Franz Josef

Der Regen hat zum Glück aufgehört und es wieder fast wolkenloser Himmel. Da man sich ja, wie bereits erwähnt, abends immer recht früh schlafen legt, bin ich mal wieder kurz vor Sonnenaufgang wach. Es ist eine schöne Zeit, dann wenn auch der Tag langsam erwacht. Gegen 9:30 Uhr mache ich mich auf den Weg, denn mittlerweile nerven die Sandfliegen und es ist auch sehr windig geworden.
Besonders hier auf der Südinsel sind die kleinen Mistviecher ein richtiges Problem. Die circa 2 mm großen Weibchen der Fliege bevorzugen menschliches Blut für ihre Nachkommen. Von den drei vorkommenden Arten ist es nur die Black Fly / Namu, die Menschen attackiert. Es sind dann auch nicht 4 oder 5 Stück, sondern unzählige der Plagegeister. Die Stiche jucken tagelang ganz schrecklich und es kostet Disziplin nicht alles aufzukratzen. Man müsste ununterbrochen in Bewegung bleiben, um ihren Attacken zu entgehen. Bleibt man aber zum Beispiel für ein Foto nur ein paar Sekunden stehen, dann haben schon wieder etliche für eine Mahlzeit Platz genommen. Manchmal sieht man auch Touristen, die von Kopf bis Fuß bekleidet sind und nur einen kleinen Sehschlitz frei gelassen haben. Sobald jedoch irgendwo ein kleiner Spalt den Zugang zur Haut ermöglicht, dann kann man sich sicher sein, dass die Fliegen ihn finden. Bei mir hat es ganz gut geholfen die freien Hautstellen, außer dem Gesicht, mit DEET Mückenmittel einzureiben. Da muss man halt abwägen, was das geringere Übel ist. Zum Glück ist die Plage nicht jederzeit überall gleich schlimm. Je nach Ort und Wetter sind es wenige oder unzählige. In manchen Kommentaren werden Orte als ganz schlimm beschrieben, wo es an einem anderen Tag nicht nennenswert ist.

Auch am Strand von Hokitika ist sehr viel Treibholz zu finden, sodass man jedes Jahr Ende Januar ein Driftwood $ Sand Festival veranstaltet, bei dem die besten Skulpturen aus dem Treibholz gewählt werden.

Der hölzerne Leuchtturm von 1879, dessen tragende Rahmenkonstruktion noch aus Kauri Holz gebaut wurde, kann nur von außen besichtigt werden.

Von der Brücke über den Wanganui River, der aktuell, wie die meisten Flüsse, nur sehr wenig Wasser führt, hat man einen tollen Ausblick. Das Wasser aus den Gletschern enthält viele abgeriebene Gesteinspartikel und hat dadurch diesen intensiven Farbton.

Ich erreiche gegen 14 Uhr den Ort Franz Josef / Waiau. 1860 wurde der Gletscher hier von dem Deutschen Julius von Haast zu Ehren von Franz Joseph I, Kaiser von Österreich und König von Ungarn, benannt. Im Anschluss daran wurde der Ort nach dem Gletscher benannt. Es versteht sich von selbst, dass der Ort sehr touristisch ist und jede Menge Touranbieter versuchen ein gutes Geschäft zu machen. Sehr beliebt scheinen die Helikopterflüge zum Gletscher zu sein. Man kann einen kurzen Flug mit kurzer Landung buchen oder den Flug mit Landung und Wanderung auf dem Gletscher oder einen Fallschirmsprung über dem Gletscher und vieles mehr. Der 25-minütige Flug über den Gletscher mit 10-minütiger Landung im Schnee kostet allerdings auch stolze NZ$ 385 (192 €). Je nach Tour geht das dann rauf bis NZ$ 1000. Die diversen Veranstalter bieten quasi alle das Gleiche zum gleichen Preis an, aber das ist bestimmt „nicht“ untereinander abgesprochen. 🙁

Ich hätte besser in Hokitika nochmal vollgetankt, denn hier kostet der Liter über NZ$ 3 und bis zum nächsten „normalen“ Ort mit Tankstelle werde ich nicht mehr kommen, ohne zumindest etwas nachzutanken. Es geht natürlich vielen so, dass sie hier tanken müssen, egal was es kostet. Wer möchte schon irgendwo im Nichts mit leerem Tank liegenbleiben.

Über den Callery Gorge Walk gelangt man zum Gletscherfluss, über den eine Hängebrücke führt.

Auch hier wieder das gleiche Bild. Ein kleiner Bach schlängelt sich durch das Flussbett, dass ganz offensichtlich zu einem breiten Fluss gehört. Am höchsten sind die Wasserstände wohl während der Schneeschmelze zwischen Oktober und Dezember.

Ich buche mir spontan für NZ$ 25 (13 €) einen Non-Powered Platz auf dem Orange Sheep Campervan Park direkt im Ort. Der Platz ist sehr verwinkelt und bietet eine Vielzahl von Stellplätzen zur freien Wahl. Viele Stellplätze sind komplett umgeben von üppigem Bewuchs und bei einigen ist es ein bisschen eng zum Rangieren. Es ist auch mal sehr angenehm heiße Duschen, vernünftige Toiletten, Küche, Trinkwasser, Abwasser etc. und sogar WiFi inklusive zu haben.