Die Lippe ist auch heute Morgen immer noch dick, aber es wird langsam etwas weniger. Ein weiterer Tag mit strahlender Sonnenschein beginnt und ich bleibe noch etwas in Nelson, bevor es Richtung Picton / Waitohi geht, denn dort startet morgen meine Fähre. Ich fahre durch den Mount Richmont Forest Park an die Ostküste. Eine wirkliche schöne Landschaft hier im Nordosten der Südinsel. Der Cullen Point bietet einen tollen Ausblick in alle Richtungen. Im Hintergrund der kleine Ort Havelock.



In der Campingapp kann man sich die Plätze, die einem nicht gefallen haben, nicht markieren und so kommt es, dass ich einen Platz ansteuere, der schon auf der Hinfahrt vor ein paar Wochen bei mir durchgefallen war. Nach erneuter Suche in der App buche ich eine Nacht auf einer Farm ca. ½ Stunde westlich von Picton. Dadurch bin ich natürlich am Ende des Tages etliche Kilometer umsonst gefahren. Beim Check-in bekommt man eine kleine Tüte mit Futter und kann damit Schafe, Ziegen und Schweine auf der Weide füttern. Ein Special der Farm ist außerdem, dass es einen Pfad in den Wald gibt, wo man abends Glowworms sehen kann. Ich habe zwar auf der Nordinsel noch eine Tour in eine Glowworm-Höhle gebucht, aber die Gelegenheit, die auch hier zu sehen, lasse ich mir nicht entgehen. In der Dämmerung gehe ich los und der Weg führt zunächst über einige Wiesen und durch verschiedene Gatter, bis man den Wald erreicht. Im Wald geht es dann noch ein Stück weiter bis zu einem kleinen Bach. Es ist fast dunkel und einige leuchtende Punkte sind bereits zu sehen. Ein paar andere Gäste der Farm sind bereits etwas enttäuscht auf dem Rückweg. Sie hatten sich mehr erhofft, allerdings haben sie den Fehler gemacht nicht lange genug zu warten. Von Minute zu Minute werden es mehr leuchtende Punkte bis es schließlich in völliger Dunkelheit überall leuchtet. Ich bin ganz allein hier und genieße das tolle Erlebnis. Über mir der Sternenhimmel und um mich herum ein Sternenhimmel der besonderen Art. Auf dem Foto kann man das nicht gut einfangen, aber es bleibt in der Erinnerung. Im Licht der Taschenlampe sieht man etwas verschwommen die klebrigen Fäden der Insekten. Den Rückweg über die Wiesen in völliger Dunkelheit zu finden ist trotz Taschenlampe nicht ganz so einfach. Bei dem klaren Nachthimmel sehe ich endlich mal wieder die Milchstraße in voller Schönheit. „Lichtverschmutzung“ gibt es in dieser Gegend keine und Neumond war gerade erst vor 4 Tagen, sodass es auch nur wenig Mondlicht gibt.



Um 11 verlasse ich die Farm. Es sind nur 35 min bis zur Fähre, also gönne ich mir auf der schönen Strecke am Grove Arm noch ein paar Stopps. Check-in Zeit für die Fähre ist erst 14:30 Uhr und ich beabsichtige mich erst gegen Ende der Check-in Zeit in die Schlange einzureihen, damit ich nicht wieder so lange warten muss, bis ich das Schiff wieder verlassen kann.

Ich fahre vom Queen Charlotte Drive ab in die kleine Bucht Ngakuta Bay. In dieser Gegend, wo das andere Ufer meist nicht weit weg ist, denkt man gar nicht daran, dass es sich um das Meer und nicht um einen See handelt. Als ich auf den Bootssteg gehe, wird mir das jedoch plötzlich wieder bewusst, als auf einmal ein großer Stingray an mir vorbeigleitet. Ein tolles Erlebnis und es ist so ruhig und vollkommen entschleunigt hier, dass ich gerne noch etwas länger geblieben wäre. Für die Angler gibt es ziemlich genaue Regeln über Anzahl und Größe, ob die eingehalten und kontrolliert werden, kann ich nicht sagen.






Im Hintergrund sieht man schon Picton / Waitohi und die Fähre. Der Name der Stadt ist auf Sir Thomas Picton zurückzuführen. Aufgrund seiner Brutalität im Umgang mit Sklaven als Gouverneur von Trinidad wurden vielerorts schon Statuen und Gemälde von ihm entfernt. Warum Neuseeland bisher lediglich erwogen hat der Stadt wieder ihren ursprünglichen Namen in der Sprache der Māori zu geben, erschließt sich mir nicht.
Offensichtlich ist der Hafen auch ein Umschlagplatz für Holz.



Leider geht es lange Zeit überhaupt nicht voran mit dem Beladen der Fähre und am Ende legen wir auch erst verspätet ab. Der Weg durch den Marlborough Sound ist ganz schön verwinkelt, bis wir die Cook Strait erreichen. Auf dem Außendeck 10 ist es schön, aber auch extrem windig. Gegen 17:30 Uhr ist der Hafen von Wellington in Sichtweite.




Ich mache mich direkt auf den Weg und es sind knapp 2 Stunden Fahrt Richtung Norden bis ich kurz bevor es ganz dunkel ist, den Campingspot in Fielding erreiche. Die Stellplätze sind direkt am Rand des örtlichen Sportplatzes.