Der Tag beginnt mal wieder mit einem sonnigen Morgen und fantastischem Ausblick. Der Kaffee dampft um kurz vor 8 Uhr in der kühlen Morgenluft und nur das leise Rauschen der Brandung begleitet das Frühstück. Das sind die Momente, die eine kalte Nacht im Campervan schnell vergessen lassen.

Leider hat der schöne Morgen kurz darauf einen Dämpfer parat, denn Ich werde kurz nach meiner Abfahrt bereits von der Polizei mit Blaulicht verfolgt. Ich habe gar nicht das Gefühl etwas falsch gemacht zu haben und warte bis die junge Polizistin zu mir kommt. Sie klärt mich auf, dass sie mich mit 66 km/h anstatt der erlaubten 50 km/h geblitzt hat. Da sie mir zunächst fahrend entgegenkam, bevor sie mit Blaulicht gewendet hat, frage ich, wie sie das denn gemessen hat. Sie nimmt mich daraufhin mit zu Ihrem Auto und zeigt mir das Gerät, auf dessen Anzeige ihre und meine Geschwindigkeit zu sehen sind. Am Ende bekomme ich eine Vorgangsnummer mit der ich die „Speeding Fee“ von NZ$ 120 innerhalb der nächsten Tage online bezahlen kann.
Ich setze meine Fahrt (meist nur mit 40 km/h 🙂 ) zum Taiaroa Head / Pukekura auf der Otago Peninsula nördlich von Dunedin fort. Dort befindet sich nicht nur ein Leuchtturm von 1864, sondern auch das Royal Albatros Centre, denn hier ist die weltweit einzige Festland-Brutkolonie von circa 100 Brutpaaren des Nordkönigsalbatros.

Es werden verschieden Touren angeboten. Das günstigste ist die einstündige Tour für NZ$ 68,39, bei der jedoch nur circa 30 Minuten für die Beobachtung der Vögel aus einem verglasten Observatorium sind. Natürlich sollen die Tiere nicht gestört werden, aber ob man aktuell ohne Fernglas vom Observatorium aus viel sieht, weiß man natürlich nicht. Ich ziehe es daher vor lediglich die majestätisch durch die Luft gleitenden Vögel, die eine Flügelspannweite von über 3 Meter haben, zu beobachten.


Von der Eiablage im November dauert es bis August, bis die Jungvögel flügge sind. Sie verbringen dann die ersten 4 bis 5 Jahre auf hoher See, bevor sie zur Paarung wieder an Land kommen. Die Vögel können über 60 Jahre alt werden, wenn nicht ein Orca oder eine Fischerleine vorzeitig ihr Leben beendet.
Zum Aussichtspunkt führt ein Weg durch eine weniger gut riechende und sehr laute Möwenkolonie.



Am Pilots Beach, der auch hier ist, kann man mit etwas Glück auch allerhand andere Tiere sehen. Tagsüber ruhen sich hier Seelöwen und Seebären aus und abends kann man von einer Plattform aus die kleinen Pinguine sehen, die aus dem Meer zurückkommen.



Die Portobello Road auf der man hierhergelangt, führt direkt am Wasser entlang. Es nervt, dass ständig die Geschwindigkeitsbeschränkungen wechseln. Ein kurioser Punkt ist der Pineapple Rock, der tatsächlich etwas an die Spitze einer Ananas erinnert.

Dunedin ist die Hauptstadt der Provinz Otega und mit etwas über 130000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Südinsel.
Als Nächstes geht es zur Balwin Street, der steilsten Straße der Welt in einem Wohngebiet. Auf 350 Meter Länge gibt es 70 Meter Höhenunterschied. Im steilsten Teil beträgt die Steigung 35 %. Nicht nur zu Fuß ist es sehr anstrengend hinaufzugehen, sondern auch für die Anwohner, die täglich, auch im Winter bei Frost, mit dem Auto hochfahren müssen, ist es nicht ohne. Von unten sieht es gar nicht so krass aus, wie von oben.



Der 1906 eröffnete Bahnhof am Anzac Square ist natürlich ein unverwechselbares Erkennungszeichen und ein Wahrzeichen von Dunedin. Heute dient dieser nur noch einer Touristeneisenbahn und das Gebäude wird anderweitig genutzt.



Auch die Kirche von 1881, die mit ihrem 56 Meter hohen Turm lange das höchste Gebäude des Landes war, ist nicht zu übersehen. Neben anderen historischen Gebäuden fällt eine Vielzahl von Street-Art auf, die ich mir morgen etwas genauer anschauen werde.



Der Campingplatz ist etwas nördlich von Dunedin in Warrington. Von dort sind es ein paar Minuten bis zum langen Strand, an dem, weit vom Wasser entfernt ein Seelöwe bewegungslos im Sand liegt. Nach einer Weile sehe ich dann doch zum Glück, dass er atmet. Ich denke erst, dass es sich um eine gebogene Bucht handelt, aber nach circa 2 Kilometer stelle ich fest, dass es nicht weitergeht. Trotz Ebbe kommt man dort nicht trocken hin.
