt auch schon um diese Uhrzeit. Immer mehr Boote versammeln sich an dieser Stelle zum vietnamesischen Frühstück, sodass schnell alle „Parkplätze“ um das Boot herum belegt sind. Ich möchte nicht wissen, wann die gute Frau jeden Morgen aufsteht, um alles vorzubereiten und ins Boot zu laden um dann an dieser Stelle um diese Zeit schon verkaufen zu können.

Da der Mekong ja ziemlich breit ist, herrscht hier nicht so Enge wie seinerzeit in Thailand. Man hat hier auch nicht das Gefühl, als ob das alles vorrangig für Touristen ist. Viele Verkäufe finden abseits der Touristen statt und etliche Leute leben ja auch auf den größeren Schiffen im Fluss. Ich vermute, dass zu einer bestimmten Zeit der Fahrweg für große Schiffe wieder frei gemacht werden muss.

Bevor wir zurückfahren geht es noch in einen Seitenarm des Mekong zu einer Vorführung der Reisnudel- bzw. Reispapierherstellung. Natürlich hofft man, dass die Touristen auch etwas kaufen, aber es ist erfreulich zwanglos und auch interessant. Der flüssige Teig wird zunächst hauchdünn auf ein Tuch gestrichen und kurz gedämpft. Dann kann jeder mal so einen noch etwas klebrigen „Rohling“ auf ein spezielles, feuchtes Bambusteil wickeln, um diesen gleich danach an anderer Stelle wieder unversehrt zum Trocknen abzurollen.

Leider gibt es noch einen Stopp an einer „Fruitfarm“, wo man sich, wenn man Eintritt gezahlt hat, tropische Früchte an ihren Bäumen oder Sträuchern anschauen und anschließend etwas Obst verköstigen kann. Das ist mir dann doch zu touristisch, zumal man auch noch mit viel zu lauter Musik beschallt wird. Ungünstigerweise kann ich mich mit der Bootsführerin nicht verständigen, sonst hätte man den Punkt überspringen können. Da ich ja zum Glück keine Rücksicht auf andere Passagiere nehmen muss, können wir aber nach ein paar Minuten weiterfahren. Bereits um 8:45 Uhr sind wir auch schon wieder am Startpunkt angekommen und bald darauf geht es zurück nach Sài Gòn, wo ich noch eine letzte Nacht in der Nähe des Flughafens gebucht habe, bevor die Reise durch Việt Nam morgen endet.