Kia Ora

So ein Frühstück in der Natur mit Blick auf das Meer hat schon was. Kia Ora ist übrigens der traditionelle Gruß der Māori und dieser begegnet einem hier täglich überall, da er sowohl zur Begrüßung als auch zum Abschied in die Alltagssprache übernommen wurde.

Unweit von Cape Reinga sind die bis zu 150 Meter hohen Te Paki sand dunes, auch als Giant Sand Dunes bekannt. Mit 10 Kilometer Länge und 1 Kilometer Breite sind sie ein beliebter Spot zum Sandboarding. Direkt am Parkplatz kann man sich bei Bedarf ein Sandboard leihen. Das DOC warnt jedoch vor dem Sandboarden, da es dabei wohl schon häufiger zu Unfällen und sogar zu einem Todesfall gekommen ist. Viele haben ja keine Erfahrung und unterschätzen die Geschwindigkeit, die man dabei erreicht. Bis an diesem abgelegenen Ort Hilfe eintrifft, kann es ziemlich lange dauern. Oben auf der Düne herrscht ein heftiger Wind, sodass man dort gesandstrahlt wird. Der Weg die Düne hinunter ist auch ohne Sandboard ein Vergnügen. Da es aber ziemlich anstrengend ist in dem weichen Sand wieder nach oben zu gehen, belasse ich es bei einer „Abfahrt“.

Wenn man hier oben auf der Aupōuri Peninsula ist, dann sollte man es sich nicht entgehen lassen, an den Ninety Mile Beach zu fahren. Der Strand ist tatsächlich jedoch keine 90 Meilen, sondern „nur“ 55 Meilen (89 km) lang. Er gilt offiziell als öffentlicher Highway alternativ zum Highway 1. Google macht mir etwas Probleme, da es mich zu einem Weg führt, wo die Durchfahrt verboten ist. Das hat etliche Kilometer zusätzlich gekostet. Letztendlich finde ich aber einen Zugang und genieße es mit 100 km/h über diesen breiten, ebenen Strand zu rasen und auch den ein paar Donuts zu fahren. Ich frage einen Angler, ob es etwas weiter unten noch eine Ausfahrt gibt, aber er sagt mir, dass es dort empfehlenswert ist ein 4×4 Fahrzeug zu haben. Da ich keine Lust habe irgendwo stecken zu bleiben verlasse ich den Strand, nachdem ich meinen Spaß gehabt habe, wieder an der Stelle, an der ich hergekommen bin.

Die 2 Kilometer lange Überfahrt mit der Hokianga Vehicle Ferry nach Rawene soll für einen Campervan NZ$ 40 kosten. Das ist doppelt so viel, wie für ein gleich großes und gleich schweres Fahrzeug ohne Bett. Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Da die Fahrtzeit nach Opononi fast die gleiche ist, egal ob man Strecke mit oder ohne Fähre nimmt, nehme ich nicht die Fähre. Der Campingplatz, den ich mir in der App ausgesucht hatte, ist bedauerlicherweise nicht (mehr) vorhanden. Ich suche in der Nähe noch nach einer anderen offizieller Lösung. Ein Platz auf einer Koppel für NZ$ 20 die Nacht gäbe es noch, aber das sagt mir nicht zu. Letztendlich übernachte ich auf einem Parkplatz, der zwar nicht explizit für Freedom Camping ausgewiesen ist, auf dem aber schon zwei Camper stehen.
Bei Opo Takeaways bekommt man für kleines Geld etwas zu Essen. Ich habe nicht so viel Hunger und nehme nur eine Pommes für nur NZ$ 4.



Auch wenn ich zeitlich flexibel bin, so muss ich doch ganz grob sehen, dass ich mein Ziel Neuseeland von Nord nach Süd zu durchqueren in einem gewissen Zeitrahmen schaffe. Ich bin überrascht, dass allein der kleine Teil oberhalb von Auckland schon so viel zu bieten hat. Schon während des Frühstücks fängt es leicht an zu regnen. Heute werde ich dann wohl lediglich von Opononi nach Gulf Harbour fahren, ohne unterwegs noch irgendetwas zu besichtigen oder zu wandern. Die dunklen Wolken hängen tief und es regnet streckenweise ziemlich kräftig.

Der „Campingplatz“ beschränkt sich lediglich auf ein Teilstück eines Parkplatzes in der Marina von Gulf Harbour. Immerhin gibt es hier theoretisch direktem Blick aufs Meer, allerdings sieht man bei dem Regen fast nichts und der scheint gar nicht aufzuhören zu wollen. Ich bin quasi gefangen in meinem Van. Man hört auch den grollenden Donner eines Gewitters.

Die Wetter-App zeigt noch das große Regengebiet, dass Neuseeland heute komplett überquert hat, aber jetzt um kurz vor 21 Uhr scheint das Ende endlich fast erreicht. Man kann bereits wieder bis zum Horizont schauen und die untergegangene Sonne taucht den Himmel in ein zartes Rosa.
Heute habe ich bereits die ersten 1000 Kilometer seit der Übernahme des Wagens überschritten.



Heute geht es von Gulf Harbour durch Auckland nach Waiomu. So richtig gut ist das Wetter leider nicht. Es regnet immer wieder, allerdings nicht mehr so doll wie gestern. Gegen 15 Uhr erreiche ich Thames. Erneut einer dieser kleinen Orte, die scheinbar in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert steckengeblieben sind. Die Straße führt direkt am Meer entlang.

Gegen 16 Uhr erreiche ich den Campingplatz in Waiomu. Bedauerlicherweise habe ich die Blüte der Pōhutukawa Bäume, die auch als neuseeländische Weihnachtsbäume bekannt sind verpasst. Die Hauptblütezeit ist die zweite Dezemberhälfte. Auf der Wiese beim Campingplatz steht ein imposantes Exemplar davon mit dicken Bündeln aus Luftwurzeln, die die Krone stützen, sobald sie den Boden erreichen.
Bei den Maori gibt es die Legende, dass der Krieger Tawhaki, der bei seinem Versuch, im Himmel Hilfe zu finden, um den Tod seines Vaters zu rächen, auf die Erde fiel. Die purpurroten Blumen sollen sein Blut darstellen.


Nach all dem Regen gibt es um 20:10 Uhr einen schönen Sonnenuntergang, der bis 20:30 Uhr den Himmel in tollen Farben leuchten lässt. Etwas später am Abend wird es dann aber sehr windig und erneut regnerisch.

Heute habe ich auf dem Campingplatz das erste Mal die beiden Auffahrrampen genutzt, die im Wagen waren. Der Wagen sollte zum Schlafen möglichst gerade stehen, da man sonst zum Beispiel der Kopf tiefer liegt als die Füße und das ist ziemlich blöd. Der Vorbesitzer hat zwar auf die Mittelkonsole eine Kreiswasserwaage geklebt, die sehr dabei hilft schon beim Einparken eine möglichst gute Ausrichtung zu erzielen. Manchmal reicht das jedoch nicht aus.