Spontan buche ich mir heute Morgen noch eine Schnorcheltour, obwohl es ziemlich bewölkt ist. Um 9:45 Uhr geht es im Hafen von Vaitape mit einem motorisierten Auslegerboot los. Die anderen der insgesamt 11 Passagiere wurden bereits woanders abgeholt.

Zum ersten Schnorchelspot sind es nur circa 10 bis 15 Minuten Fahrt. Als wir dort ankommen, scheint schon die Sonne und unser Boot wird gleich von Haien umzingelt. Es sind, wie schon auf Mo’orea, Schwarzspitzenriffhaie. Hier an der äußeren Riffkante hat das Wasser eine Tiefe von 20 bis 25 Metern und ist nicht mehr türkis, sondern fast königsblau. Ich ziehe mir die Schwimmflossen an, setze die Tauchermaske auf und dann geht es auch schon ins Wasser, das unglaublich klar ist.

Wow, was für ein Gefühl inmitten der Haie zu schwimmen. Ich schätze, es sind wohl 25 Exemplare, die immer wieder ihre Kreise drehen und denen man dabei ganz nahe kommt. Dadurch, das das Wasser so klar ist, kann man genau die Struktur der Haut mit jeder kleinen Narbe erkennen, wenn sie Auge in Auge vorbeischwimmen. Obwohl sie ganz ruhig schwimmen, ist es trotz Schwimmflossen nicht möglich ihnen länger zu folgen. Ganz besonders ist es, wenn die Haie gleichzeitig links, rechts, vor, hinter und unter einem sind. Einer von ihnen hat schon mal seine Rückenflosse eingebüßt. Die Haie werden begleitet von etlichen schwarzen Drückerfischen.


Oft schwimmen die Haie auch direkt auf einen zu, und gleiten dann weniger als einen Meter entfernt langsam vorbei. Bei dem einen oder anderen hat die Schwanzflosse mich sogar berührt. Klar ist natürlich auch, dass die Haie in der Anzahl dorthin kommen, weil es da regelmäßig etwas zu fressen gibt, allerdings aus Sicherheitsgründen nicht während die Touristen im Wasser sind. Aus wissenschaftlicher Sicht und im Sinne des Naturschutzes ist so etwas natürlich nicht gut. Allerdings hat es ja auch den Effekt, dass jeder der das einmal erlebt hat, bei Haien nicht mehr nur an blutrünstige Killer denkt, und dies auch so weitergibt. Nach einer halben Stunde bläst der Kapitän in die Muschel und es ist Zeit wieder ins Boot zu kommen, was natürlich schade ist, da das Erlebnis wirklich faszinierend ist. Auf geht es zum zweiten Schnorchelspot.

Dort gibt es zwar auch Haie, aber die Hauptakteure sind die Stachelrochen, die flacheres Wasser bevorzugen. An der Stelle des Riffs ist das Wasser nur circa 1,30 Meter tief. Die Stingrays haben geschätzt eine „Flügelspannweite“ von 1,20 Meter. Von der Spitze bis zum Ende des Stachels sind es gut und gerne 1,50 Meter. Sie zeigen keinerlei Scheu und fressen dem Kapitän aus der Hand. Man hat den Eindruck, dass sie die Berührungen auch nicht stören. Wenn sie wollten, dann könnten sie ja Distanz wahren.




Der nächste Spot ist noch einmal etwas weiter entfernt, aber auch die Bootsfahrt mit dem herrlichen Blick auf die Insel ist sehr schön. Der Spot ist der sogenannte Korallengarten. Wirklich sehenswert die verschiedenen lebenden Korallenstrukturen, auch wenn sich dort komischerweise relativ wenig Fische aufhalten. Besonders beeindruckend sind die riesigen „Mördermuscheln“ (Tridacninae), deren Mantelgewebe im Bereich der Öffnung durch Kristalle in allen möglichen, fast Neon-artigen Farben leuchtet.




Die Passagiere werden in umgekehrter Reihenfolge wieder ausgeladen, sodass wir auch an zwei Luxusresorts mit den Wasserbungalows anhalten. Was für ein gelungener Vormittag. Am Ende waren es nicht ganz 4 Stunden, da es wohl Anfangs Probleme mit einem Boot gab, das dann getauscht werden musste.



Heute verlasse ich Bora Bora bereits wieder. Am Bootspier hängt ein Fahrplan für die Shuttleboote an dem Tag mit den jeweiligen Flugnummern. Es macht mich etwas nervös, dass „mein“ Boot gerade abfährt, obwohl ich pünktlich dort bin. Zum Glück ist auch am Sonntag ein Ansprechpartner vor Ort und nach kurzer Prüfung erfahre ich, dass gleich noch ein Boot kommen wird. Am Flughafen gibt es dann leider die Mitteilung, dass sich der Flug verspätet.

Um 15:30 Uhr verlasse ich das Flughafengebäude in Pape’ete, wo ich quasi eine halbe Nacht in der Nähe des Flughafens bleibe, da es mitten in der Nacht um 3:55 Uhr wieder weitergeht. Die Unterkunft ist zwar nur einen Kilometer Luftlinie vom Flughafen entfernt, mit dem Taxi sind es allerdings 2,5 Kilometer und der Taxifahrer verlangt sogar noch die 500 CFP für „Surchage for Elevation“. Es ging zwar bergauf, aber ich bin mir nicht sicher, ob der Zuschlag dafür kassiert werden durfte. Die Fahrt endet vor einem geschlossenen Tor ohne Klingel. Da meine eSIM nur Datenvolumen und kein Telefon beinhaltet ruft der Fahrer beim Vermieter an und die Situation klärt sich. Da unklar ist, wie ich nachts ein Taxi zur Unterkunft bekomme, bietet der Vermieter an mich für etwas weniger als das Taxi kosten würde zu fahren. Außerdem fährt er mich umsonst kurz zum Supermarkt, damit ich mir etwas fürs Abendessen kaufen kann.
