Heute ist ein vollkommen ereignisloser Tag, was man auch daran sieht, dass ich am Ende des Tages nicht ein einziges Foto gemacht habe. Bei einigen Dingen, die hier „normal“ sind, denkt man gar nicht daran, ein Foto zu machen. Ich wollte aber auch nicht schon wieder ein Sonnenaufgangsfoto posten.
Man fährt in Canterbury an der Ostküste überwiegend durch plattes Land mit vielen Obstplantagen und Weideflächen. Die Plantagen sind oft mit geschätzt 5 bis 7 Meter hohen, blickdichten Hecken aus Lebensbäumen oder etwas Ähnlichem eingezäunt. Das dient in erster Linie dem Windschutz und durch weniger Wind gibt es als Nebeneffekt auch weniger Verdunstung und Pflanzenschutzmittel bleiben besser auf dem Feld. Gerne hätte ich mal gesehen wie man diese hohen Hecken so akkurat schneidet.
Eine andere Auffälligkeit steht im Zusammenhang mit dem wichtigen Exportprodukt Milcherzeugnisse. Von 21 Milliarden Litern Milch und 2 Milliarden Kilogramm Milchfett, die knapp 5 Millionen Milchkühe in Neuseeland jährlich produzieren, werden 95 % exportiert. Voraussetzung für eine gute Produktion sind saftige Wiesen und daher gibt es riesige selbstfahrende Bewässerungssysteme, die, mittlerweile App-gesteuert und GPS-gestützt, kreisförmig oder linear über die Felder fahren. Über Ventile an den Düsen können die Flächen sogar individuell nach Bedarf bewässert werden. Wenn die Kühe Lust haben, dann können sie darunter auch eine Dusche nehmen. Leider produzieren die Milchkühe auch knapp eine halbe Million Tonnen Methan (inklusive der Fleischrinder und Schafe sind es sogar über 1 Million Tonnen Methan pro Jahr)
Ein anderes tägliches Erlebnis hat mit den Campervans und Motorhomes zu tun. Die Motorhomes sind bedauerlicherweise meist relativ langsam unterwegs und es kommt nur selten vor, dass sich dahinter keine Schlange bildet. Mir ist es ein Rätsel, warum man immer circa 10 km/h unter der erlaubten Geschwindigkeit fahren muss, ungeachtet der Tatsache, dass man im Rückspiegel sieht, wie sich mehr und mehr Fahrzeuge hinter einem aufreihen. Auf den Campingplätzen versperren die großen Motorhomes dann oft die Sicht.
Bei den Campervans gibt es einen Anbieter, der knallig grüne Fahrzeuge hat, auf denen überall noch große Aufkleber mit dem Firmennamen sind. Ich habe mal geschaut, ob die denn, weil sie so schrecklich aussehen, besonders günstig sind, aber es ist kein gravierender Unterschied zu anderen Anbietern. Eigentlich müsste man noch Geld dafür bekommen, dass man für die Firma durchs Land fährt und Werbung macht. Nach ein paar Tagen erkennt man die Fahrzeuge schon weitem und denkt automatisch an den Firmennamen. Offensichtlich stört das viele Leute aber nicht, denn es gibt auch noch einen anderer Anbieter der seine Autos über und über mit großer Eigenwerbung beklebt.
Nach einigen schlechten Erfahrungen bei der Campingplatzauswahl habe ich mich entschlossen auf einem Platz zu übernachten, auf dem ich bereits auf dem Hinweg übernachtet habe.
Es geht zurück nach Christchurch / Ōtautahi. Am Straßenrand steht dieses Vehikel. Offensichtlich werden Sachen, die jemand abgeben möchte, dort hineingestellt und jemand anders kann das bei Bedarf mitnehmen. Durch die Port Hills von der Stadt getrennt ist die kleine Hafenstadt Lyttelton.


Ich beschließe heute mal wieder ein Recreation Center zu besuchen, wovon es in Christchurch einige gibt. Ich entscheide mich für das nagelneue Parakiore, das erst vor 3 Monaten eröffnet wurde. Es ist die größte Indoor-Wasser- und Freizeitanlage in Neuseeland. Für günstige NZ$7 bekommt man Zugang zu den Pools. Neben einem 50 Meter Pool mit 10 Bahnen gibt es auch einen 5 Meter tiefen Pool mit Sprungtürmen, der sich ideal zum Trainieren der Arschbomben (Manu) eignet. Außerdem enthalten sind unterschiedlich warme Hot Pools, Sauna und Dampfbad. Wasserrutschen, Fitnessstudio oder sonstiges kann man separat buchen. Parken ist für Besucher in den ersten zwei Stunden kostenlos, danach kostet es direkt auf dem zugehörigen Parkplatz NZ$ 5 die Stunde. Praktisch sind auch die Sitzgelegenheiten, an denen man das kostenlose WiFi nutzen und dabei den Akku laden kann.
Das Benzin wird leider jeden Tag teurer. Während ich in Franz Josef noch geschockt war von Preisen über NZ$ 3, so ist mittlerweile kaum noch etwas unter NZ$ 3 zu finden.
Heute hab ich das erste Mal eine Nacht in einem TOP 10 Holiday Park gebucht. Weil die Plätze in der Regel relativ teuer sind, habe ich eigentlich nur spaßeshalber nach dem Preis geschaut. Um so erstaunter war ich, dass die Nacht nur NZ$ 25 kostet (13 €). Die Facilities auf dem Platz sind alle sehr neu (tolle Duschen, eine schöne Küche, Waschmaschinen und Trockner, TV-Raum etc.). Wirklich empfehlenswert inmitten der Natur und nur 20 Minuten vom Zentrum der Stadt entfernt.
Ein ständiger Begleiter während meines Roadtrips waren bzw. sind übrigens die veganen Snackaballs, von denen ich in den letzten Wochen ein paar Tüten gesnackt habe.
(Ich poste die hier ausschließlich zur eigenen Erinnerung und nicht aus kommerziellen Gründen)

Check-out Zeit auf dem Campingplatz ist 10 Uhr. Bevor ich abfahre, fülle ich noch Frischwasser auf und entsorge das Spülwasser.
Direkt beim Campingplatz gibt es auch noch einen Kletterpark, eine große Lagune, die bei etlichen Vogelarten beliebt ist, und Wanderwege. Ein paar grundlegende Informationen zu Wanderwegen in Neuseeland findet man auch hier.

Meine Planung für die letzten Tage auf der Südinsel ist, das ich von Christchurch noch einmal zur Ostküste fahre und mich dann über Nelson nach Picton fahre.

Ich nehme den State Highway 7 und erreiche gegen am Nachmittag den kleinen Ort Reefton, der ersten Stadt Neuseelands, die elektrische Licht hatte (1888). Von 1870 bis in die 1950er Jahre war Reefton eine Goldgräberstadt. 2020 hat ein australisches Unternehmen dort die Snowy River Mine gekauft, in der ab Ende 2026 wieder die Goldgewinnung wieder beginnen soll. Es wird über die nächsten 10 Jahre wohl mit 60000 Unzen pro Jahr gerechnet. Das entspricht knapp 20 Tonnen insgesamt, was bei dem aktuell sehr hohen Goldpreis wiederum circa 2,5 Milliarden Euro entspräche. Da pro Tonne Quarzgestein nur bis circa 24 Gramm Gold enthalten sind, müssen allerdings zunächst riesige Menge an Fels abgebaut und zerkleinert werden. Kann man ja für die Region nur hoffen, das der teilweise giftige Gewinnungsprozess heutzutage umweltverträglich abläuft.
Der Freedom Camping Platz ist nicht nur voll belegt, sondern auch schrecklich. Die wenigen Fahrzeuge, die erlaubt sind stehen wie auf einem normalen Parkplatz dicht an dicht. Nur ein paar hundert Meter weiter gibt es einen Platz auf dem ich mir für NZ$ 17 eine Übernachtung buche. Der Stellplatz war scheinbar mal ein Fußballplatz, denn die Rahmen der Tore stehen noch dort. Etwas weg von den Waschräumen, der Küche und den Stromanschlüssen stehen großzügig verteilt nur noch ein paar Fahrzeuge auf dem Platz. Die Facilities auf dem Platz sind schon in die Jahre gekommen, aber für den Preis noch akzeptabel. Direkt hinter den großen Bäumen ist der Inangahua River. Ein paar Geschäfte und Restaurants gibt es zwar, aber die meisten schließen relativ früh, oder haben gerade Ruhetag.


Ich erreiche Nelson am frühen Nachmittag. Von Princess Drive Lookout hat man einen schönen Ausblick. Sehr außergewöhnlich ist die Pflanze links im Bild, deren harte Blätter an einem einzigen senkrechten Stiel nach unten hängen. Es handelt sich um einen endemischen Baum der Art Lanzenbaum / Horoeka. So wie er da jetzt steht könnte man denken, dass er abgestorben ist. Erst nach 15–20 Jahren ändert sich das Aussehen komplett. Er bildet dann eine verzweigte Krone mit normal abstehenden Blättern.

Der knapp 2 Kilometer lange Tāhunanui Beach ist nur 5 Minuten vom Stadtzentrum entfernt und bietet kostenlose Parkplätze, Duschen, Toiletten usw. Nachteil ist, dass das ohnehin flache Wasser bei Ebbe relativ weit wegläuft. Man muss vom Handtuch auf dem trockenen Sand ganz schön weit laufen bis man zumindest Hüfttief im Wasser ist.

Die Städte Nelson und Richmond grenzen direkt aneinander, sodass man ohne detaillierte Ortskenntnis gar nicht weiß in welcher Stadt man gerade ist. Auf dem State Highway 60 fahre ich Richtung Norden nach Motueka. Eine große Sandbank, die auch bei Flut nicht vollständig überspült wird, trennt das Meer von der Küstenstraße ab. Der ganze Bereich bis zur sandbank ist bei Ebbe ohne Wasser.

Das erste Mal in den ganzen Wochen habe ich für die Nacht keine „offizielle“ Bleibe in der Nähe gefunden. Schilder in Motueka weisen eindeutig aus, wo Freedom Camping nicht erlaubt ist. Es gibt jedoch außerhalb der roten Zone den einen oder anderen möglichen Stellplatz. Am Ende entscheide ich mich dafür in einer ruhigen Straße in einer Wohnsiedlung in einer leeren Parkbucht zu übernachten. Das ist natürlich nur zum Schlafen. Tisch und Stuhl bleiben im Auto. Es ist nichts los dort, aber am Abend gehen alle Anwohner mit ihren Hunden nochmal Gassi und ich hoffe, dass nicht einer davon bei der Polizei anruft. Eigentlich ist es ja auch erlaubt, dort zu „parken“, aber es wäre doch ’ne blöde Situation. Zum Glück bleibt alles ruhig, aber ich bin mir sicher, wenn man mehrere Nächte dort stehen würde, dann würde jemand anrufen.
