Wenn man in Perth ist, dann sollte man sich unbedingt einen Tag Zeit nehmen für einen Ausflug nach Rottnest Island. Der Aboriginal People Name der Insel ist Wadjemup, was in etwa „Ort der Geister“ bedeutet. Ich verlasse daher Burwood und fahre in das eine Stunde entfernte Freemantle. Ich denke, dass es noch als eigene Stadt gilt, obwohl es mit der Metropolregion Perth quasi verschmolzen ist. Der Hafen von Fremantle ist auf jeden Fall auch der Hafen von Perth. Die kleine Stadt hat nur circa 37000 Einwohner und erscheint mit seinen Gebäuden wie aus einem anderen Jahrhundert.
Ich habe für die Hinfahrt die 8 Uhr SEALINK-Fähre von Freemantle gebucht und für die Rückfahrt die um 18 Uhr. Vom Hotel ist es nur eine viertel Stunde zu Fuß bis zum Terminal und die Überfahrt dauert eine halbe Stunde. Der Ticketpreis variiert je nach Abfahrtzeit. Für meine Kombination habe ich umgerechnet 50 € bezahlt. Darin ist allerdings der „Einreisegebühr“ von 21 AUD (13 €) enthalten. Wenn man etwas von der Insel sehen will, dann bietet es sich an ein Fahrrad zu mieten. Der Laden Pedal & Flipper Hire hat scheinbar das Monopol auf der Insel. Dementsprechend sind die Preise, wie ich finde, ganz schön übertreiben. Das normale Rad kostet 33 AUD (20 €) und ein E-Bike 80 AUD (50 €). Helm und Schloss sind zum Glück inklusive, aber wer einen Korb für die persönlichen Dinge oder etwas anderes haben möchte, der muss dies extra buchen. Krass ist, dass der Laden nur von 8:30 Uhr bis 16 Uhr aufhat. Somit kann man das Fahrrad gar nicht die ganze Zeit, die man auf der Insel ist, nutzen.
Man kann ein Fahrrad auch zusammen mit dem Fährticket buchen, oder aber eines auf der Fähre mitnehmen. Das Mitnehmen rechnet sich aber nur, wenn man zum Beispiel ein kostenloses Fahrrad vom Hotel hat, denn die Mitnahme allein kostet schon 20 AUD. Vorteil bei der Buchung mit dem Fährticket ist, dass man das Fahrrad direkt an der Fähre bekommt und zurückgibt. Der Verleih auf der Insel ist ein paar Minuten zu Fuß entfernt und da herrscht viel Andrang, sodass man dort mindestens eine halbe Stunde braucht. Ich hätte mir gewünscht, dass bei dem Fahrrad für den Preis zumindest eine Handyhalterung und der Korb inklusive sind. Auch wenn man sich nicht großartig verfahren kann, so wäre das Handy doch eine Hilfe um die verschiedenen Punkte anzufahren. Will man die komplette Insel umrunden, dann sind es knapp 30 Kilometer, ohne dass man Abstecher ins Inselinnere oder zu Stränden oder Buchten macht. Da es teilweise relativ hügelig, recht windig und generell ziemlich warm ist, muss man also Abstriche machen, denn man schafft einfach nicht alles in den wenigen Stunden.
Highlight und Hauptgrund die Insel zu besuchen sind natürlich die dort lebenden Quokkas, die man auf Rottnest Island am besten sehen kann. Die kleinen, putzigen Tiere gehören zu den Kängurus und kommen nur am Südwestzipfel Australiens vor. Eigentlich sind die Quokkas nachtaktiv, aber auf Rottnest Island, wo einige tausend Exemplare leben, haben sie ihren Rhythmus im Laufe der Zeit umgestellt und zeigen auch keine Scheu vor Menschen. Während die Population auf dem Festland durch Feinde und Verlust des Lebensraums bedrohlich zurückgeht, entwickelt sich die Population auf der Insel in die andere Richtung, was nicht gerade zur Freude des Golfplatzbetreibers ist. Schon bevor ich am Fahrradshop angekommen bin, gibt es die erste Begegnung mit einem Quokka.
Meinen ersten Stopp mache ich an der Little Parakeet Bay. Das herrlich klare, türkisblaue Wasser lädt zum Baden ein. Jetzt um kurz vor 10 Uhr morgens hat man den Strand auch noch fast für sich allein. Es gibt etliche dieser traumhaften Buchten und Strände und schnell wird klar, dass die Zeit bis ich das Fahrrad wieder abgeben muss zu kurz sein wird.
Circa 10 % der Fläche der Insel sind Salzseen. Der sogenannte Pink Lake ist leider aktuell nicht wirklich Pink. Das liegt vermutlich daran, dass er derzeit fast ausgetrocknet ist. Der freigelegte Grund des Sees erinnert mich, abgesehen von der Farbe, an Elefantenhaut.
Sehr angenehm ist, dass man unterwegs immer wieder mal an eigens dafür aufgestellten Zapfstellen kostenlos seine Wasserflasche mit Trinkwasser füllen kann. Da es ja kein Süßwasser auf der Insel gibt sind, werden diese Stellen allerdings teilweise auch von Bienen und anderen Insekten aufgesucht, die dort ebenfalls ihren Durst stillen.
Am Südwestzipfel der Insel ist das Cape Vlamingh. Dort ist die Küste rau und felsig.
Kurz vor dem Ende der Umrundung noch ein Stopp bei Henrietta Rocks, das zwischen Paterson Beach und der Porpoise Bay liegt.
Unterwegs in der Landschaft habe ich bedauerlicherweise keine weiteren Quokkas gesehen, aber kurz vor dem Ende gibt es noch einige zu bestaunen, ebenso wie eine Gruppe rosa Kakadus.
Ein toller Tag geht mal wieder viel zu schnell zu Ende. Mit den schönen Stränden könnte man auch locker noch einen weiteren Tag auf der Insel verbringen. Alternativ zum Fahrrad gibt es auch einen Hop-on hop-off Bus mit 19 Stopps. Der kostet aber auch 32 AUD und fährt nur von 9 bis 15 Uhr circa alle 30 Minuten.
Um 18:45 Uhr werden die alten Häuser in Fremantle noch einmal in ein besonders schönes Licht getaucht.


















