Cape Reinga

Ich verlasse die Tāwharanui Peninsula und fahre an der Westküste Richtung Norden. Ein erster kurzer Stopp ist gegen 11 Uhr am Goat Island Marine Reserve. Der Ort ist wohl gut zum Schnorcheln oder Tauchen und es werden viele Wassersportaktivitäten angeboten, sodass man auch locker den ganzen Tag hier verbringen könnte. Das Wetter ist jedoch heute nicht ganz so gut und es war auch nicht mein Plan hier viel Zeit zu verbringen, da ich sonst mein Tagesziel nicht erreiche.

Fast jeder Strand, wie auch der in Waipū Cove, hat einen Lifeguard, allerdings ist der bewachte Bereich zwischen den Flaggen auch sehr beschränkt.

Die Whangārei Falls liegen direkt an der Strecke und sind ganz schön anzusehen. Wenn man Lust hat, dann kann man dort auch noch einen knapp 5 Kilometer langen Rundweg gehen.

Meine erste Übernachtung ist am Woolley Bay Beach. Ein kleiner kostenloser Platz, von dem es nur ein paar Meter zum Strand sind. Das Wasser ist herrlich erfrischend.

Mit dem sogenannten Freedom Camping ist es allerdings nicht so, wie man es sich vielleicht vorstellt. Man darf nicht überall nach Lust und Laune übernachten. Wichtigste Voraussetzung ist ein „self contained“ Fahrzeug. Um die aktuelle grüne Plakette hierfür zu erhalten müssen bestimmte Dinge in Bezug auf Frischwasser, Abwasser und Toilette erfüllt sein. Stehen darf man nur an dafür ausgewiesenen Stellplätzen. Die kostenlose CamperMate-App, die ich bereits auf Tasmanien genutzt habe funktioniert auch in Neuseeland und zeigt neben kostenlosen und kostenpflichtigen Campingplätzen auch die Plätze wo man Wasser bekommen oder entsorgen kann, wo öffentliche Toiletten oder Duschen sind und vieles mehr. Es gibt auch noch die DOC campsites, die ebenfalls in der App angezeigt werden. Diese Plätze sind vom Department of Conservation und nicht kostenlos, dafür sind sie oft an besonders schönen Plätzen. Camped man irgendwo, wo es nicht erlaubt ist und wird dabei erwischt, dann kostet das in der Regel NZ$ 400 Strafe, das kann aber je nach Fall auch auf bis zu NZ$ 2400 ansteigen.



Ich habe gut geschlafen, aber morgens um 7 Uhr bin ich schon wach und die Sonne geht gerade hinter den Felsen, die im Wasser sind, auf. Gegen 9:30 Uhr mache ich mich wieder auf den Weg.

In Kawakawa lasse ich es mir nicht nehmen die öffentliche Hundertwasser Toilette auszuprobieren. Hundertwasser hat von 1975 bis zu seinem Tod in 2000 in der Nähe von Kawakawa gelebt und die Toilette wurde 1999 nach seinem Entwurf fertiggestellt. Sie ist seitdem nicht nur ein internationales Kunstobjekt, sondern auch die Touristenattraktion in dem Ort.

Auf meinem Weg zum Cape Reinga komme ich noch an den kleinen Haruru Falls vorbei.

An der Cable Bay genießen die Möwen den Ausblick auf das türkisblaue Meer.

Der Maori Name von Cape Reinga ist Te Rerenga Wairua. Die Maori glauben, dass an diesem Punkt die Seelen der Toten in die Unterwelt gelangen. Es ist der nordwestlichste Punkt Neuseelands, den man noch mit dem Auto erreichen kann. Der Leuchtturm ist 165 Meter über dem Meeresspiegel und seit 1941 in Betrieb. Alle 12 Sekunden gibt es ein Licht, dass bis zu 35 Kilometer weit zu sehen ist. Bis 1987 gab es noch einen Leuchtturmwärter, der hier auch gewohnt hat. Seit 2021 läuft der Leuchtturm vollautomatisch solarbetrieben mit LEDs. 6211 Kilometer sind es von hier zum Südpol. Das Wetter ist traumhaft. Es ist 25 °C warm und bei nahezu wolkenlosem Himmel ist es auch so gut wie windstill.

Auf halber Strecke zwischen dem Leuchtturm und dem Parkplatz zweigt der Te Araroa Trail ab. Am Eingang wird vor Zwischenfällen mit streunenden Hunden gewarnt, was mich etwas zögern lässt. Da ich auf dem Weg ganz allein unterwegs bin, suche ich mir lieber noch einen Stock, den ich gegebenenfalls zur Verteidigung einsetzen könnte. Ich gehe nur bis zu dem Punkt, wo der Weg zum Strand hinunterführt. Ein wirklich empfehlenswerter Abstecher.

Mein Campingplatz ist heute ein DOC Platz ganz in der Nähe des Leuchtturms in der Tapotupotu Bay. Um dorthin zu gelangen, geht es ein paar Kilometer auf einer Gravel Road runter an den Strand. Auf einem Schild sieht man, dass man dort voll im Tsunami Überschwemmungsbereich ist. Die online Bezahlung ist nicht möglich, da kein Handyempfang ist. Ich stelle mich trotzdem auf den Platz. Vielleicht kommt ja noch jemand zum Kassieren vorbei. Gegen 19 Uhr erfolgt eine plötzliche Attacke hunderter Minimücken. Leider sind auch unzählige im Van, da die Schiebetür auf war. Etwas später kommt kühlerer Wind auf und alle Mücken sind zum Glück wieder weg. Unglücklicherweise habe ich ein Fenster einen Spalt weit aufgelassen und Nachts um 4 Uhr sind wieder etliche Mücken im Auto. Nachdem ich alle erfolgreich getötet habe, kann ich wieder weiterschlafen.