Milford Sound

Ich habe mir vorab gar kein Ticket für Miflord Sound / Piopiotahi gekauft und bin etwas unsicher, ob ich vor Ort noch eines bekommen werde. Deshalb bin ich schon um 7 Uhr ohne zu frühstücken losgefahren. Es ist noch dunkel, da erst in einer halben Stunde die Sonne aufgeht. Laut Wetterapp sind es 7° C. Überraschenderweise ist es ein ganzer Konvoi, der um diese Zeit im Scheinwerferlicht durch den Wald fährt. Ungefähr 50 Minuten Fahrt sind es bis zum Visitor Terminal. Da ich um kurz vor 8 Uhr ankomme, gibt es kurz davor auf dem kostenlosen Parkplatz noch einige freie Plätze. Von dort muss man allerdings noch 1,5 Kilometer, also eine knappe halbe Stunde, zu Fuß gehen. Da das Wetter wie vorhergesagt gut ist und die anderen Parkplätze NZ$ 10 die Stunde kosten nehme ich das gerne in Kauf. Direkt beim Parkplatz ist auch ein Flughafen. Wer es sich leisten kann bzw. gönnen möchte, der kann zum Beispiel für NZ$ 749 (inkl. Boat Cruise) direkt von Queenstown hierher fliegen. Auch 15-minütige Helikopterflüge für NZ$ 445 sind im Angebot. Im Visitor Center gibt es verschiedene Anbieter für die Bootstour. Ich kaufe mir bei Mitre für NZ$ 169 ein Bootsticket für die zweistündige Tour, da mir die kleinen Boote mit vielen Außenplätzen besser gefallen. Start wäre eigentlich in wenigen Minuten um 8:50 Uhr, aber während ich auf dem Steg warte und in den Milford Sound hineinschaue, entscheide ich mich spontan um und lasse mein Ticket auf 11:10 Uhr ändern. Bei der frühen Tour ist es nicht nur ziemlich frisch, sondern die Sonne steht auch noch so tief, das die Berge die meiste Zeit im Schatten sein werden. Somit habe ich dann außerdem noch genug Zeit am Auto in Ruhe zu frühstücken. Die Sandfliegen am Parkplatz nerven dabei allerdings ziemlich.

© OpenStreetMap-Mitwirkende

Um kurz vor 11 Uhr kommt unser Boot mit den Gästen der ersten Tour wieder zurück. Es geht pünktlich los und unmittelbar hinter den Bäumen, die man auf dem Bild sieht, ist schon der erste Wasserfall, der Bowen Fall, zu sehen. Aus 162 Meter Höhe stürzt hier das Wasser tosend hinab.

Ein paar Seelöwen wärmen sich in der Sonne auf und lassen sich dabei auch nicht von dem Boot stören.

Überall stürzt das Wasser hinunter in den Fjord, was bei dem Sonnenschein zu schönen Regenbögen führt, teilweise sogar doppelte.

Die Fahrt geht noch etwas über das Ende des Fjords hinaus. Auf Höhe des St. Anne Points zeigt die Tasmanische See ein bisschen was sie kann. Es ist relativ plötzlich extrem windig und auch das bisher eher ruhige Wasser bringt das Schiff nun ordentlich zum Schaukeln.

Während auf der Hinfahrt die rechte Seite noch überwiegend im Schatten war, steht jetzt auf der Rückfahrt die Sonne so hoch, dass es auch hier heller ist.

Es gibt unterwegs von einem Parkplatz noch einen kurzen Walk durch den Regenwald zum Wasserfall The Chasm. Man sieht eigentlich verhältnismäßig wenig Vögel, wenn man in der Natur unterwegs ist, aber der niedliche, kleine Fantail/pīwakawaka, der seinen Schwanz fächerförmig aufstellt, ist immer wieder mal zu sehen. In der Māori Mythologie hat er allerdings nicht so eine gute Bedeutung, denn er soll dort für die Existenz des Todes in der Welt verantwortlich sein.

Bis Te Anau gibt es nur die eine Straße, den State Highway 94. Heute Morgen im Dunkeln habe ich ja gar nichts von der Umgebung gesehen, insofern ist der Rückweg für mich, als wenn ich das erste Mal hier lang fahre. Meist geht es zwischen den imposanten Felswänden durch die Ebene. Nur an einer Stelle musste ein Tunnel gebaut werden. Der 1953 nach 20 Jahren Bauzeit eröffnete Homer Tunnel ist 1270 Meter lang. Er macht nicht gerade den modernsten Eindruck und man ist froh, wenn man am anderen Ende wieder herauskommt. Die Durchfahrt ist ja einspurig und über Ampeln geregelt. Witzig ist, dass dort wo man an der roten Ampel warten muss überall absolutes Halteverbot wegen Steinschlaggefahr ist.
Aktuell kommen in diese abgelegene Gegend über eine Million Besucher jährlich. Zu bestimmten Zeiten sind es bis zu 4000 Touristen pro Tag. Das bringt natürlich eine Menge Geld in die Gemeindekassen, belastet aber auch die Infrastruktur und Umwelt, sodass man hier zukünftig als Tourist vermutlich eine Eintrittsgebühr bezahlen muss.

Die DOC Campingplätze, die ich mir unterwegs anschaue, sind alle mies, daher buche ich mir eine Nacht auf einem privaten Campground etwas außerhalb von Te Anau. Während die Sonne langsam untergeht, wird es echt frisch und es macht keinen Spaß mehr draußen zu sitzen.