Kaikōura

Wenn man morgens aus dem Auto kommt, dann ist es schon recht frisch. Man merkt schon einen Unterschied zur Nordinsel. Um 7:30 Uhr kommt jedoch rechtzeitig zum Frühstück die Sonne wärmend über die Landzunge. Eine Möwe hat sich auch schon eingefunden und wartet auf einen Moment, in dem der Tisch unbeobachtet ist.

Ich fahre heute auf dem State Highway 1 an der Küste Richtung Süden bis Kaikōura. Von Blenheim bis zur Ōkiwi Bay ist kein Zugang zum Strand möglich, da zwischen dem Highway und dem Strand Bahnschienen verlaufen. Erst ab hier verläuft die Schiene hinter der Straße. Der Strand in der Ōkiwi Bay würde in einem Reisekatalog vermutlich als „Naturstrand“ angepriesen werden. Die Sandstrände hier im Nordosten der Südinsel sind alle anthrazitfarben.

Einige Seebären, die hier Fur Seal genannt werden, liegen faul auf den Steinen in der Sonne. Die vom Fett im Fell der Tiere braun verfärbten Steine sind offensichtlich auch beliebte Ruheplätze.

Perfekt für einen Mittagssnack komme ich um kurz vor 12 Uhr zu Nins Bin. Diesen kultigen Imbiss gibt es an der Stelle bereits seit November 1977. Neben Fish and Chips und Muscheln ist auch der Crayfish (Kōura) sehr beliebt. Das ist im Prinzip wie ein Hummer, jedoch ohne Scheren. Auf der Speisekarte steht er kalt mit Zitrone oder warm mit Knoblauchbutter. Preislich landet man da aber meist im dreistelligen Bereich. Auch die Pāua, eine heimische Meeresschnecke, die außerhalb von Neuseeland besser als Abalone bekannt ist, kann man hier bestellen. Wenn man draußen isst, dann muss man natürlich auf die Möwen aufpassen, die überall auf die Gelegenheit warten etwas vom Essen zu stibitzen.

Gegen 13 Uhr komme ich in Kaikoura an und fahre dort erstmal zu der Peninsula, wo es auch eine Seebärenkolonie gibt. Der Wanderweg lässt für jeden Geschmack viele Möglichkeiten zu. Man kann sowohl unten am Wasser, als auch oben auf der Steilküste gehen. Der komplette Rundkurs ist etwas über 10 Kilometer lang. Ich gehe am Wasser bis zum Seal beach und dann oben auf der Steilküste zurück. Das sind 4 Kilometer.

Algen, die an Perlenketten erinnern, bedecken teilweise den Boden in den jetzt bei Ebbe trocken gelegten Bereichen.

Am Seal Beach sind sehr viele Seebären. Da sie ja vorwiegend nachts jagen, liegen die erwachsenen Tiere größtenteils faul in der Sonne, während die ganzen Jungtiere im Wasser toben. Die meisten davon sind erst circa 2 Monate alt, da sie noch das lange schwarze Fell haben, dass nicht wasserdicht ist. Erst nach dem ersten Fellwechsel können sie mit ihrer Mutter hinaus ins offene Meer. Man muss aufpassen, dass man nicht aus Versehen einem der erwachsenen Tiere zu nahe kommt, denn manchmal liegen die in irgendwelchen Mulden und sind dort erst spät zu sehen.

Beeindruckend finde ich die wellenförmigen Gesteinsschichten. Ich habe aber keine Ahnung, ob das tektonische Faltungen sind, oder ob etwas anderes dazu geführt hat.

Auch ein Pärchen der endemischen Paradise shelduck (Pūtangitangi) ruht sich hier aus. Hat sich ein Paar gefunden, dann bleiben sie ein lebenslang zusammen. Überwiegend ist es ja in der Tierwelt so, dass die Weibchen eher unauffällig sind, aber hier ist das Weibchen die mit dem weißen Kopf. Die Möwen sehen, wie ich finde, genauso aus wie die zu Hause.

Am Abend treibt der Farmer die kleine Schafherde auf der Straße entlang. Vermutlich geht es zu ihrem Schlafplatz.

Der Bereich für Freedom Camping ist sehr klein. Lediglich 6 Parkplätze nebeneinander, die zudem auch noch bis morgens um 7 Uhr verlassen werden müssen. Es ist aber schön ruhig und mit Blick aufs Meer. Abends kommt sogar jemand von der Gemeinde und kontrolliert, ob auch alle eine gültige Self-Contained Plakette haben.
Nach den schlechten Erfahrungen mit der Fähre kümmere ich mich bereits heute um die Rückfahrt, auch wenn es mich ärgert, dass ich damit jetzt schon das Ende meines Aufenthaltes auf der Südinsel festlegen muss. Statt der NZ$ 411 für die Hinfahrt kostet die Rückfahrt „nur“ NZ$.



Da der Platz ja bis 7 Uhr geräumt werden muss, bin ich schon etwas vorher wach und erlebe diesen Sonnenaufgang. Wenn ich das auf einem Foto sehen würde, dann würde ich denken, dass da jemand farblich nachgeholfen hat. Nun hab ich es aber in echt gesehen und so einen intensiv roten Himmel sieht man nicht alle Tage. Der Platz wo ich frühstücke, ist nur einen Kilometer entfernt. Da gerade vor einer Stunde Niedrigwasser war, ist das Meer zwar ziemlich weit weg, aber der Platz ist genau in Richtung der aufgehenden Sonne ausgerichtet.

Im Ort gibt es viele Geschäfte und Restaurants und auch ein paar Wände mit Street-Art.

Anschließend gehe ich auf gut Glück an der Promenade zu Seal Swim Kaikōura. Ich habe Glück und in wenigen Minuten startet eine Tour und es ist auch noch ein Platz frei. Da die Wassertemperatur hier im Sommer nur zwischen 15 °C und 19 °C liegt, heißt es nach einem kurzen Briefing ab in den Neoprenanzug. Ein paar Minuten fahren wir dann noch mit dem Van bis zu der Stelle, an der das Boot startet. Um 11:30 Uhr geht es dann los.

Nach einer viertel Stunde sind wir dann an der Seebärenkolonie und es ist einen kurzen Moment ziemlich kalt, als das Wasser in den Neoprenanzug läuft. Während die Seebären an Land sehr territorial sind, und ihren Liegeplatz verteidigen, wenn man ihnen zu nahe kommt, so sehen sie uns im Wasser nicht als Gefahr oder Rivalen. Zunächst sind nur ein paar Tiere im Wasser, aber als die Sonne mehr und mehr durchbricht werden es deutlich mehr. Die Männchen bringen bei bis zu 2 Meter Körperlänge durchschnittlich 125 kg auf die Waage, während die Weibchen bei 1,5 Meter Körperlänge nur 30 bis 50 kg wiegen. Da meine Hülle defekt ist, habe ich leider nichts dabei um unter Wasser zu fotografieren oder zu filmen. Es ist ein fantastisches Erlebnis mitten unter den Tieren in ihrem Element zu sein. An Land haben sie ja nur kleine Augenschlitze, aber unter Wasser sind die Augen wirklich groß wie Golfbälle. Neugierig schwimmen sie um uns herum und beäugen uns. Mit einer kleinen Bewegung beschleunigen sie und schießen förmlich an einem vorbei. Im Wasser sind sie bis zu 25 km/h schnell, aber dadurch das sie, abweichend zu anderen Robben, ihre Hinterflossen nach vorne drehen können, sind sie auch an Land bis zu 20 km/h schnell. Manche „hängen“ auch kopfüber im Wasser und schauen sich alles in Ruhe an, wobei die hinteren Flossen aus dem Wasser schauen. Die New Zealand fur seal/kekeno tauchen tiefer und länger als alle anderen Arten. Weibchen tauchen teilweise bis zu 300 Meter tief für 11 Minuten und die Männchen bis zu 380 Meter tief für 15 Minuten. In Bezug auf die Ohren, die drehbaren Hinterflossen und die Statur sind die Seebären sehr ähnlich zu den Galápagos Seelöwen. Das war auf jeden Fall ein tolles Erlebnis.
Auf dem Rückweg sehe ich von der Promenade aus noch wie circa 100 Meter vom Strand entfernt eine Frau auf einem SUP und ein Mann im Kayak von einer Delphinschule aus geschätzt 30 bis 50 Tieren umkreist werden. Was für ein Erlebnis für die beiden. Am Anfang legt die Frau sich lieber aufs Brett, weil es ihr wohl etwas unheimlich ist, dass die Delphine in so einem engen Kreis um sie herum schwimmen. Da das ganze sehr dynamisch ist, sieht man auf den Fotos nicht so viele Delphine. Danach springen sie noch ausgelassen durch die Luft, bevor sie wieder verschwinden. Damit aber noch nicht genug, denn man kann auch Wale in der Bucht schwimmen und abblasen sehen. Ist also ganz schön was los hier.

Auch etwas südlich von Kaikōura am Oaro Beach sehe ich von der Straße eine noch größere Delphinschule. Leider nieselt es bereits etwas und die Sicht ist etwas getrübt. Manchmal springt auch eine Gruppe gleichzeitig aus dem Wasser. Das muss doch vorher abgesprochen sein. Wirklich beeindruckend. Zum Schluss schwimmen noch ein paar Tiere nur ein paar Meter vom Strand entfernt entlang. Ich glaube, die haben Spaß, denn so viele Sprünge teils mit Salto und Schraube macht man ja nicht, weil man schlecht gelaunt ist. 🙂

Nachmittags zieht es zu und Nieselregen setzt ein. Ich werde noch eine Nacht in Kaikōura bleiben. Da man nur eine Nacht pro Monat auf den Freedom Camping Stellplätzen stehen darf, fahre ich zu einem anderen Platz, der fußläufig zum Stadtzentrum ist. Somit bleibt heute die Küche im Camper kalt und ich esse etwas im Restaurant und genieße ein Pint frisch gezapftes Bier.