Die Nacht war mal wieder recht frisch im einstelligen Bereich. Ich warte noch im Auto bis die Sonne gleich gegen 7:30 Uhr über die Hügel schaut und etwas Wärme bringt.
Als ich ein paar Kilometer weiter einen Aussichtspunkt ansteuern will, komme ich in dichten Nebel. Ich muss dort eine ganze Weile warten bis der Nebel langsam wieder den Blick auf die Umgebung und das Ōtira Viaduct freigibt.
Mit dem Verschwinden des Nebels tauchen am Parkplatz, auch ein paar Keas auf. Die großen Papageien gibt es nur in den bewaldeten, alpinen Regionen der Südinsel. Es sind unglaublich intelligente und neugierige Vögel, die, wenn man nicht aufpasst, mit ihrem großen, kräftigen Schnabel gern auch mal irgendwelche Gummi- oder Plastikteile am Auto zerstören. Einer landet erstmal auf meinem Außenspiegel und inspiziert das Innere des Wagens, Einer turnt auf dem Dach herum und sucht mit sein Schnabel irgendetwas das er anknabbern kann. Selbst als ich einen von Ihnen am Boden fotografieren will, kommt er ganz nah und checkt mit dem Schnabel die Kamera.
Erst im Flug wird das leuchtend orange Gefieder auf dem Rücken und unter den Flügeln sichtbar. Hier oben sind gute Aufwinde und die bis zu 1 kg schweren Papageien gleiten majestätisch durch die Lüfte.
Auch eine flugunfähige Weka oder Māori hen sucht die Gegend nach etwas Fressbarem ab. Sie sind auch bekannt glänzende Objekte oder Essen von Campern zu stehlen. Mit den Keas versteht sie sich nicht besonders gut.
Ich überquere den Ōtira River. Etwas östlich von Graymouth / Māwhera ist eine Gedenkstätte an das Brunner Mine Disaster bei dem 1896 bei einer Explosion alle 65 Bergbauarbeiter unter Tage ums Leben kamen. Über die Holzbrücke gelangt man zu den oberirdischen Resten der alten Mine.
In Greymouth / Māwhera, der größten Stadt der Region (8600 Einwohner), tanke ich voll und kaufe ein. Für nur NZ$ 5 kaufe ich mir auch ein Ticket für das Westland Recreation Centre. In erster Linie möchte ich dort mal wieder heiß duschen, aber das Ticket beinhaltet auch die Nutzung von Swimming Pools, Hot Tub und Sauna.
Der erste Campingplatz, den ich ansteuere, ist mal wieder nichts, da die Stellplätze sehr eng sind und man keinerlei Aussicht hat. Mein Quartier ist dann mal wieder an einem See, und zwar am Lake Brunner / Kōtuku Moana, dem größten See der West Coast Region. Es ist nicht so ganz klar, wo man mit dem Auto stehen darf und wo nicht. Ich nehme Abstand davon auf der großen Koppel zu parken, da ich befürchte, in dem aufgeweichten Boden über Nacht einzusinken und dann stecken zu bleiben. Ein Stückchen vor mir steht noch ein etwas älterer Campervan und ich sehe, dass bei dem rechten Rad der Hinterachse etwas komisch aussieht. Bei näherem Hinsehen stellt sich heraus, das die Stoßdämpferaufnahme abgerissen ist und der Dämpfer lose herunterhängt. Der Fahrer ist ein junger Deutscher, für den hier erstmal Schluss ist mit fahren. Er hat Glück, dass er noch heil hier hergekommen ist. Da hier kein Handyempfang ist, wird er morgen früh von der Lodge den Pannendienst anrufen.
Überall in Neuseeland sieht man diese Gespinste in den Sträuchern. Selbst bei näherem Hinsehen konnte ich jedoch nie den Besitzer oder Bauherren sehen. Laut Internet ist das wohl das Nest der endemischen Nursery Web Spider, die nicht nur an Land, sondern auch auf dem Wasser zu Hause ist. Das Gespinst dient als Schutz für den Nachwuchs der 18–25 mm großen Spinne.
Bei der Zikade handelt es sich wohl um die Chorus Cicada mit einer Flügelspannweite bis zu 80 mm. Mit 80 bis 120 dBA ist sie auch die lauteste.
Vom Stellplatz aus kann man auf einem schönen Wanderweg am See entlang gehen oder durch den Wald zu einem 30 Meter hohen Wasserfall des Carew Creeks. Auf dem Weg dorthin soll man bei Dunkelheit auch Glowworms sehen können. Das sind die biolumineszenten Larven der Trauermücke, die man nur in Neuseeland sehen kann.
Leider fängt es am Abend mal wieder an zu regnen und es ist auch recht stürmisch, sodass die kleine Wanderung zu den Glowworms leider ausfällt.

















