
Heute am 05.02. geht es nach Auckland, dass im oberen Drittel der Nordinsel Neuseelands liegt. Der Maori Name des Landes ist Aotearoa, was in Europa wenig bekannt ist. Übersetzt bedeutet das so viel wie „Land der langen weissen Wolke“ oder „Lange helle Welt“. Das Land besteht aus den beiden Hauptinseln und 700 weiteren, weit verstreuten, kleinen und vielfach unbewohnten Inseln. Flächenmäßig ist Neuseeland etwas kleiner als Italien, hat aber mit knapp 5,5 Millionen Einwohnern nur 1/10 der Einwohner Italiens. Während das Land maximal 450 Kilometer breit ist, so ist es stattliche 1600 Kilometer lang. Unterbrochen werden die beiden Inseln durch die an der schmalsten Stelle nur 22 Kilometer breite Cook-Straße. Die Meerenge gilt als sehr gefährlich, da es dort starke Gezeitenströmungen gibt. Wenn auf der einen Seite in der tasmanischen See zum Beispiel Ebbe ist, dann ist zeitgleich auf der anderen Seite im Südpazifik Flut. Auckland hat im Kernbereich circa 1,5 Millionen Einwohner und ist damit mit Abstand die größte Stadt des Landes. Die Hauptstadt Wellington, die ganz im Süden der Nordinsel ist, hat nur etwas mehr als 200000 Einwohner.
Die Flugzeit von Hobart beträgt 3,5 Stunden. Um 12:20 Uhr geht es los und mit zwei Stunden Zeitverschiebung lande ich um 17:50 Uhr in Auckland. Oft wird nicht erst bei der Einreise, sondern schon beim Einchecken am Abflughafen nach dem Weiterflugticket gefragt. Ich hatte mir, da ich ja noch gar nicht wusste, wann ich wieder ausreisen werde, deshalb rechtzeitig für $14 ein Onward-Ticket von Auckland nach Sydney besorgt. Bei der Einreise nach Neuseeland benötigt man als Tourist aus Deutschland kein Visum, aber ein bestätigtes NZeTA. Das kann man, am besten 1 Woche vor der Einreise, online per App oder hier beantragen und damit kann man zwei Jahre lang einreisen, wobei jeder einzelne Aufenthalt maximal 3 Monate lang sein darf. Es kostet zwar nur NZD $17, aber zusätzlich muss man dabei noch den IVL (International Visitor Conservation and Tourism Levy) in Höhe von NZD $100 bezahlen. In Summe also umgerechnet 59 € „Einreisegebühr“. Sowohl in Australien und Neuseeland überprüfen Hunde das Gepäck und auch die Reisenden und denen entgeht kein Apfel, kein Salamisandwich oder andere verbotene Dinge. Da ich alle Anforderungen erfüllt bzw. eingehalten hatte, gab es bei der Einreise keine besonderen Vorkommnisse.
Ich hatte das große Glück, dass mich Wayne, den ich auf Madagaskar kennengelernt habe, am Flughafen abgeholt hat. Mir war nur gar nicht bewusst, dass er circa 100 Kilometer entfernt von Auckland wohnt. Ich glaube, die kleine Ansiedlung von Häusern dort hat gar keinen Ortsnamen. Das Haus ist auf der Tāwharanui Peninsula südöstlich von Matakana mit Blick auf die Millon Bay. Als wir ankommen ist es allerdings bereits dunkel.
Mein grober Plan ist es, sich einen Campervan zu kaufen, damit die Nord- und Südinsel abzufahren und den Wagen dann am Ende wieder zu verkaufen. Da das bei vielen Touristen, die länger im Land umherreisen wollen, gängige Praxis ist, bin ich zuversichtlich das funktionieren wird. Nach dem Abendessen ist es allerdings schon ziemlich spät und wir beenden den Tag, ohne diesbezüglich noch zu recherchieren oder irgendwie aktiv zu werden.
Seit 1974 gibt es als nationalen Feiertag jedes Jahr am 6. Februar den Waitangi Day. Da wird die Unterzeichnung des Vertrages zwischen Vertretern der britischen Krone und Maori Häuptlingen im Jahr 1840 gefeiert. Somit ist es quasi der Gründungstag der Nation. Das Wetter ist schön und von der Terrasse hat man einen tollen Blick auf die Bucht.
Nach dem Frühstück fahren wir erstmal in das knapp 9 Kilometer entfernte Matakana, dass circa 650 Einwohner hat. Jeden Samstag von 8 Uhr bis 13 Uhr ist in dem Ort Farmers‘ Market. Das zieht dann auch viele Leute aus der Stadt an und es wird sehr voll. Heute am Freitag ist trotz des Feiertages alles relativ entspannt und man kann in Ruhe einen Kaffee am Flussufer genießen. Von Matakana machen wir noch einen Abstecher zum Omaha Beach. Der Parkplatz ist komplett voll, aber für einen kurzen Blick auf den schönen Strand findet sich noch eine Stelle zum Halten. Der kleine Ort Omaha hat nicht nur einen Surf Club und Tennisplätze, sondern auch einen 18-Loch-Golfplatz, was hier wohl nicht ungewöhnlich ist.
In der Dämmerung fahren wir noch zum Tāwharanui Regional Park, um nach den nachtaktiven Kiwis Ausschau zu halten. Der Bereich ist großräumig eingezäunt wie eine Festung und man fährt zunächst auf ein geschlossenes Tor zu, dass sich dann aber bei Annäherung automatisch öffnet. Sämtliche möglichen Fressfeinde für Kiwis oder deren Eier kommen so nicht in die Schutzzone. Ohne Schutz würden die Kiwis, von denen es 5 Arten gibt, mittelfristig aussterben. Ein ambitioniertes Ziel Neuseelands ist es übrigens bis 2050 komplett Raubtierfrei zu werden. Zu den Raubtieren zählen Ratten, Opossums, Hermeline, Wiesel, Frettchen und verwilderte Katzen. Vom Parkplatz ist es noch ein ganzes Stück zu laufen und der Weg führt teilweise am Strand vorbei, wo gegen 20:30 Uhr die bereits untergegangene Sonne noch für stimmungsvolles Licht sorgt und wo einige Badende noch im Wasser sind.
Bevor man den inneren Bereich der Schutzzone betritt, gibt es noch eine Schuh Reinigungs- und Desinfektionsschleuse. Zunächst sind wir auf dem Pfad noch allein unterwegs und lauschen den Geräuschen. Nach einer Weile, als es schon dunkel ist, tauchen dann aber immer mehr Leute auf, die mit ihren roten Lampen nach Kiwis suchen. Normale Taschenlampen würden die nachtaktiven Tiere blenden oder verschrecken, aber das Rotlicht wird von ihnen kaum wahrgenommen. Gelegentlich hört zwar man den schrillen Ruf der Vögel, aber die Suche bleibt erfolglos. Vermutlich sind heute einfach zu viele Leute auf der Suche.
Die Neuseeländer nennen sich ja auch selbst Kiwis, was auf den Vogel, der das absolute Wahrzeichen des Landes ist, zurückzuführen ist. Die Frucht wird wegen ihrer braunen, pelzigen Schale in Anlehnung an den Vogel Kiwi genannt. Der schrille Ruf des männlichen braunen Kiwis klingt mit etwas Fantasie wie „kiwi, kiwi“, das sich etliche Male wiederholt.
Nach der Rückkehr recherchieren wir noch mit mäßigem Erfolg nach Campervans. Ein paar von den Suchergebnissen wollen wir uns morgen in Auckland anschauen.
Heute am 07.02. stehen die Besichtigungen der gestern online ins Auge gefassten Fahrzeuge an. Wayne erzählt auf der Fahrt, dass vor weniger als drei Wochen noch schlimme Unwetter über die Nordinsel gezogen sind, die unter anderem zu etlichen Erdrutschen geführt haben und mehrere Todesopfer gefordert haben. Auch in dem vom Haus nur 10 Kilometer Luftlinie entfernten Warkworth ist jemand weggespült worden und ertrunken. Innerhalb von 19 Stunden wurden vom Wetterdienst 18000 Blitze registriert. Windgeschwindigkeiten bis 135 km/h wurden gemessen und in Tauranga fielen innerhalb von 24 Stunden 274 mm Regen, der höchste Wert seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1910. Aktuell sind deshalb immer noch einige Straßen und Wanderwege gesperrt. Sogar ein ganzer Nationalpark, an dem wir vorbeifahren, ist gesperrt.
Man kann es sich kaum vorstellen, wenn man jetzt bei Sonnenschein hier durch die Gegend fährt. Von der Harbour Bridge hat man eine schöne Aussicht auf die Skyline von Auckland.
Die scheinbar beste Option bei den Campervan Angeboten entpuppt sich schon mal als Flop. Es geht niemand ans Telefon, geschweige denn das jemand zurückruft. Als wir an der Adresse des Händlers ankommen ist das Gelände geschlossen. Das, was da herumsteht, sieht aber auch nicht doll aus. Das nächste ist ein Privatverkauf in einer Wohngegend, aber bei dem Fahrzeug scheint die Bremse nicht ok zu sein und die Innenausstattung ist eher „geht so“. Bei einem anderen Händler steht ein Wagen, der einen Unfall hatte und noch hergerichtet werden müsste. Ein anderer wäre dort auch noch verfügbar, aber auch wenn der Händler sogar anbietet den Wagen nach der Reise wieder zurückzukaufen, überzeugt das Fahrzeug und dessen Innenausstattung auch nicht. Alle Möglichkeiten haben also nicht zum Erfolg geführt. Wir schauen uns noch etwas im Hafenbereich von Auckland um. Am Karanga Plaza Harbour Pool findet gerade ein Arschbomben-Qualifikationswettbewerb statt. Das nennt sich Z Manu World Champs. Manu ist eine traditionelle Sprungtechnik der Maori.
Wir fahren erneut nach Auckland, denn jeden Sonntag findet von 8 bis 13 Uhr auf dem Parkplatz 21 Alten Road die Auckland City Car Fair statt. Als wir an dem Parkplatz ankommen, sind wir positiv überrascht. Der Platz ist komplett gefüllt mit schätzungsweise 50 Campervans. So viel Angebot hatten wir gar nicht erwartet. Natürlich sind auch einige deutsche Verkäufer dabei. Die Preise sind überwiegend in der Größenordnung von 10000 ± 1000 NZD und teilweise ganz offensichtlich zu hoch. Einige Verkäufer machen einen eher genervten Eindruck. Vermutlich ist es nicht der erste Sonntag an dem sie versuchen ihren Camper loszuwerden. Während ich mich noch mit zwei jungen deutschen Frauen unterhalte, hat Wayne in einer Ecke des Platzes ein interessantes Fahrzeug von einem deutschen Paar aus Hamburg entdeckt. Es handelt sich um einen Toyota Wellfire, der sowohl aussen als auch innen einen guten Eindruck macht, weniger als 180000 km gelaufen hat. Auch der TÜV (WOF) ist noch gültig und die Zulassung als „self contained“ Camper ebenfalls. Nach einem kurzen Gespräch machen wir eine Probefahrt und werden uns dann schnell einig und vereinbaren einen Übergabetermin für morgen früh, bei dem dann die Formalitäten erledigt werden. Ein voller Erfolg, auch wenn es natürlich etwas blöd ist dafür ein weiteres Mal nach Auckland fahren zu müssen. Ich habe schon ein richtig schlechtes Gewissen wegen der ganzen Fahrerei und Zeit, die Wayne für mich opfert.
Bevor es wieder zurückgeht fahren wir von Auckland noch an die Westküste zum 40 Kilometer entfernten Piha Beach (circa 1 Stunde Fahrt vom Zentrum), einem sehr beliebten Strand in der Gegend. Es ist ein dunkler Strand mit Life Guard/Surf Rescue und dem markanten Lion Rock, der ein 16 Millionen Jahre alter Vulkanhals ist. Das Baden außerhalb des gekennzeichneten Bereiches ist aufgrund der starken Strömungen nicht ungefährlich. Etliche Leute sind hier schon ertrunken. Die Reality Serie Piha Rescue zeigt in diversen Episoden den Alltag der Retter am Piha Beach.
Wir treffen uns am 09.02. vormittags bei einem AA (Automobile Association) Office und in circa einer halben Stunde ist bereits alles erledigt. Das Fahrzeug ist jetzt auf mich zugelassen, der Käufer hat sein Geld. Erstaunlich wie unkompliziert und schnell so etwas funktionieren kann. Ich habe auch gleich noch eine Versicherung abgeschlossen, was in Neuseeland keine Pflicht ist. Man muss zwar erst den Jahresbeitrag für die Versicherung zahlen, aber bei Abmeldung des Fahrzeuges wird taggenau abrechnet und man bekommt den Rest erstattet.
Bei PAK’nSAVE tanke ich erstmal voll und kaufe Lebensmittel für die nächsten Tage ein. Es gibt in Neuseeland im Wesentlichen drei große Lebensmittelketten. Das sind PAK’nSAVE, Woolworths und New World. PAK’nSAVE ist mein Favorit, aber den gibt es nicht überall. Das Motto dort ist „New Zealand’s lowest food prices“.
Am Haus angekommen mache ich mich noch in Ruhe mit dem Auto vertraut und bereite alles vor für die Abfahrt. Die Ausstattung ist zwar nicht ganz so komfortabel wie die des Hiace auf Tasmanien, aber es ist wie es scheint alles vorhanden. Lediglich einen vernünftigen Klapptisch muss ich mir morgen noch im Baumarkt besorgen. Heute Abend ist erstmal die letzte Nacht in einem richtigen Bett. Die nächsten Wochen beschränkt sich mein Zuhause auf die wenigen Quadratmeter innerhalb des Autos.













