Ich reise von Bali nach Ost-Nusa Tenggara in die kleine Fischerstadt Labuan Bajo, einer Stadt, von der ich bis jetzt noch nie etwas gehört habe. Der Flughafen ist der Komodo Airport, was ja bereits den Grund für dieses Reiseziel erkennen lässt. Es ist der Ausgangspunkt für Bootstrips in den Komodo National Park. Schon beim ersten Mal, als ich auf Bali war, wäre ich gern dorthin gereist, um die „Drachen“ in ihrem natürlichen Lebensraum anzuschauen. Leider passte es da zeitlich nicht, da man mit An- und Abreise mindestens 4 Tage und 3 Nächte einplanen muss. Bei WhatsApp habe ich mich für eine 2 Tagestour mit einer Übernachtung auf dem Boot angemeldet. Der Flug von Denpasar zum Komodo Airport auf der Insel Flores dauert etwas mehr als eine Stunde.
Der Flughafen liegt im Nordwesten der Insel. Dort angekommen werde ich vom Shuttle der Unterkunft abgeholt. Der Himmel ist grau, aber es ist trocken. Derzeit ist „Low Season“ und ich bin aktuell der einzige Gast in der Unterkunft. Direkt nach der Ankunft buche ich dort die Bootstour. Neben der Begegnung mit den Komodo-Waranen, kann man noch mit Babyhaien schnorcheln und dabei eventuell auch Mantas und Schildkröten sehen. Außerdem wird man noch sehen, wie in der Dämmerung tausende Flughunde ihren Schlafplatz verlassen, um auf die Suche nach Nahrung zu gehen. Auch landschaftlich haben die verschiedenen Inseln, die man ansteuert etwas zu bieten. Hört sich alles toll an und ich freue mich auf Übermorgen. Die Warane gibt es nicht nur auf der gleichnamigen Insel Komodo zu sehen, sondern vermutlich sogar noch etwas besser auf der etwas kleineren Insel Rinca. Sie werden bis zu 3 Meter lang, wobei etwa die Hälfte davon der Schwanz ist. Bei ihrem Biss wird dem Opfer aus den Drüsen im Unterkiefer ein Gift injiziert, sodass auch deutlich größere Tiere wie zum Beispiel Wasserbüffel erlegt werden können. Insgesamt leben schätzungsweise 5000 Tiere auf den Inseln. Menschen werden in der Regel nicht angegriffen, sondern eher gemieden. Bei der Buchung erzählt man mir jedoch auch, das aufgrund eines Unfalles die Regierung den Naturpark erst vor ein paar Tagen geschlossen hatte. Vor zwei Wochen, am 26.12., gab es nämlich ein Bootsunglück, bei dem bedauerlicherweise ein spanischer Vater und drei seiner Kinder ums Leben gekommen sind. Das Boot war nach einem Motorschaden in der rauen See gesunken. Da macht man sich dann doch Gedanken und das ganze bekommt einen bitteren Beigeschmack. Es ist beruhigend, dass auf die Sicherheit geachtet wird, aber wie so oft muss immer erst etwas passieren, bevor so etwas umgesetzt wird.
Nach der ersten Nacht wollte ich mit dem Roller die nähere Umgebung erkunden, aber am Vormittag fängt es bereits an zu regnen und hört eigentlich auch gar nicht so richtig wieder auf. In der Umgebung der Unterkunft gibt es leider nicht viel, da diese nicht in der Stadt ist. Immerhin sind aber circa 10 bis 15 Minuten zu Fuß entfernt ein paar Geschäfte und auch ein etwas größerer Supermarkt. An einem kleinen Stand vor dem Supermarkt gibt es Terang Bulan. Diese indonesische Spezialität sollte man sich nicht entgehen lassen. Es ist eine Art dicker Pfannkuchen mit den unterschiedlichsten Füllungen. Ich nehme einen mit Milch-Sesam-Schokolade Füllung für nur 22000 IDR, was gerade mal 1 € ist. Es ist sehr lecker, aber auch sehr gehaltvoll. Gut das ich die normale Größe gewählt habe.
Am Morgen gehe ich über den Markt, der nur 5 Minuten entfernt ist. Es herrscht allerlei Betrieb und Touristen sind hier wohl in der Regel eher nicht anzutreffen. Die Gänge sind sehr eng, alles ist noch matschig vom Regen und außer Ost und Gemüse würde ich hier wohl nichts kaufen. Wie man sieht, ist hier eine überwiegend muslimische Gegend.
Als ich zurückkomme, erfahre ich, dass die Regierung aufgrund der Wetterlage für die nächsten Tage erneut alle touristischen Bootsfahrten verboten hat. Es ist ungewiss, ob das Wetter in den nächsten Tagen besser wird und die geplante Bootsfahrt nach dem 15. somit wieder möglich, vor allem sicher möglich ist. Ich fahre gleich zum Flughafen, um meinen Rückflug nach Bali auf morgen umzubuchen, was gegen eine entsprechende Gebühr zum Glück möglich ist. Am Nachmittag bin ich dann damit beschäftigt eine Alternative zu suchen und die notwendigen Buchungen zu tätigen. Da Flores jedoch auch mehr zu bieten hat, als die Komodo Tour, bleibt es auf der Bucketlist. Der Zeitraum April bis November ist wohl die beste Zeit für die Gegend.
Am Abend nutze ich dann noch den kostenlosen Shuttleservice in die Stadt, um dort etwas zu essen. Sicher sind hier in Labuan Bajo auch in der Hauptsaison keine Touristenmassen unterwegs, aber aktuell ist die Anzahl der Touristen mehr als überschaubar. Nach dem Essen werde ich vom Shuttle wieder abgeholt. In der kommenden Nacht werde ich von einem heftigen Gewitter wach, das mit extremem Sturm und starkem Regen über die Häuser zieht. Selbst im Haus habe ich kein gutes Gefühl, da es sich anfühlt, als ob der Sturm gleich Teile davon wegreißen wird, der Blitz einschlägt, eine Palme aufs Dach fällt oder alles gleichzeitig. Das Regenwasser läuft auch schon unter der Tür hindurch ins Zimmer, sodass ich den Spalt schnell mit einem Handtuch abdichten muss. Wie gut, dass wir jetzt nicht irgendwo draußen auf dem Meer im Boot sind. Dort wäre es nicht nur beängstigend, sondern vermutlich auch gefährlich. Nach einer halben Stunde ist das Unwetter dann wieder vorbei.





