Tahiti

Nach gut 2,5 Stunden Flugzeit erreiche ich den Faaʼa International Airport in Französisch-Polynesien, genauer gesagt auf Tahiti. Tahiti ist eine der 14 Gesellschaftsinseln und zählt dort zu den 5 Inseln über dem Winde. Auf dem gesamten Archipel leben knapp 280.000 Menschen, wovon circa 190.000 auf Tahiti leben, was natürlich gar kein Vergleich zu Rarotonga ist. Die romantische Vorstellung der Südseeinsel, die man vielleicht im Hinterkopf hat, wird bei der Größe nicht wirklich wahr. Was Tahiti allerdings mit Rarotonga gemeinsam hat ist, dass das Inselinnere aufgrund der steilen Gipfel unbewohnt ist. Tahiti ist eine Doppelinsel bestehend aus dem größeren und älteren Tahiti Nui und dem in etwa nur 1/4 so großen und überwiegend unbewohnten Tahiti Iti. Ein circa 2 Kilometer breiter Streifen verbindet die beiden Vulkaninseln. Der höchste Berg auf Tahiti Nui ist der Mont Orohena mit 2241 Meter Höhe. Die Vorstellung, dass Tahiti von traumhaften weißen Stränden umgeben ist, sollte man zu Hause lassen. Es gibt nur verhältnismäßig wenige Strände (vorwiegend an der Westküste) und die sind meist Schwarz. Weiße Strände bei Hotelanlagen sind in der Regel künstlich angelegt worden, damit die Touristen das bekommen, was sie sich vorstellen. Die Hauptstadt der Insel ist Pape’ete. Auch wenn es sich um ein französisches Überseegebiet handelt, gilt hier nicht wie auf Réunion der Euro, sondern der Franc Pacifique (120 CFP ~ 1 €). Amtssprache ist per Gesetz Französisch, was leider dazu führt, dass die polynesischen Sprachen langsam aussterben.
Im Oktober 1788 erreichte die Bounty unter Kapitän Bligh Tahiti und blieb dort rund fünf Monate. Zu der legendären Meuterei kam es knapp vier Wochen später circa 2800 Kilometer östlich von Tahiti bei den Tongainseln. Eine weitere Sache, die man mit Tahiti verbindet, sind die weltbekannten Gemälde, die Paul Gauguin dort vorwiegend zwischen 1891 und 1893 malte.
Am Flughafen wird man direkt mit polynesischen Klängen begrüßt. Eine nette Geste, die für eine gute Stimmung sorgt.

Bedauerlicherweise gibt es am Flughafen nur SIM-Karten mit riesigem Datenvolumen, das für ein paar Tage viel zu viel wäre und somit auch zu teuer ist. Ich hoffe, es geht erstmal ohne, bis ich mir eine passende Karte in irgendeinem Shop kaufen kann. Mit dem Taxi fahre ich auf einer Art Autobahn zu meiner circa 6 Kilometer entfernten Unterkunft in Puna’aui’a an der Westküste. Den letzten Kilometer geht es bergauf in ein Wohngebiet, wo es weder Restaurants noch einen Supermarkt gibt. Am Ziel angekommen stehen wir zunächst vor einem verschlossenem Tor und der Taxifahrer muss erstmal die Vermieterin anrufen. Sie ist zwar sehr nett, aber ich bin schon etwas gestresst und der kleine Bungalow, zu dem sie mich führt, gefällt mir auch nicht besonders. Zum Glück konnte ich mir vom Lieferdienst noch etwas zu essen liefern lassen.


Gestern Abend konnte ich ja nur die Lichter sehen, aber vom Garten hat man einen wirklich schönen Blick auf die nur knapp 20 Kilometer entfernte Nachbarinsel Mo’orea mit ihrem markanten Bergkamm.

Ab heute habe ich einen Mietwagen gebucht, den ich jedoch am Flughafen abholen muss. Ich mache mich zu Fuß auf den Weg, in der Hoffnung unten an der Hauptstraße etwas zum Frühstücken zu finden und eine SIM-Karte kaufen zu können. Nach knapp 3 Kilometern erreiche ich den Supermarché Marina, der sogar 24 Stunden geöffnet hat. Da ja alles sehr französisch ist, gibt es dort natürlich auch frisches Baguette und Croissants. Nur einen Kilometer weiter folgt dann das Centre Moana Nui, in dem auch ein großer Carrefour Supermarkt ist. An der Bushaltestelle dort warte ich eine Weile vergeblich auf einen Bus, bis ich meinen Weg zum Flughafen letztendlich zu Fuß fortsetze.
Ich fahre an der Westküste Richtung Süden und entdecke dabei zwei schöne Street-Art Kunstwerke.

Am südlichen Ende der Westküste sind die Grottes de Mara’a. Das sind drei kleine Höhlen mit wohlklingenden polynesischen Namen wie zum Beispiel Te-ana-pape-o-Vai-poiri, was so viel bedeutet wie „Wasserhöhle mit dunklem Wasser“. Am Parkplatz zieht sich gerade jemand mit einer Blume „in der Hand“ in sein Haus zurück. Farblich genau angepasst an die herumliegenden Pflanzenteile und den Boden.

Die Höhlen sind wenig spektakulär, aber, obwohl direkt an der Straße, inmitten üppiger tropischer Natur.

Am Plage de Taharu’u beobachte ich die Surfer. Auch wenn es wie ein schöner Sandstrand aussieht, ist es doch sehr schwer ins Wasser zu gelangen, denn im Wasser ist kein Sand, sondern nur große Kiesel, die von den starken Wellen geräuschvoll durcheinander gewirbelt werden. Auf dem Foto von oben bekommt man ein bisschen eine Vorstellung davon, wie kraftvoll die Wellen sind, die teilweise bis ganz oben hochspülen.

Direkt am Strand steht ein kleines Haus vor dem Kanus liegen, die hier Va’a genannt werden. Während es am Strand immer wieder mal sonnig ist, zeigt der Blick ins Inselinnere, dass es dort stark bewölkt ist und zum Teil auch regnet.

Der Fluss Taharu’u mündet hier in den Pazifik. Viele Einheimische mit Kindern nutzen den ruhigeren Bereich zum Baden, da es dort keine Wellen gibt. Um ans Ende der Bucht zu kommen, muss man ihn durchqueren. Das Wasser ist kühl und nur etwa knietief, aber die Strömung ist sehr stark. Es ist nicht einfach sich auf den Beinen zu halten. Am Ende der Bucht sind kaum Wellen, aber ebenfalls eine starke Strömung, die jedoch zum Glück parallel zum Strand verläuft. Hat man nur einen kleinen Moment nicht beide Beine auf dem Boden, dann ist man schnell ein paar Meter weitergetrieben. Man erkennt gut, dass der Riffsaum nicht komplett geschlossen ist. In einigen Bereichen brechen sich die Wellen weit draußen und dort wo kein Riff ist, kommen sie bis auf den Strand.

Der erste Tag auf Tahiti geht mit einem schönen Sonnenuntergang zu Ende.