Wave Rock

Ich starte kurz nach 9 Uhr von Albany in nordnordöstlicher Richtung. In Küstennähe ist um diese Zeit noch sehr wolkig, grau und als ich durch den Sterling Range National Park fahre teilweise auch neblig.

Mein Ziel ist heute der Wave Rock, eine der populärsten Naturattraktionen in Western Australia. Leider ist das Ziel von Albany ebenfalls circa 4 Fahrstunden entfernt. Für australische Verhältnisse ist das natürlich noch „ganz in der Nähe“. Gegen 11:30 Uhr ist bereits wieder strahlend blauer Himmel, der mit ein paar weißen Tupfen dekoriert wurde.

Die Route führt auch durch eine Gegend mit vielen Salzseen. Wenn man sich das bei Google Maps anschaut, dann sieht das wirklich höchst interessant aus. Wenn man auf der Straße fährt, dann bekommt man jedoch gar nicht mit, wie viele Seen es dort gibt. Ab und zu ist jedoch auch einer der Seen direkt an der Straße. Dieser ist klassisch Weiß, aber es gibt wohl auch welche in Pink. Wie ich ja bare schon auf Rottnest Island gesehen habe, sind die auch nicht immer wirklich Pink. Bei der Farbintensität wird wohl bei den Fotos, die gepostet werden, auch oft noch ein bisschen nachgeholfen.

Leider muss ich unterwegs feststellen, dass ich gar kein Netz mehr habe. Als ich, nachdem ich ein Foto gemacht habe, wieder zur Navigation von Google Maps zurückkehre, ist die Route nicht mehr verfügbar, da ich nicht daran gedacht hatte mir die Karte offline herunterzuladen. Da nach einer ziemlich langen Strecke immer noch keine Schilder komme werde ich nervös, da ich nicht weiß, ob ich noch auf der richtigen Straße bin. Eine kleine Zeitreise in die Zeit, bevor es Handys und Internet gab, beginnt. Als rechts endlich mal ein paar Häuser auftauchen biege ich ab und halte an einem Haus, das dort auch die Poststation ist, an. Zum Glück ist jemand da und ich frage nach dem Weg. Mit einer kleinen unmaßstäblichen Skizze und der mündlichen Beschreibung bestimmter Wegpunkte setze ich meine Fahrt fort. Das ging ja nochmal gut, aber in der Gegend kann man auch gut und gerne mal 100 Kilometer oder mehr fahren, ohne dass man ein Haus oder irgendjemanden sieht. Wenn man dann auf der falschen Straße ist, dann ist das blöd, weil es natürlich auch keine Tankstelle gibt. So kann man demzufolge auch ganz schnell liegen bleiben. Bei über 30° C und dann ja auch ohne Klimaanlage sollte man mindestens ausreichend Trinkwasser im Auto haben.

Unglaubliche 2,7 Milliarden Jahre ist der Granit alt. Seit „nur“ 60 Millionen Jahren ist er der Erosion ausgesetzt, die diese ausgeprägte Wellenform erschaffen hat. Touristisch bekannt wurde der 15 Meter hohe und 110 Meter lange Wave Rock durch ein Foto das 1963 veröffentlicht wurde. Wenn man oben auf den Felsen klettert, dann wird einem erst die Größe bewusst. Es ist ein riesiger Granitblock, der lediglich an einer Seite „ausgewaschen“ wurde. Hier unten ist es aber wirklich beeindruckend, da man auch durch die vertikalen Streifen wirklich das Gefühl hat, dass die Welle gleich bricht und tosend an den Strand spült. Hier ist leider auch mal wieder ein Ort, an dem die Fliegen absolut lästig sind. Gerne fliegen diese nämlich meist in Richtung Augen, weil es da etwas zu trinken gibt. Jedes Mal, wenn man sie verscheucht hat, dann kommen sie bereits nach ein paar Sekunden wieder und versuchen es erneut.

Ohne zu tanken, werde ich nicht mehr zurückkommen. Zum Glück gibt es in dem Ort Hyden beim Wave Rock eine Tankstelle, die jedoch um einiges teurer ist. Also berechne ich wie viel ich mindestens tanken muss und lege dabei zur Sicherheit noch 100 Kilometer auf die Strecke drauf. Ein Teil des Weges führt auch über eine rote Gravel Road.

Gegen 17 Uhr verdunkelt sich der Himmel auf der einen Seite zunehmend, es sind jedoch keine Wolken. Nach ein paar Kilometern wird mir klar, dass es sich um Rauch handelt. Ein größeres Buschfeuer breitet sich aus. Da es scheinbar ziemlich weit weg ist, mache ich mir keine Sorgen.Was ich jedoch nicht bemerkt habe ist, dass Google Maps aufgrund einer damit zusammenhängenden Straßensperrung schnell mal die Route angepasst hat. Das bedeutet, dass ich einen großen Umweg fahren muss und es nun trotz der berücksichtigten Reserve knapp wird mit meinem Benzin. Laut der Anzeige sind jetzt die 100 Kilometer Reserve auf 10 Kilometer geschrumpft. Ich hoffe, dass rechtzeitig eine Tankstelle kommt und fahre von jetzt an etwas sparsamer. Zum Glück hat ’s am Ende gepasst.

Die meiste Zeit fährt man ja durch eine eher trockene Gegend mit wenig Vegetation und großen Grasflächen, aber kurz vor Perth sieht es dann plötzlich ganz anders aus.

Durch dem Umweg komme ich erst nach 19 Uhr bei der Unterkunft in Madurah an. Wäre ich früher angekommen, dann hätte ich die Kängurus auf einer Wiese kurz davor nicht gesehen. Ich habe noch nie so viele Kängurus auf einem Haufen gesehen. Geschätzt sind es 50+ Tiere, die hier zu Abend essen. Es bleibt ihnen trotz der Distanz nicht verborgen, dass ich mit meinem Auto angehalten habe. Der eine oder andere hüpft lieber davon und andere haben mich fest im Blick.


Am nächsten Tag schaue ich mich zunächst noch etwas in Madurah um. Vom 1. Dezember bis 31. August ist hier Crabbing Season und am Samstagmorgen ist es scheinbar eine beliebte Freizeitaktivität die Blue Swimmer Crabs zu fangen. Man darf bis zu 10 Krebse pro Person und Tag fangen. Die Krebse müssen ein Maß von mindestens 127 mm haben, was jeder mit einer Messlehre überprüfen muss. Überall sieht man die Leute im knöcheltiefen Wasser mit ihren Keschern. Manche kommen mit der ganzen Familie, Campingstühlen, Bier usw.

Langsam nähere ich mich über Rockingham wieder Perth, wo es morgen früh dann zur nächsten Etappe der Reise geht.

Am Abend fahre ich noch mal am interessanten Bell Tower vorbei, da ich da tagsüber gar nicht vorbeigekommen bin.