Sumatra

Bereits um 9:15 Uhr verlasse ich Flores und fliege mit Batik Air zunächst zurück nach Bali. Von dort geht es dann um 14 Uhr mit Citilink über Jakarta zum Kuala Namu Airport bei Medan auf Sumatra. Dort habe ich mir gestern nach der Absage der Komodo Tour als Alternative über WhatsApp eine Dschungeltour zu den Orang-Utans gebucht. Als ich nach 18 Uhr ankomme, ist es schon fast ganz dunkel. Die Abholung vom Flughafen habe ich mitgebucht, da die Fahrt bis zur Unterkunft in Bukit Lawang noch gute 3 Stunden dauert und ich nicht wusste, ob ich einen Taxifahrer finden werde, der mich zu einem fairen Preis dorthin fährt. Es sind nur 125 Kilometer und die erste Zeit fahren wir auf einer guten Straße mit 100 km/h, sodass ich mich frage wie die Fahrt über 3 Stunden dauern kann. Dann ändert sich das jedoch und plötzlich ist klar warum. Die Straßen werden schlechter und führen durch Ortschaften, sodass wir am Ende tatsächlich über 3 Stunden brauchen. Zu anderen Tageszeiten mit mehr Verkehr können das auch problemlos 4 Stunden werden. Circa eine halbe Stunde vor Erreichen des Zieles halten wir in der letzten Ortschaft, um etwas zu essen. Als ich mein Geld aus dem Rucksack nehmen will dann der Schock. Das Geld ist weg. Ganz offensichtlich hat sich gestern, nachdem man mich gestern zum Abendessen gefahren hat, jemand mit einem zweiten Schlüssel Zutritt zu meinem Zimmer verschafft und dann in Ruhe das Geld gestohlen. Glücklicherweise hat die Person den Rucksack nicht gründlich durchsucht und somit nur einen kleinen Teil des Bargeldes entdeckt und gestohlen. Ein kleiner dreistelliger Eurobetrag und die restlichen indonesischen Rupien sind aber weg. Für den Dieb oder die Diebin hat sich das auf jeden Fall gelohnt. Mich ärgert besonders, dass ich so nachlässig oder leichtsinnig war und den Rucksack nicht, wie in all den Wochen davor, abgeschlossen habe, aber „the show must go on“.
In Bukit Lawang endet die Fahrt mit dem Taxi abrupt und es geht zu Fuß weiter. Der Koffer kann noch ein Stück mit dem Motorroller transportiert werden, aber den Rest des Weges muss er getragen werden, was ich aber zum Glück nicht selbst machen muss. Über eine wackelige Hängbrücke geht es nämlich mit den über 20 kg auf der Schulter noch ein paar hundert Meter weiter. In der Unterkunft bekomme ich nach dem Schock erfreulicherweise noch ein Nasi Goreng und ein Bier.


Die Tour startet nach dem Frühstück um 8:30 Uhr und das Wetter ist ausgezeichnet. Das Dorf Bukit Lawang und auch die Unterkunft liegen an den Ufern des Bohorok. Die wackelige Brücke, die wir gestern im Dunkeln mit dem Koffer schon überquert haben, ist, wie man dem Schild entnehmen kann maximal 6 Personen zugelassen und man soll auf ihr nicht rennen.

Gleich zu Beginn der Tour zeigt unser Guide uns diese wunderschöne Schlange. Es handelt sich wohl um eine hochgiftige Sumatra-Grubenotter, die genau die gleichen Grüntöne hat wie die Blätter der Pflanze.

Der Weg führt vorbei an der Ecolodge Bukit Lawang, die durch ihre tolle Bambusarchitektur auffällt. Das ist bestimmt auch eine gute Wahl, denn es gibt auch ein Restaurant und man kann ebenfalls die Tour dort buchen. Um 10 Uhr erreichen wir dann das symbolische Eingangstor zum Gunung Leuser National Park.

Bereits nach einer 3/4 Stunde taucht auch schon der erste Orang-Utan über uns in den Bäumen auf. Anders als in dem Semenggoh Wildlife Centre auf Borneo gibt es hier keine Fütterungen oder Häuser zu denen sich die Tiere hingezogen fühlen. Wir haben also Glück, dass dieser Orang-Utan neugierig genug ist. Unglaublich geschickt turnt er eine ganze Weile ganz nah in den Bäumen herum und schaut sich die Touristen an. Anders als andere Affen, die von Ast zu Ast oder von Baum zu Baum springen, nutzen Orang-Utans die Elastizität der Äste und hangeln sich fast lautlos von einem Baum zum Nächsten. Manchmal hängen sie auch kopfüber an den Ästen

Um 12 Uhr gibt es mitten im Dschungel zur Stärkung ein Obstbuffet, dass unsere Begleiter wirklich toll angerichtet haben.

Neben Orang-Utans gibt es noch einige andere Tiere zu sehen. Unterwegs sehen wir beispielsweise unter anderem auch Thomas-Languren, die es nur hier im Norden Sumatras gibt, südliche Schweinsaffen, die zu den Makaken gehören, einen großen Argusfasan und eine asiatische Waldschildkröte, die in dieser Umgebung irgendwie fehl am Platz wirkt.

Aber auch die kleinen Dschungelbewohner sollen erwähnt werden. Da sind zum einen die Blutegel, die am Boden quasi auf der Lauer liegen um sich an einem vorbeikommenden Wirt festzusaugen. Dann gibt es noch die Riesenameisen, bei denen die Männchen knapp 2 cm groß werden und die Königin sogar über 3 cm. Außerdem Schmetterlinge wie den Horsfield’s Baron.

Gegen 18 Uhr erreichen wir, nachdem wir einen kleinen Fluss durchquert haben, das Camp. Übernachten werden wir gemeinsam in einer einfachen, offenen Hütte. Darin gibt es lediglich ein paar dünne Plastikmatratzen und Moskitonetze. In einer weiteren Hütte ist eine einfache Küche eingerichtet, in der das Begleitteam etwas zu essen zaubern wird. Zusätzlich gibt es noch die Schlafhütte für die Begleiter und das Toilettenhäuschen.

Ich wasche noch mein durchgeschwitztes T-Shirt im Fluss aus, aber trocknen wird es bei der Luftfeuchtigkeit nicht. Zum Abendessen ist es bereits dunkel. Es war fantastisch und üppig. Hut ab dafür, so etwas dort zu zaubern. Jetzt im Dunkeln werden natürlich noch andere Tiere aktiv.

Die Nacht im Dschungel war ruhig und es hat zum Glück auch niemand geschnarcht. Das Pärchen aus der Gruppe hat schon in der Nacht mit Magen/Darm zu tun gehabt und lässt sich noch vor dem Frühstück abholen. Am Essen kann es nicht gelegen haben, denn allen anderen geht es gut. Heute ist die Dschungelwanderung nur halb so lang wie gestern, also circa 3 bis 3,5 Stunden. Es gibt auch keine nennenswerten Tiersichtungen, bis auf diese perfekt getarnten Insekten, die wie Dornen an den Stiel einer Pflanzte wirken, und von Fressfeinden somit unentdeckt bleiben. Ich konnte auch mit KI nicht herausfinden, worum es sich dabei genau handelt.

Den restlichen Teil des Weges werden wir mit Tubing zurücklegen. Nach einer Stärkung am Flussufer geht es los. Es sind immer drei Schläuche miteinander verbunden. In der Mitte sitzen die beiden Passagiere, vorne und hinten je ein Steuermann. An einigen Stellen geht es richtig zur Sache und das kühle Wasser schwappt über einen. Es macht richtig Spaß nach der Anstrengung im Dschungel. Der Fluss führt uns direkt zur Unterkunft, wo ich noch eine Nacht verbringen werde, bevor es bereits wieder weitergeht. Leider wäre die ganze weite Reiseplanung durcheinander gekommen, wenn ich noch länger auf Sumatra bzw. in Indonesien geblieben wäre. Schade, aber vielleicht kann man ja ein anderes Mal etwas mehr Zeit einplanen. Am Nachmittag habe ich zumindest noch etwas Zeit mich in Bukit Lawang umzusehen. Ein paar Restuarants und Souvenirläden haben zwar geöffnet, aber es sind zu dieser Jahreszeit so gut wie keine Touristen da.