Morgens fährt die Polizei langsam den Campingspot ab und kontrolliert sogar jemanden. Scheint aber alles ok gewesen zu sein. Heute geht es nach Spellbound zur gebuchten Glowwormtour. Die größte oder bekannteste kommerzielle Glowwormtour ist die Waitomo Cave. Das ist nur 20 Minuten von Spellbound entfernt. Welche der vielen Möglichkeiten Gloworms in Neuseeland zu sehen die beste ist, kann ich natürlich nicht sagen, aber in der Regel ziehe ich es vor, dorthin zu gehen, wo es weniger überlaufen und touristisch ist. Die 4 Stunden Fahrt nach Spellbound kommen mir ewig vor. Unglücklicherweise kommt es dann auch noch nach vielen Tausend Kilometern auf Neuseelands Straßen und so kurz vor dem Ende zu einem Steinschlag in der Windschutzscheibe. Da kann ich mich heute aber leider nicht drum kümmern. Die Tour beginnt mit einer kurzen Fahrt mit einem Minibus und dann geht es kleines Stück zu Fuß bergab zum Höhleneingang. Bevor die Höhle betreten wird, bekommen alle Teilnehmer Helme mit einer Grubenlampe. In dem kleinen Bach vor der Höhle sind sogar ein paar Aale zu sehen.


Bei den Glowworms handelt es sich nicht, wie der Name vermuten lässt um die auch bei uns bekannten Glühwürmchen, die ja auch keine Würmer, sondern Käfer sind. Hier in Neuseeland handelt es sich um die biolumineszenten, endemischen Larven einer Mückenart. Das Larvenstadium kann je nach Nahrungsangebot bis zu 12 Monate dauern. Die Larve lässt etliche mit Schleimtropfen versehene und in Höhlen bis zu 40 Zentimeter lange Seidenfäden herabhängen. Andere Insekten werden durch das Licht angelockt und bleiben darin hängen. Die Larve zieht dann den Fangfäden hoch und frisst die Beute. Hungrige Larven leuchten heller als satte. Alles andere als niedliche Tierchen also. Der Māori Name ist übrigens Titiwai.



Nach dem kurzen Fußweg und ein paar Erklärungen in der Höhle, werden noch obligatorische Selfies gemacht, bevor es mit dem Boot weitergeht. Es ist wirklich atemberaubend. Nur das Rauschen des Wassers und viele, viele tausend bläulich leuchtende Punkte überall um einen herum. Ein wirklich tolles Erlebnis und nicht vergleichbar mit den Glowworms bei der Farm.
Mir wird erst jetzt auf der Rückfahrt bewusst, wie weit es doch von Wellington nach Auckland ist. Heute ist wohl die längste Tagesetappe der ganzen Reise. Ich suche mir einen Campingplatz in der Nähe von Hamilton, damit ich mich dort morgen gleich um den Steinschlag kümmern kann. Der Platz ist nicht schön, aber Küche, Toiletten und Duschen sind ok. Nervig ist, dass die Lampen an den Stellplätzen sehr hell sind und die ganze Nacht leuchten. Ich überlege erst, ob ich da was überstülpen kann, aber ich habe nichts Geeignetes. Es fängt am Abend dann auch mal wieder an zu regnen.
Wie vorhergesagt regnet es auch heute. Ich fahre wegen des Schadens zum AA Büro und erfahre dort, dass die Versicherung das übernimmt. Die Werkstatt, die man mir in Hamilton genannt hat, hat heute jedoch keinen Termin frei, also fahre ich gleich weiter nach Auckland. Durch den vielen Regen können die das dort aber auch nicht sofort machen, da Feuchtigkeit in den feinen Rissen ist. Sie kleben einen Sticker darüber und ich werde es Morgen dann in Warkworth versuchen. Es regnet wirklich heftig den ganzen Tag und zudem stürmt es. In Auckland finde ich keinen kostenlosen oder günstigen Campingspot, sodass ich nach Gulf Harbour weiterfahre, wo ich ja am Anfang schon mal war, als es auch geregnet hat. Überraschenderweise gibt es heute sogar zeitweise freies WiFi.
Die Scheibenreparatur in Warkworth geht schnell. Es werden auch gleich noch ein paar ältere, kleine Steinschläge repariert und es gibt eine Bestätigung für den nächsten WOF. An einer Tankstelle reinige ich das Auto von innen und außen. Die Waschstraße hat aber ein Problem mit der Fahrzeuggeometrie. Ich reklamiere das und fahre insgesamt dreimal hintereinander umsonst durch, aber bestimmte Stellen muss ich dennoch per Hand nachbessern. Im Supermarkt ist es nicht zu übersehen, dass in circa einer Woche Ostern ist. Erstaunlich, dass die kleinen Hasen dafür um die ganze Welt reisen. Mit umgerechnet 4 € sind die trotz der langen Reise vermutlich nicht teurer als in Deutschland.
Ich bin nochmal am Omaha Beach, bevor ich gegen Abend in Tāwharanui ankomme. Mittlerweile ist dort auch Hanne aus Deutschland bei Wayne angekommen.


Am Abend versuchen wir dann noch einmal Kiwis im Tāwharanui Schutzgebiet zu sehen und tatsächlich gelingt es nacheinander zwei Exemplare im Rotlicht zu erspähen. Einer läuft Wayne direkt vor die Füße, aber er sieht ihn nicht, da er gerade ins Unterholz schaut. Viel mehr als erspähen ist es dann aber auch nicht. Die scheuen Vögel kommen aus dem Dickicht, huschen schnell über den Weg und verschwinden dann wieder im Dickicht. Dennoch ein Erfolgserlebnis sie in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen. Der Rückweg zum Auto gehen wir im Mondschein am Strand. Bis zum Vollmond sind es zwar noch ein paar Tage, aber der Mond leuchtet sehr hell.

Jeden Tag hört man auf der Terrasse einen Tui in unmittelbarer Nähe, aber gesehen habe ich ihn bisher nicht. Heute Morgen gelingt mir allerdings ein Schnappschuss im Flug, auf dem der weiße „Kragen“ gut zu erkennen ist.

Am Nachmittag machen wir noch eine Kanufahrt von der Millon Bay über die Wanns Bay bis zum Captain’s Cafe in der Mündung des Matakana River. Wir stoppen an einer Badeinsel, die den Hinterlassenschaften nach zu urteilen, offensichtlich den Möwen gehört. Das Wasser ist herrlich erfrischend, aber auch hier habe ich wieder eher das Gefühl auf einem See und nicht im Meer zu sein, da man quasi überall auf Land schaut und nicht auf den Horizont. Theoretisch könnte man hier beim Schwimmen also auch einem Hai begegnen. Wayne wirft vom Kanu noch seine Angel aus und es dauert nicht lange, bis er einen ordentlichen Snapper fürs Abendessen am Haken hat.
Ein sehr schöner Nachmittag zu dritt endet damit, dass die Kanus den Berg zum Haus wieder hochgebracht werden müssen. Die 500 Meter haben es in sich. Zum Ende hin, wenn man schon keine Kraft mehr hat, dann wird es noch mal richtig steil. Was für eine Plackerei. Dennoch ein schöner Ausklang der Reise. Morgen am späten Vormittag geht es dann ganz gemütlich zum Flughafen.
Am 05.02. bin ich in Neuseeland angekommen und am 29.03. verlasse ich das Land wieder. Das waren ganze 53 Tage bzw. 7 Wochen und 4 Tage. Davon waren ganze 47 Tage mein Roadtrip, den ich nach ziemlich genau 10000 Kilometern (inkl. 2x 100 km Fähre) beendet habe. Das hört sich erstmal sehr viel an, aber bezogen auf die Dauer sind es im Schnitt nicht mehr als circa 200 km am Tag. Auch wenn ich den „Übungstrip“ mit dem Campervan auf Tasmanien hatte, so war es dennoch etwas völlig Neues, solange ohne vorherige Planung mit einem Camper durch ein Land zu reisen. Natürlich war die grobe Richtung von Nord nach Süd und zurück klar, aber sonst habe ich eigentlich immer nur das nächste Tagesziel festgelegt und im Laufe des Tages geschaut, wo ich übernachten will. Das die beschriebenen Probleme mit der Fährverbindung diese Freiheit etwas eingeschränkt haben, war ärgerlich, aber zu verkraften. Sehr viele der Freedom Campingplätze waren sehr gut, was natürlich gut fürs Budget war. Aber auch einige der DOC Plätze waren absolut empfehlenswert.
Der Toyota Hiace in Tasmanien hat mir allerdings besser gefallen, da man dort das Bett nicht jeden Tag „bauen“ musste, die „Küche“ besser ausgestattet war, man im Fahrzeug stehen konnte und man eine Markise und mehr Platz für das Gepäck hatte. Da man aber nach ein paar Tagen eine Routine entwickelt, war es dennoch sehr angenehm mit dem Toyota Vellfire zu reisen. Nach einer Weile hatte ich dann auch herausgefunden, wie ich mein Handy mit dem japanischen Radio verbinden kann. Überraschenderweise gab es nämlich keine Möglichkeit auf ein englisches Menü umzustellen. Was mich jedoch bis zum Ende gestört hat, war die sehr kleine Kühlbox ohne vernünftige Stromversorgung, wenn der Motor nicht lief.
Neuseeland ist auf jeden Fall eine Reise wert, wenn man genug Zeit hat. Um mal schnell für 2 bis 3 Wochen dorthin zu reisen, dafür ist es einfach zu weit weg von Europa.
Das Land ist so vielseitig, dass es schwerfällt zu sagen, wo es am schönsten war. Eine meiner Favoriten ist auf jeden Fall der Bereich um Queenstown herum, aber auch die Provinz Marlborough, Coromandel usw. haben alle für sich ihren Reiz und bieten noch viel mehr, als ich gesehen habe. Besonders angenehm fand ich die vielfältige Flora und die dünne Besiedelung. Außerhalb der großen Städte gibt es nie Stau und oft sieht man außer der Straße, auf der man fährt, keine Zeichen von Zivilisation, sondern nur Natur. Die Fauna lässt etwas zu wünschen übrig. Wenn man nur so durch Land reist, dann sieht man selbst im Wald man nicht wirklich viele Tiere. Was man aber auf jeden Fall an vielen Stellen ohne große Mühe sieht, sind die Fur Seals und auch die Keas sind in bestimmten Bereichen leicht zu entdecken. Wenn man möchte, kann man an touristisch erschlossenen Bereichen auch die kleinen Pinguine sehen. Dass man welche irgendwo am Strand sieht, ist eher unwahrscheinlich.
Ungeheuer dankbar bin ich dafür, dass ich am Anfang und am Ende so herzlich von Wayne aufgenommen wurde und er mir so sehr beim Kauf und Verkauf des Vans geholfen hat. Vielen Dank dafür. 🙂

Zum Glück war Neuseeland nur ein Teil meiner Reise, sodass ich noch nicht nach Hause muss, sondern nur ein weiteres Ziel in der Nähe ansteuere. 🙂