Heute geht es Richtung Westen wieder zurück an die Küste, genauer gesagt nach New Plymouth. Als ich den Campingplatz im Wald verlasse, taucht schon bald der Kegel des 2291 Meter hohen Mount Ngauruhoe auf, der im Sommer Wanderer anzieht und im Winter oft komplett schneebedeckt ist. Auch wenn er durch seine Kegelform wie ein eigener Berg erscheint, so ist es doch „nur“ der zweite Schlot des Mount Tongariro. Im letzten Jahrhundert war er mit 45 Eruptionen der aktivste Vulkan des Landes. Die letzte nennenswerte Eruption gab es vor 50 Jahren (siehe Foto www.geonet.org.nz). Der Vulkan diente im Film „Herr der Ringe“ als Schicksalsberg (Mount Doom) in Mordor, dem Reich Saurons. Da gab’s natürlich nicht so herrlich blauen Himmel.
Südlich vom Mount Ngauruhoe sieht man schon von weitem die diversen Berge des Tongariro National Parks, die auch im Sommer teilweise schneebedeckt sind. Der 2797 Meter hohe Mount Ruapehu ist der aktivste Vulkan des Landes und der höchste Punkt der Nordinsel. Neben mehreren Gletschern gibt es auch ein 130 Meter dickes Eisfeld. Die letzte Eruption war 2007. Er bietet im Winter zwei ausgezeichnete Skigebiete (Whakapapa und Tūroa). Der Ort Whakapapa ist Ausgangspunkt für diverse Wanderungen.
Das große Hotel Chateau Tongariro ist seit 2023 dauerhaft geschlossen.
Weiter geht es bis Iwakau Village. Von November bis Ende April kann man für NZ$ 39 mit einer Seilbahn in 12 Minuten von 1630 auf 2020 Meter hoch fahren und bei Bedarf dort im höchsten Restaurant Neuseelands etwas essen (in der Wintersaison kostet es NZ$ 59). Die Vegetation hier oben ist sehr spärlich. Ich mache nur einen kleinen Walk zu Fuß zu Meads Wall, von wo man einen tollen Ausblick auf den Mount Ngauruhoe haben könnte. Leider verdeckt ihn jedoch ein Wolkenband. Es ist sehr windig und ziemlich frisch hier oben, wenn man wie ich nur sommerlich bekleidet ist. Hinter einem Felsen setzte ich mich geschützt in die Sonne und warte eine ganze Weile, ob eine kleine Lücke im Wolkenband den Blick preisgibt. Obwohl es manchmal so aussieht, als ob es gleich so weit wäre, schließt sich die Lücke bedauerlicherweise immer wieder und nur die Spitze ist zu sehen.
Richtung Westen geht es anschließend nach New Plymouth (Ngāmotu), wo ich heute übernachten werde. Der Platz ist an einem kleinen See am Stadtrand. Auf dem Weg dorthin diese schöne grüne Landschaft, durch die sich der Whanganui River schlängelt.
Die Fahrt führt mich auch durch den einspurigen Okau Tunnel von 1933, der scheinbar mitten durch die üppige Vegetation geht, vom Fels ist auf der Ostseite zumindest nichts zu sehen.
Wie der Mount Ngauruhoe gestern Morgen, präsentiert sich auch der 2518 Meter hohe Mount Taranaki im Egmont National Park (Te Papa-Kura-o-Taranaki) in seiner ganzen Schönheit. Der letzte Ausbruch war vor 371 Jahren. Aktuelle Forschungen haben festgestellt, dass es wohl circa alle 500 Jahre einen größeren Ausbruch gibt. Es bleibt also noch etwas Zeit bis zum nächsten Mal.
Ich fahre zum Visitor Center. Der Parkplatz ist sehr klein, aber obwohl es schon 11:15 Uhr ist habe ich Glück, dass gerade jemand wegfährt. Im Visitor Center bekommt man Informationen zur Wetterentwicklung im Verlauf des Tages und zu den verschiedenen Tracks, die man machen kann. Zur groben Orientierung kann man sich die Karte fotografieren, was gar nicht so einfach ist, da sie unter einer Glasscheibe liegt.
Die 12 Kilometer zum Gipfel werde ich nicht schaffen, da das circa 8 Stunden dauert und man schon gute Schuhe und Ausrüstung haben sollte. Ich gehe zunächst auf der Translator Road nach oben und dann auf dem Maketawa Track zurück. Das Wetter ist absolut fantastisch und der Weg nach oben ist, abgesehen davon, dass einige Abschnitte ziemlich steil sind, angenehm zu gehen. Die üppige Natur spendet gelegentlich auch etwas Schatten und begeistert mich mit ihrer Vielfalt.
Da wo die Abzweigung von der Translator Road zum Maketawa Track ist, wird der Weg extrem steil, was man auf dem Foto gar nicht sieht. Da muss man schon sehr gute Kondition haben, oder alle 10 Schritte eine kleine Atempause machen. Ich folge dem Weg nach oben für ein paar Minuten, genieße kurz den Ausblick und kehre dann um. Beim Weg nach unten kommt man zwar nicht aus der Puste, aber das geht ordentlich in die Waden und Knie.
Der Maketawa Track führt durch dichten Wald, wo alles dick mit Moos bewachsen ist. Gelegentlich gibt es an den Bäumen kleine bunte Schilder, damit man weiß, ob man noch auf dem richtigen Pfad ist. Nach circa drei Stunden komme ich wieder am Parkplatz an.
Gegen 15:30 Uhr mache ich mich auf den Weg zum Campingplatz am Waverley Beach. Ich bin noch etwas unschlüssig, ob ich es riskieren soll dort zu übernachten, da in den Kommentaren zu diesem Platz geschrieben wird, dass Fahrzeuge nachts mit Steinen beworfen wurden. Die Stellplätze sind oben auf der Steilküste direkt am Meer. Ein toller endloser, schwarzer Strand und der Ausblick überzeugen mich zu bleiben. Man kann Stundenlang am Strand spazieren gehen, ohne einer Menschenseele zu begegnen.
Ich hinterlasse noch ein vergängliches Kunstwerk aus Treibholz, bei dem sich der obere Teil im Wind dreht.
Gegen 19:30 Uhr werfen die Felsen schon sehr lange Schatten. Eine Gruppe Locals feiert unten am Strand noch etwas mit Barbecue und allem drum und dran.





















