Wānaka

Morgens, während die meisten noch schlafen, sind bereits etliche Keas auf dem Platz unterwegs. Einige von Ihnen sind auf den Dächern der Motorhomes und versuchen die Dichtungen der Dachfenster herauszureißen, oder einfach nur Löchern hineinzubeißen. Auf der Wiese bei den Zelten machen sie kein dummes Zeug. Hier am See ist es neblig heute Morgen. Ich mache mich früh auf den Weg, da ich ja ohne Reservierung hier bin. Am Knights Point Lookout ist ein ruhiger Platz ohne Nebel zum Frühstücken.

Auf dem State Highway 6 geht es nun Richtung Süden. Ein letzter Blick zurück über die Graslandschaft auf die schneebedeckten Gletscherberge.

Die knapp 100 Meter hohen Thunder Creek Falls sind direkt an der Straße. Kurz danach verlässt man die West Coast Region und gelangt über den Haast Pass / Tioripatea in die Otago Region. Der Pass, der nach einem in Deutschland geborenen Entdecker benannt wurde, ist mit 562 Metern der niedrigste Pass, über den man die Southern Alps überqueren kann.

Die Blue Pools des Makarora River erreicht man nach einer knapp 1,5 Kilometer langen Wanderung. Das Gletscherwasser ist glasklar und hat eine tolle Farbe. Ein paar Mutige gehen sogar ins Wasser. Überwiegend allerdings nur einmal kurz für ein Foto eintauchen und dann schnell wieder raus.

Gegen 12:15 Uhr erreiche ich den Lake Wānaka. Mit 198 km² ist es der viertgrößte See Neuseelands. Er ist maximal 42 Kilometer lang, bis zu 10 Kilometer breit, 311 Meter tief und liegt 300 Meter über dem Meeresspiegel. Er war auch Schauplatz in „Herr der Ringe“, „Der Hobbit“ und anderen Filmen.

Direkt angrenzend ist parallel angeordnet der ebenfalls sehr große Lake Hāwea, dessen Wasserstand zur Erzeugung elektrischer Energie bei Bedarf mittels Schleusen um ein paar Meter abgelassen werden kann.

Wānaka ist eine nette kleine Stadt. Nach Greymouth der erste Ort, wo man wieder die Vorräte auffüllen kann. Es ist so sommerlich warm, dass ich noch ein erfrischendes Bad im See nehme.
Erst im Nachhinein habe ich von dem ikonischen „That Wānaka Tree“ gelesen. Vor mehr als 80 Jahren hat jemand einen Zaunpfahl in den Boden gerammt, der dann gewurzelt hat. Die Weide steht heute mitten im Wasser, ohne dass es ihr etwas ausmacht. Nachdem 2014 ein Fotograf den Baum bekannt gemacht hat, ist es nun der meistfotografierte Baum des Landes, aber leider nicht von mir.

Übernachten werde ich heute am Ufer des zweitlängsten Flusses des Landes, dem Clutha River / Mata-Au. Vom Lake Wānaka fließt er südöstlich bis er nach 338 Kilometer im Pazifik mündet. Mit den zwei Kraftwerken im Fluss werden 22 % des Energiebedarfs der Südinsel erzeugt. In diesem Bereich ist der Fluss zu dem circa 10 Kilometer langen und knapp 1 Kilometer breiten See Lake Dunstan aufgestaut. Der Stellplatz ist zwar dicht an der Straße, aber nachts ist dort kein Verkehr und erfreulicherweise sind hier keine Sandfliegen.