Teahupo’o

Heute werde ich im Uhrzeigersinn um die Insel fahren. Ohne Tahiti Iti sind das 115 Kilometer und mit Abstechern nach Teahupo’o und Tautira 189 Kilometer entsprechend 4 Stunden reine Fahrzeit. Es ist also ohne Stress an einem Tag machbar. Es ginge auch noch, wenn man mit dem Roller unterwegs ist.
In Pape’ete zunächst ein paar Street-Art Kunstwerke.

Surfen bestimmt scheinbar das Leben auf Tahiti. Überall sind Surfer unterwegs, ob an Land mit dem Brett unterm Arm oder im Wasser auf dem Brett. Sehr beliebt sind hier auch die kurzen Bodyboards mit denen man schnell mal vor der Arbeit oder Schule noch ein paar Wellen mitnehmen kann. An einigen Spots gibt es auch Duschen,

Bei Faaurumai verlasse ich kurz die Ringstraße um zum 80 Meter hohen Cascade Vaimahuta zu gelangen, den man vom Parkplatz zu Fuß nach wenigen Metern erreicht.

Der Ort Taravao bildet den Übergang zwischen Tahiti Nui und Tahiti Iti. Es gibt nur eine 20 Kilometer lange Straße an der Nordküste bis nach Tautira und eine ebenfalls 20 Kilometer lange an der Südwestküste nach Teahupo’o, wo ich zuerst hinfahre. Dieser abgelegene Ort mit circa 1500 Einwohnern war unglaublicherweise Austragungsort der Surf-Wettbewerbe während der Olympiade 2024 in Paris. Total verrückt und garantiert nicht nachhaltig die Wettbewerbe 15.800 Kilometer von Paris entfernt auszutragen. Immerhin hat man nicht noch irgendwelche Unterkünfte für die Teilnehmer gebaut, sondern hat diese auf der Aranui 5, einem Fracht-/Personenschiff, vor der Küste untergebracht. Auch der Neubau eines hässlichen Turmes für die Schiedsrichter konnte verhindert werden.
Die Wellen brechen etwa 500 Meter vor der Küste, wo das tiefe Meer auf ein sehr flaches Riff trifft. Das scharfkantige Riff ist teilweise weniger als einen Meter unter der Wasseroberfläche, was Stürze besonders gefährlich macht (nur 2 Monate nachdem ich dort gewesen bin, ist ein Surfer beim Aufprall auf das Riff tödlich verunglückt). Es sind wohl die gefährlichsten und schwierigsten Wellen der Welt.
Eine bittere Geschichte dieses entlegenen Ortes ist, dass nach einem Atomwaffentest auf einem Atoll 1974 radioaktiver Fallout viele Einwohner verstrahlt hat (Frankreich hat bis 1996 circa 195 Atomwaffentests in der Südsee gemacht 🙁 ). Heute 50 Jahre später ist zum Glück nur noch eine ganz geringe zusätzliche Strahlenbelastung messbar.
Kur vor Beginn der olympischen Wettbewerbe wurde die Bronzestatue der Surferin Vēhiātua-i-te-māta’i erricht, die sehr an die Duke Kahanamoku Statue auf O’ahu erinnert.

Man kann auch mit Booten dorthin fahren, wo sich die Wellen brechen, aber nachdem ich beobachtet habe, wie es beim Boarding beinahe zu einem Unfall gekommen ist, nehm ich davon Abstand. Aufgrund der Wellen am Strand müssen die Passagiere hüfthoch im Wasser zum Boot gehen. Offensichtlich hat der Bootsführer dabei das Boot nicht wirklich unter Kontrolle. Nur durch das schnelle Eingreifen Einheimischer vom Strand passiert nichts. Aus der Entfernung kann ich gar nicht erkennen, ob heute gute Wellen sind. Die Saison beginnt im April, hat aber ihren Höhepunkt von Juni bis August. Um eine Vorstellung von den Wellen zu bekommen, Habe ich hier ein tolles Foto verlinkt (weitere tolle Bilder hier)

Nachdem ich im Restaurant Hinerava etwas gegessen habe, gibt es erstmal einen ordentlichen Regenschauer. Dann fahre ich nach Tautira. Dort ist das Meer „relaxed“, aber auch sehr flach.

Um kurz nach 17 Uhr fahre ich zurück nach Puna’aui’a. Es sind circa 1,5 Stunden von Tautira und als ich ankomme ist es bereits dunkel.


Ich fahre morgens um 7 Uhr zum Marche Municipal Mapuru a Paraita in Pape’ete. Besonders sonntags ist dort ganz schön viel los, da viele Einheimische für den traditionellen Brunch den Ma’a Tahiti einkaufen und nur bis 10 Uhr geöffnet ist. Es dauert eine Weile, bis ich einen Parkplatz gefunden habe. Nicht nur in der Halle, sondern auch draußen werden sowohl Obst und Gemüse, als auch Fisch usw. angeboten. Im ersten Stock der Halle gibt es Kunsthandwerk und auch etwas zu essen oder einen Kaffee. Besonders beliebt scheint Pu’a rôti zu sein. Das ist mariniertes Schweinfleisch das langsam im Ofen oder über Holzkohle gegart wird. Dabei wird es regelmäßig mit Honig und Bratensaft übergossen, um eine glänzende, süß-herzhafte Kruste zu erhalten. An einem Stand im Erdgeschoss, wo es wohl besonders gut ist, stehen die Leute Schlange. Während ich mir das anschaue, reicht mir ein Einheimischer seine Tüte, damit ich etwas probieren kann. Auch wenn ich ja sonst eigentlich kein Fleisch esse, nehme ich mir ein Stück und verstehe, warum es sich lohnt sich dafür anzustellen.

Ein sehr beliebtes Streetfood ist auch Firi Firi. Das ist ein traditioneller tahitianischer Kokosnuss-Donut, der wie eine 8 geformt ist. Er schmeckt leicht süß, ist innen weich und außen leicht knusprig.
Spontan wird zwischen den Ständen auch musiziert. Ein tolle, entspannte Stimmung.

Auch wenn sich sonst niemand wirklich dafür interessiert, aber zumindest die Hühner gehen hier vorbildlich über den Zebrastreifen. 🙂

Vor Puna’aui’a fährt man mit modernen Kanus mit Mo’orea im Hintergrund. Wie man sieht, ist das Wetter sehr wechselhaft. Eben auf dem Markt schien noch die Sonne und jetzt hängen dunkle Wolken tief über der Insel.

Ich fahre nochmal an der Westküste runter bis Papara.

Es gibt auch noch eine wohl spektakuläre Nord-Süd-Verbindung durch das Inselinnere, die sogenannte Route Traversière. Das ist jedoch ein nicht asphaltierter 40 Kilometer langer Weg, der nur mit Allradfahrzeugen gefahren werden sollte. Reine Fahrzeit benötigt man für die Strecke 2 bis 3 Stunden und für normale Mietwagen ist die Route meist nicht zulässig und vermutlich auch nicht empfehlenswert, besonders, wenn es geregnet hat. Auf Google Maps hört der Weg mit Street View mitten in der Insel auf.
Tagsüber war es ja doch durchwachsen bewölkt mit einzelnen lokalen, kurzen Schauern, aber jetzt am Abend in der Bucht von Puna’aui’a gibt es noch mal einen herrlichen Blick auf den Sonnenuntergang mit der Silhouette von Mo’orea.