Stanley

Es ist deutlich kühler geworden. Ich genieße noch mein deftiges Frühstück und verlasse dann den Campingplatz um 8:30 Uhr. Von oben werfe ich noch einen Blick zurück. Auf der linken Seite, hinter dem See, sieht man noch ein paar weiße Punkte von den Campern, die noch auf dem Platz stehen. Ansonsten halt eine Menge Natur.

Nach ein paar Minuten Fahrt entdecke ich am Straßenrand einen Schnabel- oder Ameisenigel (Echidna). Wie das Schnabeltier legt auch der Igel Eier (meistens nur eins). Das Ei wird nach dem Legen in eine Bauchtasche befördert, wo dann auch das Junge schlüpft und für die ersten 8 Wochen „wohnt“. Da die Igel quasi keine natürlichen Feinde haben und auch nicht mehr gegessen werden, ist er nicht vom Aussterben bedroht. Als ich mich ihn nähere rollt er sich zu einer Kugel zusammen, aber kurz darauf setzt er seinen Weg fort. Auf seiner Stirn wandern noch ein paar Kletten mit ihm mit.

Einer schöner Blick über das Tal mit dem Mount Roland (1233 m) im Hintergrund. An der Strecke komme ich auch an riesigen Mohnfeldern vorbei. Tasmanien ist der weltweit größte legale Produzent von Schlafmohn für die Produktion von Morphin, Oxycodon, Codein etc. Als es vor einiger Zeit in den Feldern zu merkwürdigen Kreisen mit niedergetrampeltem Mohn kam, rätselte man zunächst, wer wohl der Verursacher war. Es stellte sich dann heraus, dass Wallabys von den Kapseln gefressen hatten und dann im Rausch im Kreis umhergesprungen sind. Ich bin etwas erstaunt, dass die Felder frei zugänglich direkt an der Straße sind.

Das Dorf Sheffield ist mal wieder einer dieser Orte, die sich seit Mitte oder Ende des 19. Jahrhunderts kaum verändert haben. Anstelle der Autos könnte man sich auch gut vorstellen, dass man sein Pferd vor dem Geschäft anbindet.

Ziel der Fahrt heute ist Stanley. Ich habe eine Weile mit mir gerungen, ob ich den Abstecher dorthin machen soll, weil das eigentlich etwas abseits liegt.
Der Ort hat nur circa 600 Einwohner und ist ganz in der Nähe des nordwestlichsten Zipfels der Insel. Touristischer Anziehungspunkt hier ist der Munatrik auch The Nut genannt. Dabei handelt es sich um die 143 Meter hohen Überreste eines erloschenen Vulkans, der wohl vor vielen Millionen Jahren aktiv war. Das, was jetzt noch in der Tischform erhalten ist, ist das damals flüssige Magma, das seinerzeit in dem Schlot des Vulkans erkaltet ist. Das umgebende Gestein war weicher und ist durch Erosion verschwunden. Eigentlich kann man auch auf den Felsen wandern oder im Sommer auch mit einem Sessellift hinauffahren, aber der Zugang bzw. die Zufahrt ist derzeit gesperrt. Warum der Felsen, der gar nicht an eine Nuss erinnert, „The Nut“ genannt wird, rührt vermutlich daher, dass der Name der Aboriginal People Moo-Nut-Re-Ker ausgesprochen wird, woraus die europäischen Siedler dann die Kurzform „The Nut“ gemacht haben.

Der Campingplatz ist heute abseits der Straße mitten im Wald. Nur ein einziger Camper ist bereits dort. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ganz allein geblieben wäre. Es ist etwas windig und ich schaue, dass ich nicht unter einem Baum parke, von dem Äste oder Tannenzapfen herunterfallen können. Am Abend fängt es etwas an zu regnen, aber unter der geöffneten Heckklappe kann ich noch trocken mein Abendessen zubereiten und genießen.



Die Nacht war mit Temperaturen im mittleren einstelligen Bereich sehr kalt. Die Scheiben sind alle von innen stark beschlagen und von außen vom Regen nass, sodass man nicht hinausschauen kann. Ich sammle mir etwas trockenes Holz und mache ein kleines Feuer um mich aufzuwärmen. Etwas später kommt dann auch die wärmende Sonne über die Bäume.

In drei Tagen verlasse ich Tasmanien bereits wieder, also muss ich mich wieder langsam Richtung Hobart aufmachen. Die heutige Strecke ist daher relativ lang, ohne besondere Highlights. Die Gegend durch die ich fahre ich ziemlich bergig. Einen kurzen Stopp mache ich noch in der kleinen, alten Bergbaustadt Queenstown. Viele Touristen kommen hierher, um eine Fahrt mit dem historischen Zug zu machen.

Etwas östlich von Queenstown gehe ich noch den Nelson Falls Track bis zum kleinen Wasserfall.

Der heutige Campingplatz ist mit Blick auf den River Derwent, der ja auch durch Hobart fließt. Eine wolkenlose Vollmondnacht. Um 21:20 Uhr leuchtet der Mond hell über die Hügel und den Fluss. Auf dem Bild sieht es fast aus, wie ein Sonnenaufgang.

Leider wird meine Nachtruhe von einem rücksichtslosen Camper gestört, der gegen Mitternacht auf den Campingplatz kommt und, obwohl genug freier Platz vorhanden ist, ganz dicht vor mir einparkt. Nicht nur, dass seine Scheinwerfer dabei voll in meine Windschutzscheibe leuchten, es dauert auch relativ lange bis er sich geräuschvoll dort eingerichtet hat. Nachts um 3 Uhr fährt er dann nochmal kurz weg und morgens um 6 Uhr erneut. Es gibt halt normale Leute und es gibt solche … 🙁