Fès

Bevor es heute Mittag weiter Richtung Norden geht, schaue ich mich noch etwas in Fès um. Der Innenhof von dem Riad ist prachtvoll gestaltet und sehr gepflegt. Die Fenster der Zimmer sind meist zum kühlen Innenhof angeordnet, damit die heiße Luft von der sonnenbeschienenen Außenseite nicht hineinkommen kann. In diesem Fall sind es nur Öffnungen in der Wand, die außen durch schmuckvolle Gittern das Abstürzen verhindern und innen mit Holzläden zu verschließen sind. Die Zimmer sind alle nach Städten Marokkos benannt und unterschiedlich eingerichtet. Mein Zimmer trägt den Namen der nächsten Stadt auf meiner Reise, nämlich Chefchaouen.

Das Frühstück in dem Riad gibt es auf der Dachterrasse, von der man einen schönen 360° Blick über die Stadt hat.

Natürlich muss ich mir auch die für die Stadt bekannten Gerbereien anschauen. Arbeitsbeginn ist da laut Internet wohl aber erst um 10 Uhr, sodass ich vorher noch etwas durch die gerade erwachende Medina spaziere. Im Gegensatz zu Marrakesch ist es hier etwas weniger touristisch. Viele der kleinen Läden sind tatsächlich dafür da, Dinge des täglichen Bedarfs der Einheimischen zu decken. Außerdem fahren hier nicht noch die ganzen Motorroller zwischen den tagsüber dicht gedrängten Menschenmengen durch die Gassen.
Quasi gleich vor der Tür des Riads liegt eine Katzenmama mit ihren 10 Kindern um diese Zeit noch im „Bett“.

Die Geschäfte, wo lebende Hühner quasi „on demand“ geschlachtet werden, schrecken mich jedoch ab. Ich habe nicht zugeschaut, aber ich vermute, dass man die Tiere sowohl lebend als auch „küchenfertig“ kaufen kann. Ich habe lediglich gesehen, wie die Käfige morgens gefüllt wurden und abends bis auf ein paar Federn leer sind. Vor einem noch verschlossenen Rolltor eines Geschäftes liegen einfach so zwei für den Tag bestellte Rinderschinken „nackt“ auf einer Ablage, bis der Shop dann später aufmacht und sie hereinholt.
Morgens um 9 Uhr sind in vielen Gassen noch kaum Menschen unterwegs und die Morgensonne taucht alles in ein warmes Licht.

In die Moscheen darf man ja nicht hinein, wenn man kein Muslim ist. Gibt’s das in anderen Religionen oder Ländern auch, dass Menschen mit anderem Glauben der Zugang zu den Glaubensstätten verboten ist? Immerhin darf man hineinschauen.

Was für ein skurriler Laden im Jahr 2024. Vollgestopft bis unter die Decke mit Musikkassetten. Hier ist die Zeit wohl stehengeblieben.

Nun aber zu den Gerbereien bzw. Färbereien. Es gibt zwei davon in der Stadt, und zwar die Tannery Chouara und die etwas kleinere Tannery Sidi Moussa. Beide sind knapp 10 Minuten Fußweg voneinander entfernt und befinden sich jeweils in einem von Häusern umschlossenen Innenhof, dessen Eingang nur schwer zu finden ist. In den Häusern rundherum sind jedoch die Geschäfte angeordnet, in denen die fertigen Produkte aus dem Leder verkauft werden. Fast jedes der Häuser hat eine Dachterrasse, von der man auf die Tannery herunterschauen kann, und die Leute versuchen natürlich so viele Touristen wie möglich kostenlos auf die Terrasse einzuladen, damit diese dann hinterher im Shop etwas kaufen. Je nach Lust und Laune bzw. Ausdauer kann man sich so die Aussicht von verschiedenen Dachterrassen anschauen. Das Haus mit der besten Aussicht zu finden, ist da schon etwas schwieriger. Nicht alle Häuser haben nämlich eine wirklich gute Aussicht. Zum Glück sind die Verkäufer nicht sehr penetrant und man kann auch, ohne etwas zu kaufen, nach wenigen Minuten im Verkaufsraum wieder draußen sein. Oft werden dort dann auch große Gruppen von Guides hingeführt und dann gibt es Gedränge am Balkon. Vor dem Betreten der Terrasse bekommt jeder Gast etwas frische Minze für die Nase, da der Gestank wohl in der Regel ziemlich unerträglich ist. Ich hatte allerdings Glück, da vermutlich durch die relativ kühle Luft und den Wind eigentlich gar nichts gerochen hat. Auch wenn jetzt im April tagsüber selbst hier weiter nördlich im Land schon die 30° C erreicht werden, so kühlt es doch nachts meist noch bis auf frische 17° C oder sogar weniger ab.
Verarbeitet werden die Häute von Schafen, Ziegen, Kühen und Kamelen. Alles ist garantiert ohne Chemie. Nur Wasser, Gips, Taubenkot, Salz, Getreide und natürliche Farbstoffe werden für die einzelnen Arbeitsschritte verwendet. Auf jeden Fall ist es eine sehr anstrengende Arbeit, die Felle in der Lauge ohne technische Hilfsmittel zu reinigen, zu enthaaren, etliche Male zu waschen, zu stampfen und anschließend dann zu färben. Nach dem Trocknen liegt es dann an der Qualität und am Verhandlungsgeschick des Gerbers, wie viel er für das Produkt seiner Arbeit bekommt. Viel ist es auf jeden Fall nicht.
Die weißen rechteckigen Becken sind die Enthaarungsbecken und die Runden sind die Färbebecken.

Sidi Moussa
Chouara

Bevor ich Fès nach einem letzten Blick durch das Bab Boujeloud verlasse, fahre ich noch am Königspalast vorbei, in dem sich der König noch gelegentlich aufhält, wenn er nicht in seinem Palast in Rabat ist. Auch einen schönen Aussichtspunkt, von dem man die Stadt überblicken kann, nehme ich noch mit. Fès ist mit ca. 1,2 Millionen Einwohnern nach Casablanca die zweitgrößte Stadt des Landes.

Für die 200 km Strecke bis nach Chefchaouen sind zwischen 3,5 und 4 Stunden Fahrt erforderlich. Hier im Norden ist alles grün, vieles blüht jetzt im Frühjahr und es gibt viele landwirtschaftliche Flächen. Auffällig sind auch die ganzen Störche, die ich schon in mehreren Ortschaften gesehen habe und die ihre Eier zum Teil sogar schon erfolgreich ausgebrütet haben.

Die Medina von Schlumpfhausen, äh Chefchaouen liegt an einem Berghang auf einer Höhe von circa 600 Meter. Mehr dazu im nächsten Post.