
Mit Virgin Australia fliege ich heute Morgen nach Tasmanien, das ich ursprünglich gar nicht auf dem Zettel hatte. Jedes Bundesland hat auch eine eigene Flagge, auf der die Sterne durch ein Symbol ersetzt wurden. Für Tasmanien ist es der schreitende Löwe. Ich habe mir für meinen Aufenthalt online einen Campervan gebucht, den ich morgen früh abholen werde. Tasmanien, oder kurz Tassie ist 296 Kilometer hoch und 315 Kilometer breit und trägt damit flächenmäßig nur knapp 1 % zur Gesamtfläche Australiens bei. Es gehören noch über 300 andere weit verstreute Inseln zu Tasmanien. Eine davon ist Macquarie das 1500 km von Hobart entfernt ist. Die Hauptinsel ist südlich von Melbourne und circa 200 Kilometer von der australischen Hauptinsel entfernt. Die Meerenge in dem Bereich ist die Bass Strait. Mit etwas Fantasie hat die Insel eine Herzform. Eine gute halbe Million Menschen lebt dort, wovon fast die Hälfte in der Hauptstadt Hobart lebt. Im flächenmäßig vergleichbaren Bayern leben über 25 Mal so viele Menschen. Anfang des 19. Jahrhundert wurde die Insel von den Briten zur Strafkolonie mit fast 80000 Gefangenen gemacht. Die Briten haben auf der Insel leider nach der Besetzung schlimme Verbrechen gegenüber den Aboriginal People verübt und diese in dreißig Jahren fast ausgerottet. Zum Glück ist das fast 200 Jahre her. Im Vergleich zum Festland ist es relativ kühl und es gibt vier Jahreszeiten. Jetzt im Januar sind wir mitten drin im tasmanischen Sommer, was bedeutet, dass Schattentemperaturen von maximal um die 20 °C zu erwarten sind. Das ist deutlich kälter, als in Western Australia. Die Flugzeit ist circa 4 Stunden und die Zeitverschiebung gegenüber Perth beträgt im Sommer plus 3 Stunden. Bereits am Flughafen wird man vom tasmanischen Teufel begrüßt.
Die Stadt ist durch den Fluss Derwent getrennt der Flughafen ist außerhalb der Stadt auf der östlichen Seite und meine Unterkunft ist auf der westlichen Seite im Stadtteil Sandy Bay. Mit dem SkyBus fahre ich für $22.50 (ca. 14 €) bis zur Station Double Tree by Hilton Hobart von wo ich zur Unterkunft noch circa 15 Minuten zu Fuß gehen muss. Das Apartment ist ruhig und geräumig. Im nahe gelegenen Supermarkt mache ich noch ein paar Besorgungen und da es hier schön lange hell ist, kann ich die Umgebung auch noch etwas erkunden. Von den kleinen, alten Häusern, die alle sehr gepflegt sind, ist eines schöner als das andere.
Heute Morgen hole ich zunächst den Campervan ab. Da der Vermieter 10 Kilometer entfernt auf der anderen Flussseite ist, bestelle ich mir einen Uber und lasse mich über die Tasman Bridge dorthin fahren. Dadurch, dass ich mich bei Uber neu anmelden musste, ist die erste Fahrt sogar gratis. Der Wagen ist ein Toyota HiAce Pop Top mit Herd, Spüle, Kühlschrank und Bett natürlich. Dank des aufstellbaren Daches kann man bequem im Fahrzeug stehen. Das Bett kann man bei Bedarf schnell auf und abbauen, sodass man z. B. bei Regenwetter die Sitzbänke und den Tisch nutzen kann. Man kann es aber tagsüber auch einfach als Bett lassen, was ein großer Vorteil ist. Zusätzlich hat der Wagen noch eine Markise über die ganze Fahrzeuglänge, sodass man einen trockenen Bereich von schätzungsweise 10 m² hat. Alles was man sonst noch so braucht wie Töpfe, Geschirr, Stühle, Tisch, Bettzeug etc. ist vorhanden. Man braucht also nur ein paar Lebensmittel kaufen und dann kann der Roadtrip beginnen. Nur wenige Kilometer nach der Abfahrt passiert unglücklicherweise bereits ein Missgeschick. Durch eine Unaufmerksamkeit touchiere ich leicht den Bordstein. Die Straße und der Verkehr lassen es jedoch nicht zu direkt anzuhalten. An der Unterkunft angekommen stelle ich fest, dass eine Radkappe fehlt. Ich fahre nochmal zurück, kann sie aber im ersten Anlauf nicht entdecken. Ich wende nach ein paar Kilometern erneut und fahre nochmal langsam den Bereich ab. Erst beim dritten Versuch finde ich die Radkappe wieder. Zum Glück ist nichts weiter beschädigt, aber die Aktion hat bestimmt eine dreiviertel Stunde gekostet.
Das Wetter ist fantastisch und ich fahre über die 22 Kilometer lange, enge Straße hinauf zum 1271 Meter hohen kunanyi / Mount Wellington. Das ist der beste Aussichtspunkt um die ganze Stadt und deren Umgebung von oben zu sehen. Manchmal liegt dort oben selbst im Sommer noch Schnee, aber heute ist es richtig warm.

Oben auf dem Berg gibt es noch verschiedene Wanderwege. Die Gegend ist überwiegend mit den endemischen Pflanzen des Kerosin-Busches bedeckt, die im Moment üppig blühen. Das klebrige Harz, dass die Pflanze absondert erinnert vom Geruch her an Kerosin und ist auch leicht entflammbar.
Da ich das Apartment für zwei Nächte gebucht habe, geht es heute noch nicht los. Ich schaue mich noch etwas im Hafenbereich der Stadt um und erst als, ich mir an einem der Schiffe im Hafen Fish & Chips kaufe stelle ich fest, dass heute ein Nationalfeiertag ist, denn alles kostet am Feiertag leider 15 % mehr. Am 26. Januar ist seit 1946 jedes Jahr der Australia Day, an dem die Landung der ersten Flotte, sowie das Hissen des Union Jack im Jahr 1788 gefeiert wird. Da dieses Datum für die Aboriginal People allerdings den Beginn von Landenteignungen und von Massakern bedeutet ist fraglich, warum so etwas immer noch jährlich gefeiert wird. In den letzten Jahren wird dieser Feiertag zunehmend kritisiert.
Eine halbe Stunde Fahrt entfernt vom Hafenbereich ist an der schroffen Steilküste der South Arm Peninsula der Goat’s Bluff Viewpoint von dem man auch nach Betsey Island (Temeteletta) schauen kann. Auf der Insel, die Teil eines Naturschutzgebietes ist, leben wohl, neben einigen anderen Seevögeln, auch circa 15000 Paare des kleinen blauen Pinguins. Ein paar Kilometer entfernt ist die kleine Badebucht Opossum Bay. Warum die allerdings so heißt, ist nicht bekannt. Auf einem Wanderweg gelangt man von dort auch zur „versteckten“ Mary Anne‚s Bay.














