Clutha

Zum Frühstück leisten mir mal wieder etliche Enten Gesellschaft und ich spendiere ihnen ein paar Haferflocken. Ich entscheide mich noch einen Tag in der Gegend von Queenstown zu bleiben und werde heute Abend das erste Mal auf meinem Roadtrip an einem Ort eine zweite Nacht verbringen. Der fantastische Ausblick und die Ruhe am Moke Lake haben ihren Teil zur Entscheidung beigetragen.

Da auf dem Platz ja kein Netz ist, buche ich diesmal bereits in Queenstown online. Ein toller Aussichtspunkt, von dem ich vor Ort leider noch nichts wusste, ist der am Stadtrand gelegene Bob’s Peak. Man kann sowohl zu Fuß hochgehen (3 km, 400 Höhenmeter), oder sich für NZ$ 69 mit der Skyline Gondola fahren lassen.
Beim Kontrollieren des Ölstandes stelle ich fest, dass dieser kurz vor Minimum ist. Erstaunlich finde ich, dass die bei Repco, dem größten Autoteile und Zubehör Händler des Landes, über das Kennzeichen sehen können, welches Auto man hat und was dafür empfohlen wird. Das ist sehr praktisch, so etwas würde aber in Deutschland am Datenschutz scheitern.
Bevor ich zum Campingplatz zurückkehre, wandere ich am frühen Nachmittag den 6,4 Kilometer langen Mount Crichton Loop Track. Mitten im Wald beim Twelve Mile Creek ist eine Hütte, die der Goldgräber Sam Summers in den 1930er Jahren dort gebaut hat. Es gibt auch noch andere Spuren aus der Goldgräberzeit, wie den 24 Meter langen und maximal einen Meter breiten „Tunnel“, der wohl zum Auswaschen von goldhaltigem Kies erforderlich war. Was für eine Arbeit, den in Handarbeit in den Fels zu hauen.

Gegen 17 Uhr erreiche ich den Campingplatz. Dort gibt es auch noch einen 6 Kilometer langen Wanderweg rund um den See. In der Zeit, in der ich einmal um den See wandere, begegnet mir dreimal ein Läufer. Ich bin beeindruckt von seiner sportlichen Leistung.



Es ist toll anzusehen, wie die Sonne langsam von oben nach unten die Hügel in ein sattes goldgelb eintaucht.

Eine lange Fahrt von Queenstown an die Ostküste steht heute an. Landschaftlich gibt es zwar keine Highlights, aber es ist auch nicht so langweilig wie im Süden. Hier und da mache ich einen kurzen Stopp. In Roxburgh bei dem kleinen, unauffälligen Laden Jimmy’s Pies kaufe ich mir einen leckeren Veggie Pie für nur NZ$ 5,50. Es gibt 20 verschieden Sorten dort. Der Preis ist unschlagbar und er schmeckt so gut, dass ich nochmal zurückgehe und mir noch einen für später mitnehme.
Übernachten werde ich heute in Toko Mouth. Das ist noch nicht einmal ein Ort, sondern nur eine Ansiedlung von Ferienhäusern, von denen ein paar permanent von Einheimischen bewohnt sind. Die Fackellilien, die man hier häufiger sieht, tragen ihren Namen zu Recht.

Der Measly Beach ist ein langer, einsamer Strand mit vielen Pinguinspuren. Ich gehe extra am Abend nochmal hin, aber auch als es schon fast ganz dunkel ist, kommt wieder mal keiner aus dem Meer zurück.

Bis abends bleibt es angenehm warm im Vergleich zur letzten Zeit. Am Nachmittag waren es sogar noch 25° C im Schatten.



Es regnet etwas und so ist es bereits 10 Uhr als ich den Platz verlasse. Zunächst fahre ich an der Küste noch etwas weiter Richtung Süden. In der Hoffnung am Kākā Point die gleichnamigen Papageien zu sehen lege ich dort einen Stopp ein, aber ich habe keinen Erfolg. Ich weiß allerdings auch gar nicht, ob hier Kākās zu Hause sind, oder ob man den Ort einfach nur so genannt hat.
Auf der Wangaloa Road in der Kaitangata Conservation Area macht sich gerade jemand, vermutlich eine Sumpfweihe (Kāhu), über ein frisch überfahrenes Opossum her. Dazu muss aber erstmal das flauschige Fell gerupft werden, bevor man an das Fleisch kommt. Der Kāhu wird leicht mit dem Kārearea (Maorifalke) verwechselt, der auf der Rückseite der aktuellen NZ$ 20 Banknote abgebildet. Ganz sicher bin ich mir auch nicht, worum es sich hier handelt.

Auf einer kleinen Landzunge steht einen knappen Kilometer von Parkplatz entfernt das kleine Nugget Point Lighthouse, das in 76 Meter Höhe die Schiffe vor der Gefahr der „Nuggets“, den scheinbar zufällig ins Meer geworfenen Felsen, warnt.

In der Roaring Bay steht ein kleines Haus, von dem man Ausschau halten kann nach Pinguinen, See-Elefanten, Walen und anderen Tieren. Leider lässt sich um die Mittagszeit niemand blicken.

Eine traurige Nachricht hängt hier auch aus, nämlich dass die Pinguine, deren Futtergebiet sich mit dem Gebiet der Fischer überlappt, den „Kampf“ verloren haben. Kaum zu glauben, dass die seltenste Pinguinart, der Hoiho (Gelbaugenpinguin), der auch als gefährdet auf der roten Liste steht, hier als Beifang der Fischer hingenommen wird. Da hat Neuseeland sich wirklich nicht mit Ruhm bekleckert. Für den Kiwi macht man alles, was zum Schutz nur vorstellbar ist und hier sagt man sich „sch… drauf, Hauptsache Fisch auf dem Teller“. Ich hoffe, es werden noch rechtzeitig Schutzgebiete eingerichtet.

In Balclutha gehe ich mal wieder ins Recreation Center. Für NZ$ 5 kann ich den Swimmingpool, den Hot Pool und eine warme Dusche genießen. Anschließend fahre ich noch kurz nach Dunedin / Ōtepoti, bevor ich in den kleinen Ort Brighton fahre, der circa 20 Minuten entfernt ist und wo ich heute übernachten werde. Auch dort gibt es für mich in der Dämmerung keine Pinguine zu sehen. Am Abend ist es relativ kühl und regnet leicht.