
Neben Neuseeland waren auch schon lange die Inseln in der Südsee ganz oben auf meiner Liste der Reiseziele. Von Auckland aus kann ich mir diesen Traum nun verhältnismäßig einfach erfüllen. Bei der Reiseplanung musste ich allerdings feststellen, dass Island Hopping nach Lust und Laune dort an Grenzen stößt, die ich nicht berücksichtigt oder erwartet hatte. Zum einen sind da die Entfernungen, denn die Inseln sind zum Teil tausende Kilometer voneinander entfernt. Außerdem gibt es nicht überall gute Flugverbindungen. Manchmal gibt es nur wenige Verbindungen in der Woche, oder man muss über eine Zwischenlandung auf einer anderen Insel, die gar nicht auf der Reiseroute liegt, anreisen. Mal ganz davon abgesehen, dass die Flüge natürlich nur selten ein Schnäppchen sind. So wird mein kleiner „Südseetrip“ auch nur ein paar der bekannten Inseln beinhalten und er beginnt mit den Cook Islands. Der Begriff Südsee wird ja für die gesamte Inselwelt im Südpazifik verwendet. Eine etwas spezifischere Benennung ist Polynesien, Melanesien oder Mikronesien. Sowohl Neuseeland als auch die Cook Islands zählen zu Polynesien, das mit knapp 50 Millionen Quadratkilometern die größte der drei Regionen ist. Der April ist eventuell noch etwas zu früh, da in der Region noch Zyklone auftreten können und es auch das Ende der Regenzeit ist, sodass man noch häufiger mit Schauern rechnen muss.
Die Cook Islands bestehen aus 15 Inseln und haben insgesamt circa 15000 Einwohner auf knapp 240 km². Davon leben fast 75 %, also circa 11000 auf Rarotonga der Hauptinsel mit der Hauptstadt Avarua. Obwohl die Inselgruppe schon seit 1965 unabhängig ist, ist König Charles das aktuelle Staatsoberhaupt, was sich ja auch in der Flagge zeigt. Die Sterne stehen für die 15 Inseln. Die Bewohner behielten auch die neuseeländische Staatsangehörigkeit und Neuseeland behielt das Recht die Inseln außenpolitisch zu vertreten und zu verteidigen. Auch der neuseeländische Dollar ist neben dem Cook Island Dollar weiterhin offizielles Zahlungsmittel auf den Inseln. Die erste Amtssprache ist Rarotanganisch, dass der Sprache der Māori ähnelt, aber glücklicherweise ist auch Englisch Amtssprache. Vor über 30 Jahren gab es mal die Bestrebung den alten Namen aus der Kolonialzeit in Avaiki Nui zu ändern. Mehrheitlich war man aber dafür es bei Cook Islands zu belassen.
Leider gab es bei dem Flug von Auckland ein paar Passagiere, deren Gepäck schon an Bord war, die dann aber nicht erschienen sind. Das führte zu einer Verzögerung von 1,5 Stunden, da man zuerst noch gewartet hat, dann das Gepäck wieder ausgeladen werden musste und man letztendlich auf ein neues Startfenster warten musste.
Der Flug für die circa 3000 Kilometer von Auckland nach Avarua dauert knapp 4 Stunden und ich überschreite dabei das erste Mal die Datumsgrenze. Am 29. bin ich nachmittags in Auckland losgeflogen und am 28. abends auf Rarotonga gelandet. Durch die Verspätung landen wir jedoch erst um 21:30 Uhr und es ist natürlich schon stockfinster draußen. Außerdem regnet ganz ordentlich. Ich wohne in einem gemütlichen Apartment, dass direkt an ein Wohnhaus angeschlossen ist. Trotz der Verspätung werde ich dort noch freundlich persönlich empfangen.
Am Vormittag gab es noch immer wieder Schauer, aber dann ist es langsam aufgeklart. Bei circa 28° C mit 90 % Luftfeuchtigkeit ist auch ohne dass man sich bewegt Schwitzen angesagt, bis der Körper sich an das Klima gewöhnt hat. Auf der Insel ist sonntags fast alles geschlossen, aber ein paar Minuten zu Fuß von der Unterkunft entfernt ist ein kleiner Supermarkt namens „Super Brown“, der 24/7 geöffnet ist. Dazu gehört auch noch eine Tankstelle und ein Imbiss. Morgens gibt es dort auch ein paar frisch zubereitete Sachen und Brot zu kaufen, bis mittags ist das aber alles verkauft. Ich kaufe mir Wasser, Pani Popo (eine Art Brioche-Brot in einer „Kokosnusssuppe“) und ein paar Donuts ohne alles. Alkoholische Getränke kann man sonntags gar nicht und an den anderen Tagen nur von 9 bis 21 Uhr kaufen.

Offensichtlich macht man sich hier am Sonntag schick mit weißer Kleidung und Blumenkränzen im Haar. Vielleicht kommen die Ladies heute am Sonntagvormittag auch gerade aus einer Kirche oder den kleinen Friedhof, der direkt neben der Tankstelle an der Straße ist.
Auch wenn die neuseeländische Fauna wirklich schön war, so genieße ich tropische Vegetation, die so viel Kraft hat und, wenn man nicht aufpasst, alles verschlingt.


Es gibt eine Buslinie, die stündlich im Uhrzeigersinn um die Insel fährt und eine andere die eine halbe Stunde versetzt entgegen dem Uhrzeigersinn fährt. Sonntags fährt jedoch nur die Linie im Uhrzeigersinn. Die Fahrt kostet NZ$ 5, egal ob man nur ein kurzes Stück oder einmal rundherum fährt, was circa 45 Minuten dauert.


Bedauerlicherweise kann man im Norden der Insel, wo ich wohne, nicht vernünftig im Meer baden, da das Wasser flach und der Boden steinig ist, wobei steinig gar nicht stimmt, da es alles mittelgroße Korallenbruchstücke sind, die auch den schmalen „Strand“ bilden. Sand gibt es fast nicht. Es hat auch eine Weile gedauert, bis ich überhaupt einen öffentlichen Zugang zum Strand gefunden habe.

Als ich mir am Abend noch etwas zu essen holen will, kommt es mal wieder zu einer unangenehmen Hundebegegnung. Erst steht auf der Kiikii Road Richtung Super Brown ein Hund auf der Straße, der mich offensichtlich nicht vorbeilassen möchte. Man hört im Hintergrund auch noch weitere Hunde bellen, die man im Dunkeln aber nicht sehen kann. Als ich zurückgehen will stehen kurz vor meinem Apartment auch mehrere Hunde auf der dunklen Straße und kläffen mich schon von Weitem an. Ich gehe also noch einmal in die andere Richtung und dort ist der Hund jetzt zum Glück von der Straße verschwunden. Da ich die vier Hunde auf meinem Rückweg, insbesondere mit meinem Abendessen, als Problem ansehe, frage ich einen Einheimischen, der gerade getankt hat, ob er mich mit seinem Roller kurz an der Stelle vorbeifahren würde. Tatsächlich sind die vier Hunde noch da und hetzen zum Teil sogar ein Stück neben dem Roller her. Als ich unversehrt mit meinem Fastfood im Apartment ankomme, bin ich erleichtert und natürlich dankbar für die Hilfe des Einheimischen.
Von meinem Zimmer schaue ich ins Grüne und der Sonnenaufgang um kurz vor 7 Uhr lässt die mittlerweile aufgelockerte Bewölkung in einem warmen Orange leuchten.

Ich berichte meiner Vermieterin von dem gestrigen Erlebnis mit den Hunden und sie erklärt mir, dass die Hunde hier, auch wenn einige von ihnen viel bellen, in der Regel nicht aggressiv sind. Oft reicht es schon nur so zu tun, als würde man etwas aufheben um damit nach ihnen zu werfen. Hilft das nicht, dann verschwinden sie spätestens, wenn man wirklich einen Stein oder Stock in ihre Richtung wirft. Ich probiere das gleich einmal mit der Gruppe von gestern Abend aus, die heute Vormittag wieder da herumlungert, und es klappt überraschend einfach. Mit dem Roller Gas zu geben, ist wohl generell eher nicht empfehlenswert, denn das weckt ihren Jagdinstinkt. Es gibt wohl geschätzt über 4000 frei herumlaufende Hunde auf der Insel, die in der Regel freundlich sind, aber gerade abseits der Hauptstraße auch territoriales Verhalten zeigen.
Ich miete mir einen Roller, um die Insel etwas mehr zu erkunden. Er ist gerade mal 233 km gelaufen, also quasi nagelneu. Bei dem derzeitigen Deal für 3 Tage Mietdauer zahle ich nur circa 10 € pro Tag. Es gibt auf der Insel nur eine 32 Kilometer lange durchgehende äußere Ringstraße (Ara Tapu) und eine alte, innere Ringstraße (Ara Metua), sowie ein paar Stichstraßen zu den Häusern. Ampeln gibt es keine. Man erkennt gut, dass der bewohnte Bereich nur ein 500 bis maximal 1000 Meter schmaler Ring um die Vulkaninsel herum ist. In der Mitte des Bildes ist etwas in den Wolken versteckt der 652 Meter hohe Te Manga.

Im Süden der Insel sind die Strände schöner. Beim Baden sehe ich im knietiefen Wasser das erste Mal einen blauen Seestern, der mit circa 30 Zentimeter Durchmesser ganz schön groß ist. Man könnte ja denken, dass die Farbe eine Warnfarbe für Fressfeinde ist, aber giftig sind sie ni




Die ganze Insel ist von einem Riff umgeben, sodass das Wasser bis zur Riffkante selbst bei Flut nicht sehr tief ist. Bei Ebbe eignen sich viele Bereiche somit überhaupt nicht zum Baden. Es gibt Passagen im Riff, an denen vom Schwimmen, Kajaken oder sonstigen Wasseraktivitäten ganz abgeraten wird, da es dort zu gefährlichen, starken Strömungen kommt, die einen aufs offenen Meer hinausziehen. Es wird auch empfohlen im Wasser Schuhe mit dicker Sohle anzuziehen, da neben den teils scharfkantigen Korallenstückchen auch Steinfische mit ihren giftigen Stacheln vorkommen. Deren Gift kann unter ungünstigen Umständen auch für Menschen tödlich sein.
Leider ist das Wetter immer noch sehr wechselhaft und tendenziell eher regnerisch als sonnig. Natürlich gibt es hier auch Postkartenmotive mit Palmen, die sich weit über den Strand neigen, zu sehen. Auch wenn der Sonnenuntergang erst um 18:20 Uhr ist, nimmt das Tageslicht mit der Bewölkung schon um 17 Uhr langsam ab.

Mit dem Wetter habe ich für meinen Aufenthalt wirklich kein gutes Zeitfenster erwischt. Es regnet auch Heute den ganzen Vormittag ununterbrochen stark und man hat den Eindruck, als wenn es auch sobald nicht aufhören wird. Zum Glück ist das Studio, in dem ich wohne gemütlich, hat Wi-Fi und einen Fernseher. Als es endlich mal eine Regenpause gibt, fahre ich noch etwas herum. Überall auf den Straßen suchen sich die Wassermassen ihren Weg und einige Grundstücke haben sich schon zu Teichen entwickelt. Vom Apartment bis zum Stadtzentrum von Avarua sind es je nachdem welche Route man wählt 4 bis 5 Kilometer. Ich hole mir am frühen Nachmittag noch etwas zum Essen von einem Takeaway, der immer ganz gut besucht ist und auch bei Google nicht schlecht bewertet wurde. Die Fish & Chips sind jedoch allerding ungenießbar. Die Pommes sind total labberig, was ja zur Not noch ginge, aber der Fisch, der natürlich aus der TK kommt, scheint nicht lange genug frittiert. Ich überleg sogar, ob ich es verantworten kann den Fisch, ohne Panade, der Katze zu geben. So landet dann wenigstens nur die Panade und ein Teil der Pommes im Müll.
Am Abend hole ich mir dann eine Pizza, die ganz gut ist. Das sind dann auch so die Dinge von denen sich die Einheimischen überwiegend ernähren. Leider sind deshalb auch über die Hälfte der Einwohner stark übergewichtig, was neben dem ungesunden Essen an stark zuckerhaltigen Getränken und zu wenig Bewegung liegt. Die Restaurants, in denen es gutes Essen gibt, sind für die meisten Einheimischen zu teuer.
Beim Flughafen führt die Straße direkt am Ende der Rollbahn vorbei. Das ist ein beliebter Spot bei Touristen, die mal ein bisschen Jetblast fühlen möchten, oder einfach den Fliegern beim Landen ganz nah sein wollen. Da die meisten Flieger kleinere Propellermaschinen sind, lohnt sich das eigentlich nur bei größeren Flugzeugen wie zum Beispiel der Boeing 787-9 Dreamliner von Air New Zealand. Als ich da war gab es nur diesen Start und keine Landung. Am besten also vorher über den Flugplan informieren.


Endlich scheint der Regen weitgehend vorbei zu sein. Der Vormittag ist zumindest schon mal sonnig.

Am Ende des Uruau Drive beginnt im Avatiu Valley ein Wanderweg durch den Dschungel auf die andere Seite der Insel, der sogenannte Cross Island Track. Die etwa 3 bis 4 Stunden lange Strecke durch dichten Dschungel hat es aber wohl abschnittsweise in sich und ist auch nicht immer besonders gut zu erkennen. Man soll dort nicht wandern, ohne jemanden informiert zu haben und möglichst auch nicht allein. Besonders nach dem Regen der letzten Tage ist der teils steile Weg ordentlich matschig und rutschig. Da ich nicht richtig ausgerüstet bin, gehe nur ein kleines Stück, bis der Weg im Dschungel verschwindet. Ab dort ist bereits alles sehr matschig und voller Wurzeln. Alternativ kann man auch über die Papua Road vom südlichen Ende des Tracks starten. Auf halber Strecke gelangt man zum Te Rua Manga oder auch „The Needle“-Felsen.
Mehrfach gibt es heute Abschnitte, in denen es regnet. Ich bin schon ziemlich nass, als ich an einem, auf einer Wiese stehenden, zum „Foodtruck“ umgebauten, Container einen Snack bestelle. Als der Regen endlich aufhört und ich weiterfahre sind die Straßen schon nach kurzer Zeit ganz trocken, weil es dort überhaupt nicht geregnet hat.


Abends fahre ich nochmal zum Nightmarket, der außer Montags, Freitags und Samstags täglich von 17 bis 20 Uhr geöffnet hat. Da mir das dort nicht zusagt gehe ich zu Takitumu Tapas, das schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite ist. Das kann ich sehr empfehlen und es gibt sogar noch Live Musik.
Als ich zurückfahre halte ich noch in einer Bucht an, die um 20 Uhr, also knapp 1,5 Stunden nach Sonnenuntergang, trotz der Wolken hell erleuchtet ist.

Auch wenn der neuseeländische Dollar ja die hauptsächlich im Umlauf befindliche Währung ist, möchte ich hier unbedingt noch die Cook Islands Dollars zeigen. Neben den besonderen 1, 2 und 5 $ Münzen gibt es noch eine 3 Dollar-Banknote. Da die aber selten im Umlauf ist, habe ich mir eine druckfrische aus der Bank geholt (neues Design von 2021). Auf der Vorderseite ist die Legende von Ina, der Geliebten des Meeresgottes Tinirau dargestellt, die auf dem Rücken eines Haies reitend eine Kokosnuss zerschlägt.

Da der Check-Out bei der Unterkunft und der Check-In am Flughafen zeitlich ja in der Regel nicht zusammenpassen kann ich auf Nachfrage zum Glück noch etwas länger im Studio bleiben. Um 10:30 Uhr gebe ich den Roller zurück, mit dem ich und fahre dann mit dem Bus zurück zum Studio. Mit meinem Gepäck gehe ich später rechtzeitig zurück zur Hauptstraße, um dort den Bus zum Flughafen nicht zu verpassen. Als er mehr als eine ¼ Stunde nach Fahrplan nicht gekommen ist, frage ich kurz im Super Brown nach, ob es auch mal sein kann, dass er gar nicht kommt. Genau in dem Moment ist der Bus dann natürlich vorbeigefahren. Ein Kunde im Super Brown bekommt das mit und bietet mir spontan an, mich zum Flughafen zu fahren. Auch wenn es quasi auf seinem Weg liegt und nicht weit entfernt ist, finde ich das unglaublich nett. Da der Liter Benzin hier ja auch mittlerweile NZ$ 3,44 kostet, möchte ich ihm zumindest das gesparte Geld für die Busfahrt geben, aber er lehnt ab. Check-in ist auf dem kleinen Flughafen wieder nur eine Sache von ein paar Minuten, aber ich muss ein Onward-Ticket vorzeigen. Ich habe noch Zeit mir auf der anderen Straßenseite in einem Restaurant mit Meerblick eine Pommes und ein Bier zu bestellen. Es sind nur wenige Meter vom Terminal zum Flugzeug, wo die kleine Propellermaschine startklar auf die Passagiere wartet. Es ist das erste Mal, dass in einem Flugzeug beim Betreten freie Sitzplatzwahl herrscht. Aus dem Flugzeug sieht man noch einmal schön die zackigen Berge und „The Needle“.


Rarotonga ist ja ziemlich klein, aber man kann schnorcheln, wandern, Bootstouren buchen, mit Schildkröten schwimmen und andere Dinge unternehmen. Das Geschäfte und Restaurants so früh schließen ist gewöhnungsbedürftig. Die meisten anderen Inseln des Landes sind für Tagesausflüge zu weit weg. Bei Aitutaki und Atiu, wäre es noch möglich da die nur circa eine ¾ Stunde Flugzeit entfernt sind. Air Rarotonga bietet Returntickets für circa NZ$ 300 an. Die nördlichen Atolle Pukapuka, Manihiki und Tongareva sind allerdings bereits fast 1300 km entfernt. Die Menschen sind sehr nett und entspannt. Für Neuseeländer ist es bezüglich der Entfernung ja ähnlich, als wenn wir zu einem Ziel am Mittelmeer fliegen. Deswegen hat man in der Hauptsaison in Juni und Juli kaum eine Chance ohne vorherige Reservierung in einem Restaurant einen Platz zu bekommen.
Die nächste Insel, die ich ansteuere ist circa 1100 Kilometer entfernt.